Idee aus Hamburg

Mobile Partylocation: Kneipe zum Aufblasen für Zuhause

| Lesedauer: 5 Minuten
Wolfgang Horch
Markus Lege (l.) und Henrik Müller stehen in einem Luruper Garten vor ihrer aufblasbaren Kneipe.

Markus Lege (l.) und Henrik Müller stehen in einem Luruper Garten vor ihrer aufblasbaren Kneipe.

Foto: Michael Rauhe

Markus Lege und Henrik Müller vermieten das Partyzelt für 200 Euro pro Feier. Rund 20 Personen passen hinein.

Hamburg.  Henrik Müller drückt den roten Knopf an der gelben Maschine. Das Gebläse springt an. „Yeah, die Maschine geht los“, sagt ein kleines Mädchen aus der Nachbarschaft. Durch einen braunen Schlauch strömt Luft in eine am Boden liegende Kunststoffhülle. Langsam nimmt das Plastikmaterial Form an. Es steigt in die Höhe. Der 35-Jährige und sein Geschäftspartner Markus Lege (40) ziehen an den Ecken noch ein wenig die Plastikmasse nach oben – und nach rund zwei Minuten steht im Garten von Lege in Lurup eine aufblasbare Kneipe. Mit Heringen kann sie im Boden verankert werden, die oberen Teile können per Seil gespannt werden.

Die „Hüpfburg für Große“ kommt aus China

Im vergangenen Sommer hatten die beiden Freunde die Idee für das Geschäft. Beide kommen aus dem Hildesheimer Raum und kennen sich seit Jugendzeiten. Dort feierten sie so manches Mal im Partykeller der Eltern. In Zeiten steigender Immobilienpreise verzichten in Hamburg aber viele Hausbauer auf die Unterkellerung – wo sollte die Feier also stattfinden? Die Familienväter kamen auf die Idee ihrer aufblasbaren Kneipe. Im Internet fanden sie so ein Produkt nur in Australien. „In Deutschland gab es das nicht. Also brauchen wir so etwas für den Eigenbedarf“, sagt Müller, der im Hauptberuf Projektmanager im E-Commerce bei einer Otto-Tochter ist.

Sie suchten nach Firmen, die Hüpfburgen für Kinder produzieren lassen – denn dieses Prinzip steckt hinter ihrer Idee. „Es ist nichts anderes als eine Hüpfburg für Große“, sagt Lege. In China wurden sie fündig. Per WhatsApp lief die Feinabstimmung mit dem Hersteller. Der erfahrene Produzent habe zum Beispiel an Entlüftungsschlitze gedacht, damit die Luft nach dem Gebrauch schneller aus der Kunststoffhülle entweicht.

Die Grundfläche der mobilen Kneipe beträgt vier mal vier Meter

Die wichtigsten Vorgaben aber machten Lege und Müller. Damit die mobile Partylocation auch in kleinen Vorgärten Platz hat, sollte sie vier mal vier Meter Grundfläche haben. „Damit passt sie genau in meinen Garten“, sagt Müller, der in Schnelsen wohnt. Als Design wählten sie ein Backsteinhaus aus mit vier Meter hohem Spitzdach, Fenstern und Kneipentür in Holzoptik. „The Pub“ steht darüber. Türen und Fenster können per Klettverschluss geschlossen oder geöffnet werden. „Im Winter heizt es sich schnell auf“, sagt Lege, der im Hauptberuf Ausbilder für Fluggerätmechaniker bei Airbus ist. „Und im Sommer können alle Fenster aufgemacht werden, und der Wind pustet ordentlich durch.“

Auf der knapp 16 Quadratmeter großen Innenfläche – die übrigens keinen Boden hat – ist genug Platz für Stehtische, Bierzeltgarnitur und etwa 20 Personen. An der Decke und den Seitenpfeilern sind mehrere Haken angebracht, an denen zum Beispiel Lampen, Discokugel oder Boxen aufgehängt werden können. Mit der Musik kann auch das doch recht laute Geräusch des Gebläses übertüncht werden. Auch wenn es bisher noch keine Lärmbeschwerden von Nachbarn gegeben hätte, sehen die beiden Firmengründer an dem Punkt Verbesserungspotenzial. „Wenn man einen größeren Motor verwendet, läut der leiser“, sagt Lege.

Ideal für Geburtstage, Firmenfeiern oder Hochzeiten

Ende vergangenen November erhielten sie per Schiff aus China ihre aufblasbare Kneipe und waren mit der abgelieferten Qualität sehr zufrieden. Wer will, kann eine mit Luft gefüllte Kneipe bei den beiden kaufen. Rund 2500 Euro müssen dafür hingeblättert werden, je nach Ausstattung.

So kostet zum Beispiel ein Schornstein extra. Im Vordergrund steht aber ein anderes Geschäftsmodell: Sieben- bis achtmal war die mobile Partylocation bisher im Einsatz, unter anderem bei einem Weihnachtsfest mit 20 bis 30 Leuten. „Für Juni und Juli haben wir schon ein paar Vermietungen“, sagt Müller. Geburtstage, Firmenfeiern oder Hochzeiten sehen die beiden Gründer als mögliche Veranstaltungen.

Der Mietpreis pro Tag beträgt 200 Euro

Pro Feier verlangen die beiden 200 Euro. Dafür bekommen Kunden für 24 Stunden die Hüpfburg und das Gebläse – allerdings muss das 89 Kilogramm schwere und mit Spanngurten verschnürte Paket bei einem der beiden Geschäftsführer zu Hause abgeholt werden. In den Kofferraum von Kombis passe das besondere Partyzelt gut hinein. „Auf Wunsch können wir die Aufblas.bar gegen Extragebühr auch liefern“, sagt Müller.

Bisher nicht im Angebot ist die Inneneinrichtung, also der Verleih von aufklappbaren Bänken und Tischen. Sollte man weiter wachsen, erwäge man das ins Angebot zu nehmen. „Unser Traum ist, dass wir eine ganze Kneipenstraße damit aufbauen“, sagt Lege. So könnte man bei einer Hochzeitsfeier drei Erwachsenen-Hüpfburgen nebeneinander stellen, die jeweils andere Motti haben: normale Feier, Disco-Zelt und Cocktailbar beispielsweise. Müller: „Anders als in einer herkömmlichen Kneipe gilt hier: Die Öffnungszeiten bestimmt der Gastgeber.“ Und nach der Party lässt man buchstäblich die Luft raus.

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