"Die Höhle der Löwen"

Beeindruckende Hamburgerin wählt Wunschinvestor ihrer Mutter

Sümmeyya Bach aus Hamburg präsentiert ihr Antitranspirant Soummé in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“.

Sümmeyya Bach aus Hamburg präsentiert ihr Antitranspirant Soummé in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“.

Foto: TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Das Start-up Soummé überzeugt gleich drei Investoren der Vox-Show. Die Gründerin half sich mit ihrem Produkt selbst.

Hamburg. Ups, da war Beauty-Queen Judith Williams aber gar nicht amüsiert. Gleich drei 150.000-Euro-Angebote hatte Sümmeyya Bach zur Auswahl, nachdem sie ihr Antitranspirant Soummé am Dienstagabend in der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ vorgestellt hatte. Und während die Gründerin aus Hamburg sich kurz zum Überlegen zurückzog, stieg die Spannung im Studio deutlich an. Medienunternehmer Georg Kofler lehnte sich mit süffisantem Lächeln zurück. Bei Williams ließ sich das Interesse nur an einer leicht zuckenden Augenbraue erkennen. „Schwitzen ist ein Riesenmarkt“, flüsterte Löwe Ralf Dümmel. Das klang fast schon wie ein Mantra.

Wenige Minuten später war klar: Bach wollte ihn als Investor für ihr Spezialdeo gegen besonders starkes Schwitzen. „Meine Mutter hatte einen besonderen Wunschlöwen“, begründete sie ihre Entscheidung vor laufender Kamera. Der Handelsprofi sprang auf und umarmte die 31-Jährige begeistert. „Ich mache das mit dir groß.“

Sümmeyya Bach ist keine von den Gründerinnen, die mit ihrem Produkt ganz am Anfang stehen. Seit sechs Jahren arbeitet sie an ihrem Antitranspirant, hat 80.000 Euro in ihr Start-up investiert und 45.000 Kunden – alles aus eigener Kraft. Wenige Tage vor Ausstrahlung der Sendung ist die Tochter einer syrischen Mutter und eines deutschen Vaters mal wieder unterwegs, als das Abendblatt sie am Telefon erreicht.

Unternehmerin statt Juristin

„Ich leide seit meiner Kindheit an krankhaftem Schwitzen, sogenannter Hyperhidrose“, sagt die Unternehmerin. Das ist eine Störung des vegetativen Nervensystems. Selbst durch Jeans-, Leder- und sogar Winterjacken hätten sich trotz Minusgrade große Schweißflecken unter den Achseln abgezeichnet. In der Schule traute sie sich oft nicht, sich zu melden, weil sie sich schämte.

Da die meisten Gegenmittel bei ihr nicht wirkten oder ihre Haut beschädigten, fing sie neben ihrem Jurastudium an, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. „Ich wollte einfach nur mein eigenes Antitranspirant für mich machen“, sagt sie und erinnert sich noch, wie verzweifelt sie damals war. „Ich hatte nie den Traum, Unternehmerin zu werden.“

Ein bis drei Prozent der Deutschen mit Hyperhidrose

Als Grundschülerin wollte Sümmeyya Bach Juristin werden. Inzwischen hat sie ihren Berufswunsch erst mal hinten angestellt. Mehr als ein Jahr hatte sie in ihrer Wohnung in der Hamburger Neustadt auf der Suche nach einem Wirkstoff gegen ihr Schwitzen experimentiert. „Ich habe mir das Lexikon der kosmetischen Rohstoffe gekauft und nach und nach verschiedene Inhaltsstoffe besorgt.“ Und das, obwohl Chemie in ihrer Schulzeit nicht gerade eins ihrer Lieblingsfächer war.

Aber Bach hatte ein klares Ziel: ein Produkt auf pflanzlicher Basis ohne Farb- und Duftstoffe sowie Alkohol. Mit sich selbst als Testperson tastete sie sich vorwärts, bis sie ihre Wirkstoffkombination mit Salbeiextrakt und Aloe Vera gefunden hatte. Dabei würden die Schweißkanäle verengt und so das Schwitzen gebremst. „Das Produkt hat mein Leben verändert. Mein Schweißproblem hat sich um bis zu 90 Prozent reduziert“, erzählt die Soummé-Gründerin. Im Juni 2015 eröffnete sie ihren Onlineshop. „Ich möchte, dass sich Frauen und Männer, Mädchen und Jungen, die von diesem Problem betroffen sind, wieder normal fühlen können.“ Schätzungen zufolge leiden ein bis drei Prozent der Deutschen unter Hyperhidrose.

Mundpropaganda machte Antitranspirant bekannt

Natürlich war der Anfang schwierig, sagt Sümmeyya Bach: „Wer kauft schon ein unbekanntes Antitranspirant für 20 Euro?“ Über Mundpropaganda kamen immer wieder neue Kunden auf ihre Webseite. Die Bewertungen waren gut. „Aber ich habe immer klarer gemerkt, dass ich bei Vertrieb und Marketing Unterstützung brauche, wenn ich wachsen will“, sagt die Hamburgerin.

So entstand die Idee für die Bewerbung bei der „Höhle der Löwen“. Eigentlich habe sie sich den Auftritt vor den Investoren gar nicht zugetraut, aber dann bewarb sie sich spontan. „Ich war nach einer Fehllieferung mit falschen Aufsätzen für die Deoroller ziemlich angeschlagen und dachte, wenn ich in der Show mein Produkt zeigen kann, erreiche ich viele Menschen.“ Auch wenn man ihr die Aufregung bei der Aufzeichnung anmerkt, sagt sie: „Die Entscheidung war richtig.“

Dümmel, der über seine Firma DS Produkte sehr gute Kontakte in den Einzelhandel hat, ist inzwischen mit 20 Prozent Teilhaber bei Soummé. Mit seinem Investment von 150.000 Euro wurde die Produktion hochgefahren. Mit 200.000 Stück startet der Verkauf am Mittwoch bundesweit in den Läden. „Ich will möglichst viele Menschen erreichen, auch solche, die ganz normal schwitzen“, sagt die Gründerin.

Judith Williams hätte den Deal gern gemacht

Der Webshop wurde komplett erneuert. „Das Produkt ist aber unverändert.“ Eine neue Studie habe erfolgreich nachgewiesen, dass Soummé wirksam sei. Erhältlich ist es als Rollstift für 19,95 Euro oder in einer Box mit 14 einzeln verpackten Deotüchern für 24,99 Euro. Im Vergleich zu anderen Anti­transpirants ist das richtig viel Geld. Aber, sagt Bach, „oft reicht es, wenn man Soummé einmal in der Woche anwendet“. In diesem Jahr will sie eine Million Stück verkaufen.

Das sind ehrgeizige Pläne. Ihr Jura-Abschluss muss wohl noch ein bisschen warten. Die Hamburgerin plant weitere Produkte rund ums Schwitzen, konkret angedacht ist ein Fußpuder. Was hatte die unterlegene Investorin Judith Williams nach der Entscheidung in der TV-Show gesagt: „Schade, das ist die erste Gründerin, wo es wirklich wehtut.“