Mobilfunknetz

5G: Wie der Hamburger Hafen Standards für die EU setzt

Verkehrssteurerung per 5G-Netz: Blick von der Rethe-Hubbrücke auf die Rethe-Klappbrücke (Symbolbild)

Verkehrssteurerung per 5G-Netz: Blick von der Rethe-Hubbrücke auf die Rethe-Klappbrücke (Symbolbild)

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Hafenbehörde HPA, Telekom und Nokia schließen 16-Monats-Testreihe ab. Wie der Hafen vom neuen Mobilfunkstandard profitieren soll.

Hamburg.  Der Test des neuen Mobilfunk-Standards 5G im Hamburger Hafen ist nach Angaben der zuständigen Behörde und ihrer Projektpartner Telekom und Nokia erfolgreich abgeschlossen worden. Während der 16 Monate langen Testphase sei nachgewiesen worden, dass komplexe mobile Anwendungen aus dem industriellen Bereich mit jeweils unterschiedlichen Anforderungen in einem einzigen Netz zuverlässig funktionieren, teilte die Hafenbehörde Hamburg Port Authority (HPA) am Dienstag mit. „Wenn 5G offiziell startet, wären wir bereit, hier auch komplexe Anwendungen umzusetzen.“

Die HPA-Partner Telekom und Nokia hatten im Rahmen des EU-geförderten Projekts „5G-MoNArch“ herausbekommen wollen, ob die Ausdifferenzierung des einen Netzes in mehrere Unternetze unfallfrei zu bewerkstelligen ist. Dabei wurden in sogenannten Slices drei unterschiedlichen Subsysteme eingerichtet, die unabhängig voneinander funktionierten und trotzdem auch im Gesamtnetz arbeiteten, also erfolgreich integriert wurden. Die Netzteilnehmer können in mehreren „Slices“ gleichzeitig arbeiten.

Drei Teilprojekte mit Ampeln und 3-D-Bildern

Im ersten Teilprojekt hatten die HPA-Partner Telekom und Nokia Sensoren auf Schiffen installiert, die in Echtzeit Bewegungs- und Umweltdaten aus großen Teilen des 8000 Hektar umfassenden Hafengebiets lieferten. Im zweiten Teilprojekt wurden Lkw-Verkehre über eine ins Mobilfunknetz integrierte Ampel aus der Ferne durch den Hafen gelotst. Im dritten Teilprojekt wurden Wartungsteams mit 3-D-Bildern etwa von einer Baustelle versorgt bzw. konnten entsprechende Bilder dieser „Augmented-Reality-Anwendung“ an Experten übermitteln, um Ratschläge einzuholen.

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„Wir haben das Projektziel klar erreicht“, sagte HPA-Projektleiter Hendrik Roreger. Die unterschiedlichen Anwendungen funktionierten nebeneinander in einem einzigen Netz. „Durch die gesammelten Erfahrungen haben wir im Hamburger Hafen jetzt einen deutlichen Technologievorsprung. Wenn 5G offiziell startet, könnten wir komplexe Anwendungen umsetzen.“ Die Abdeckung mit dem 5G-Signal im Hafen würde durch die Mobilfunkprovider erfolgen.

Hamburg und Turin als Testfelder der EU

Christoph Schmelz, Nokia-Projektleiter und Gesamtprojektleiter von 5G-MoNArch: „Das Projekt im Hamburger Hafen hat Modellcharakter für den industriellen Einsatz von 5G. Wir konnten im realen Betrieb zeigen, dass Mobilfunknetze dank Network Slicing schnell und flexibel an die Bedürfnisse industrieller Anwender angepasst werden können.“ 5G werde die Industrie verändern, Nokias Expertise eine „echte Wachstumschance für Industry 4.0 bieten“

Der 5G-Test im Hamburger Hafen ist Teil des auf zwei Jahre angelegten Forschungsprojektes „5G Mobile Network Architecture for diverse services, use cases, and applications in 5G and beyond“, kurz „5G-MoNArch“. Während im Testfeld in Hamburg vor allem die Integration von 5G in die Verkehrs- und Infrastruktursteuerung auf dem Prüfstand steht, geht es in einem zweiten Testfeld des Projektes in Turin um Multimedia-Anwendungen. Das Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union fördert 5G-MoNArch als Projekt der Phase II der 5G Infrastructure Public Private Partnership.