Kraftwerke

Siemens unterstützt China beim Bau von Gasturbinen

Am Berliner Siemens-Standort werden Gasturbinen gebaut. Künftig soll auch China in die Lage versetzt werden, die Maschinen zu fertigen.

Am Berliner Siemens-Standort werden Gasturbinen gebaut. Künftig soll auch China in die Lage versetzt werden, die Maschinen zu fertigen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Ulrich Baumgarten / picture alliance / Ulrich Baumgarten

Siemens hofft auf Aufträge aus Asien für die schwächelnde Kraftwerkssparte. Hier will der Industriekonzern 2900 Stellen streichen.

MÜLHEIM/PEKING.  Der Siemens-Konzern baut seine Partnerschaft mit dem staatlichen chinesischen Konzern SPIC beim Kraftwerksbau aus. Die Deutschen wollen die Chinesen in die Lage versetzen, eigene große Gasturbinen zu bauen.

Bis der erste Prototyp voraussichtlich im Jahr 2023 ausgeliefert wird, erhofft sich Siemens im Gegenzug einen Zugang zum boomenden Kraftwerksmarkt in China. Siemens selbst spricht von einer „umfassenden Kooperation“. Besiegelt hat sie Konzernchef Joe Kaeser gemeinsam mit SPIC-Lenker Qian Zhimin am Dienstag in Peking.

Kaeser sucht seit längerer Zeit nach Impulsen für sein schwächelndes Kraftwerksgeschäft. Weil weltweit die Bestellungen von großen Turbinen zurückgehen, will Siemens in Deutschland 2900 Stellen streichen – ­davon 600 in Mülheim und 700 in Berlin.

Siemens will technisches Know-How vermitteln

China gilt als lukrativer Markt im Kraftwerksgeschäft. Um die schlechte Luft in den Metropolen in den Griff zu bekommen, will die Volksrepublik alte Kohlemeiler auf die sauberere Erdgastechnik umstellen. Eine gewaltige Aufgabe. „30 Prozent des globalen Gasturbinenmarktes finden in China statt“, sagt ein Siemens-Sprecher.

Von dem Boom will der deutsche Technologiekonzern profitieren. Bereits im vergangenen Sommer hatte Siemens mit dem staatlichen chinesischen Versorger SPIC – State Power Investment Corp – eine Grundsatzvereinbarung geschlossen.

Jetzt wird die Partnerschaft konkreter. Die SPIC-Tochter China United Heavy-Duty Gas Turbine Company (UGTC) plant, eine eigene Gasturbine für den heimischen Markt zu entwickeln. Siemens ist bereit, gegen Geld dafür technische Unterstützung zu leisten.

Chinesen sollen in Deutschland geschult werden

„Wir verkaufen den Chinesen keine Technologie“, erklärt der Siemens-Sprecher. Sie erhielten aber Zugang zu Werkzeugen, um am Ende eine eigene Gasturbine zu bauen. Es sei nicht zu erwarten, dass im großen Umfang Mitarbeiter aus Deutschland künftig in China tätig sein werden, um die dortigen Kollegen zu unterstützen.

„Wir greifen den Chinesen unter die Arme.“ Es sei geplant, dass sie in Deutschland geschult werden. Große Gasturbinen entwickeln Siemens-Ingenieure am Standort Mülheim. Gebaut werden sie in Berlin.

„Das Abkommen ist ein weiterer wichtiger Meilenstein unserer erfolgreichen technologischen Zusammenarbeit mit chinesischen Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten. Das Ziel beider Parteien ist eine langfristige Partnerschaft über den Rahmen der heute angekündigten ­Vereinbarungen hinaus“, erklärte Siemens-Chef Joe Kaeser am Dienstag in Peking.

Nachfrage im Westen ist eingebrochen

Geplant sind Projekte zur Digitalisierung von Kraftwerken, bei Wasserstoff und beim Energiemanagement. SPIC ist einer der fünf größten Versorger in China und deckt mit einer Kapazität von 126 Gigawatt 7,5 Prozent der Stromproduktion des Landes ab.

Während die Umrüstung des chinesischen Kraftwerksparks von Kohle auf Gas lukrative Aufträge verspricht, ist angesichts der Wende hin zu erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne die Nachfrage im Westen eingebrochen. Darunter leiden Hersteller großer Turbinen wie Siemens, General Electric und Mitsubishi Heavy Industries.

Im Neugeschäft schreibt Siemens mit den großen Turbinen bereits Verluste, nur das lukrative Servicegeschäft verhindert insgesamt rote Zahlen. Im Geschäftsjahr 2017/18 (Ende September) ist der Gewinn in der Siemens-Sparte Power Gas um drei Viertel auf 377 Millionen Euro eingebrochen, der Umsatz schrumpfte um 19 Prozent auf 12,4 Milliarden Euro.