Harburg
Milliarden-Projekt

Entscheidung über Mega-Stromkabel noch 2019

Thomas Wagner ist bei Tennet Projektleiter für Bürgerbeteiligung, hier sitzt er an einem Modell der späteren Suedlink-Baustelle

Thomas Wagner ist bei Tennet Projektleiter für Bürgerbeteiligung, hier sitzt er an einem Modell der späteren Suedlink-Baustelle

Foto: Axel Tiedemann / AT

Über 700 Kilometer soll dabei mit dicken Erdkabeln von Brunsbüttel aus erzeugter Windstrom in den Süden transportiert werden.

Tostedt.  Das Vorhaben gilt als eine Art Schlagader der Energiewende und wird bisher mit gut zehn Milliarden Euro kalkuliert: Über 700 Kilometer soll dabei mit dicken Erdkabeln von Brunsbüttel aus im Norden erzeugter Windstrom in den Süden des Landes transportiert werden. Seit etwa 2015 planen die beiden Netzbetreiber Tennet und TransnetBW den Trassenverlauf. Eine Vorzugsvariante für einen sogenannten, etwa 1000 Meter breiten Trassenkorridor ist jetzt gefunden - er verläuft in der Metropolregion Hamburg durch einen Tunnel in der Elbe nach Kehdingen bei Stade, weiter über Hechthausen, Kutenholz und dann quer durch den Landkreis Rotenburg.

Alternativ-Korridor bei Buxtehude und durch den Landkreis Harburg

Ein Alternativ-Korridor für die spätere bis zu 55 Meter breite Trasse befindet sich aber auch weiter im Osten und würde zwischen Apensen und Buxtehude und dann durch den Landkreis Harburg an Holvede, Hollenstedt und Tostedt vorbei führen. Und weil überall an den Suchkorridoren derzeit die Anwohner über die möglichen Trassen und Folgen des Projekts von den Suedlink-Planern informiert werden, gab es jetzt am Dienstag auch eine Infoveranstaltung in Tostedt. Während vielerorts, aktuell besonders in Thüringen, viel Bürgerprotest gegen das Vorhaben hochkocht, blieb das Interesse in Tostedt eher „verhalten“, wie Tennet-Mitarbeiter Thomas Wagner sagte, der für den Bereich Niedersachsen die Suedlink-Bürgerbeteiligung verantwortet.

Ist das Interesse im Landkreis Harburg erlahmt?

Vereinzelte Bürger tauchten dort in der Schützenhalle auf, fragten nach möglicher elektromagnetischer Strahlung oder schauten auf die Kartengrundlagen. Offenbar ist das Interesse im Landkreis Harburg erlahmt, seit der vorgeschlagene Trassenkorridor weiter westlich gefunden ist und die Energiewende nicht mehr vor der Haustür stattfindet. Andernorts ist die Lage schon anders, die neue Stromautobahn ist teils höchst umstritten, es gibt mittlerweile sogar einen Bundesverband von mehreren Bürgerinitiativen, der eine dezentrale Energiewende fordert. Ursprüngliche Pläne für Hochspannungsleitungen sind dann auch zu Beginn der Suedlink-Planung schnell wieder zu den Akten gelegt worden und nun setzen Regierung und Planer auf diese riesige Erdkabel-Leitung, die zumindest optisch weitgehend unsichtbar bleibt.

Verbindung beginnt und endet jeweils an Kernkraftwerken

Die Verbindung beginnt und endet jeweils an vorhandenen Kernkraftwerken, weil es dort ein stark ausgebautes Stromnetz für die spätere Verteilung gebe. In Brunsbüttel soll dann auch der Anschluss an eine Nord-Stromautobahn erfolgen, über die Deutschland bei Engpässen auch Strom aus Wasserkraftwerken aus Norwegen beziehen könne, wie Tennet-Referent Wagner sagte.

Allerdings ist die Entscheidung für den späteren Suedlink-Trassenverlauf längst noch nicht endgültig, die Route quer durch den Landkreis Rotenburg ist eben bisher nur ein Vorschlag der beiden Netzbetreiber. „Wir schlagen der Bundesnetzagentur diese Variante vor, dort wird dann aber die letzte Entscheidung getroffen“, sagte Wagner, der mit einem Beschluss noch Ende dieses Jahres rechnet.

Keine Entwarnung beim Landkreis Harburg

Und auch beim Landkreis Harburg gibt man lange noch nicht Entwarnung: Ein möglicher Trassenverlauf durch den Landkreis gelte als „ernsthaft in Betracht kommende Alternative“ und sei damit weiter „im Rennen“, wie es bei der Kreisverwaltung heißt, die auf „schwierige Bereiche“ dieser Alternativroute hinweist, so zum Beispiel besondere Wälder oder Biotope. Noch bis zum 24. Juni können nun Behörden wie die Kreisverwaltung aber auch die Öffentlichkeit Stellungnahmen zu den einzelnen Trassenkorridoren abgeben. Und dabei dürften dann doch noch einige kritische Stimmen hinzukommen: Denn zunächst ist mit dem Bau von Suedlink auch eine gewaltige Baustelle verbunden, wie ein Modell davon bei der Infoveranstaltung in Tostedt anschaulich zeigte. Mit entsprechendem Baustellenverkehr und einer breiten Schneise, die sich quer durchs Land ziehen wird,

Acht Gleichstrom-Kabel in vier Gräben

Acht Gleichstrom-Kabel in vier Gräben mit mindestens 1,30 Meter Erdabdeckung sollen dabei verlegt werden. Die eigentliche Baustelle wird dabei zunächst bis zu 55 Meter breit sein. Später werde es einen etwa 34 Meter Schutzstreifen geben, wo zwar kein Baum oder Schuppen stehen darf, der aber landwirtschaftlich genutzt werden könne.

Leistung von drei Kernkraftwerken

Durch die Kabel könne sich der Boden aber auf 40 Grad erwärmen. Auch magnetische Felder würden in der direkten Umgebung der Kabel entstehen, die Wirkung werde aber weit unter den Grenzwerten liegen. „Da kann man auch mit einem Herzschrittmacher längst gehen“, so Referent Wagner. Geplant sei, dass die Suedlink-Leitung eine solche Menge Strom transportieren kann, die der Leistung von drei Kernkraftwerken entspreche und zehn Millionen Haushalte versorgen könne. Mit einem Baubeginn rechnen die Betreiber voraussichtlich 2022, Betriebsbeginn soll etwa im Jahr 2025 sein – drei Jahre nachdem alle deutschen Kernkraftwerke bereits abgeschaltet sein sollen.