Energie

Zu wenig Strom – Hamburger Aluwerk drosselte Produktion

Aluminiumblöcke liegen im Hamburger Aluminiumwerk von Trimet auf Altenwerder.

Aluminiumblöcke liegen im Hamburger Aluminiumwerk von Trimet auf Altenwerder.

Foto: Andreas Laible

Stromnetz in Europa im Juni zeitweise überlastet. Ein Blackout soll aber nicht gedroht haben. Firmen sollten möglichst Energie sparen.

Hamburg.  Das Stromnetz ist an mehreren Tagen im Juni in eine kritische Situation geraten, weil zeitweise weniger Strom produziert wurde als benötigt. Ein Blackout hat nach Einschätzung der Bundesnetzagentur aber nicht gedroht. „Es bestand keine Gefahr für die sichere Stromversorgung in Deutschland“, sagte ein Sprecher. Die Gründe für das starke Ungleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch seien noch nicht geklärt.

„Die Lage war sehr angespannt und konnte nur mit Unterstützung der europäischen Partner gemeistert werden“, teilten die Übertragungsnetzbetreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW mit. Am 6., 12. und 25. Juni habe die zu geringe Stromeinspeisung in das deutsche Netz „jeweils zu einem Absinken der Netzfrequenz im gesamten europäischen Verbundnetz geführt“.

Strom wurde zusätzlich an der Börse gekauft

Die Übertragungsnetzbetreiber sind für die Stabilität der Stromversorgung verantwortlich, sie müssen dafür sorgen, dass genauso viel Strom eingespeist wird wie genutzt wird. Schwankungen gleichen sie mithilfe der für den Notfall vorgesehenen Regelenergie aus. An den drei Tagen im Juni habe der Bedarf an dieser Regelenergie im Schnitt mehr als 6 Gigawatt betragen. Das sei doppelt so viel gewesen wie vertraglich bereitgestanden habe.

Um das Ungleichgewicht zu schließen, mussten die Netzbetreiber zusätzliche Kapazitäten beschaffen. Neben Lieferungen aus dem Ausland sei zusätzlicher Strom an der Börse beschafft worden. Zudem wurden Firmen, die viel Strom verbrauchen, gebeten, ihre Produktion wenn möglich zu drosseln.

Hamburger Aluwerk musste Produktion drosseln

Eine solche Anfrage erhielt das Hamburger Aluminiumwerk von Trimet. „Wir haben auf Anforderung der Netzbetreiber unsere Leistungen erheblich reduziert und damit einen erheblichen Beitrag zur Stabilisierung des Stromnetzes in Hamburg geleistet“, sagte dem Abendblatt Klaus Schweininger aus dem Management des Werkes auf Altenwerder.

An allen drei Tagen sei mehrmals für eine Stunde die Elektrolyse als größter Einzelstromverbraucher abgeschaltet worden. In der Elektrolyse wird Aluminium aus Tonerde gewonnen. Die davon betroffenen 300 Mitarbeiter hätten in der Zeit andere Aufgaben übernommen. Eine entsprechende Vereinbarung mit den Netzbetreibern gebe es seit 1974. Zuletzt seien entsprechende Anfragen der Netzbetreiber häufiger geworden, sagte Schweininger. Fahren Unternehmen ihren Strombedarf hinunter, bekommen sie für ihr „netzdienliches Verhalten“ eine finanzielle Entschädigung.

Stahlwerk unterbrach Produktion an anderen Tagen

Andere große Hamburger Stromverbraucher wie der Kupferhersteller Aurubis und das Stahlwerk erhielten vom in Hamburg zuständigen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz nach eigenen Angaben keine entsprechende Anfrage. Sie setzten an den betroffenen Tagen ihre Produktion wie üblich fort.

Im Stahlwerk in Waltershof sei aber an drei anderen Tagen im Elektrolichtofenbogen die Produktion für zweimal 15 und einmal 60 Minuten unterbrochen, sagte Michael Colberg, der Leiter der Energieversorgung. Solche Anfragen gäbe es immer mal wieder.