Fremde Währungen

Geldumtausch bei Hamburgs Banken wird zur Glückssache

Chinesischer Yuan, amerikanische Dollarnote, englische Pfundnote und Euro: Immer weniger Banken verfügen über Bargeld in fremden Währungen.

Chinesischer Yuan, amerikanische Dollarnote, englische Pfundnote und Euro: Immer weniger Banken verfügen über Bargeld in fremden Währungen.

Foto: dpa Picture-Alliance / perschfoto / picture alliance / Stephan Persc

Mehr als jeder Zweite bevorratet sich mit fremder Währung, doch manche Geldinstitute in Hamburg bieten den Service nicht mehr an.

Hamburg.  Die meisten Hamburger finden es auch im Zeitalter von Plastik- und Digitalgeld beruhigend, wenn sie zumindest ein paar Banknoten des Ziellandes in der Tasche haben. Allerdings verfügen immer weniger Banken über Bargeld in fremden Währungen, den sogenannten Sorten wie das im Bankdeutsch heißt. Dabei wechseln bereits 56 Prozent der Deutschen bereits im Inland die jeweilige Fremdwährung, wie aus einer Studie der Steinbeis Hochschule Berlin hervorgeht. Häufig gibt es die Sorten in der Hansestadt nur noch auf Bestellung. Das Abendblatt hat nachgefragt und zeigt, wo und wie man noch schnell an fremde Währungen kommt.

Wo kann ich in Hamburg noch Euro in Dollar, Pfund und andere Währungen tauschen?

Das geht nicht mehr bei allen Banken und auch nicht mehr in jeder Filiale wie eine Umfrage des Abendblatts zeigt. Gefragt wurde nach einem Korb mit fünf gängigen Währungen: US-Dollar, britisches Pfund, Schweizer Franken, japanischer Yen und norwegische Krone. Bei der Hamburger Sparkasse (Haspa) können diese Währungen - bis auf den japanischen Yen - in jeder dritten Haspa- Filiale (insgesamt 40) sofort erworben werden.

„Den japanischen Yen gibt es nur in der Zentrale am Adolphsplatz sofort oder in den Filialen auf Bestellung“, sagt Haspa-Sprecherin Stefanie von Carlsburg. Es kann bei der Haspa bis zu sieben Tage dauern, bis die gewünschten Währungen in der Filiale sind.

Bei der Commerzbank können die fünf Währungen in allen Filialen mit Kassenbetrieb erworben werden, ebenso bei der Deutschen Bank. Bei der Targobank gibt es die Währungen nur noch in einer Hamburger Filiale und bei der HypoVereinsbank nur noch in der Hauptfiliale an der Stadthausbrücke. „Die Nachfrage geht gegen Null“, sagt Ralf Horak von der HypoVereinsbank.

Die Hamburger Volksbank hat keine Sorten mehr vorrätig, bestellt diese aber auf Kundenwunsch beim Kooperationspartner Reisebank, der sieben Filialen in Hamburg hat und in allen Zweigstellen mindestens 50 Währungen sofort anbieten kann. Postbank und die Sparda Bank Hamburg haben sich schon vor Jahren komplett vom Sortengeschäft verabschiedet. Die meisten Fremdwährungen haben Commerzbank und Reisebank im Angebot.

Bei welchen Banken kann ich auch als Nicht-Kunde tauschen?

Das ist bei Haspa, Deutsche Bank, Reisebank und Targobank möglich. In der Regel wird für die Fremdkunden eine zusätzliche Gebühr von rund fünf Euro fällig. Bei der Reisebank sind es maximal zehn Euro.

Wie teuer ist der Umtausch?

Große Unterschiede gibt es bei den einzelnen Instituten nicht. Für 100 Euro werden an einem vom Abendblatt vorgegebenen Zeitpunkt zwischen 106 Dollar (Deutsche Bank) und 109 Dollar (Commerzbank) ausgezahlt. Für Bestandskunden fallen keine weiteren Gebühren an. Nur bei der Reisebank hätte der Kunde für 100 Dollar rund 105 Euro bezahlen müssen. Sie ist der teuerste Anbieter im Test. Mit verantwortlich dafür ist die Servicegebühr, die in diesem Beispiel 5,50 Euro beträgt. Generell sind die Sortenkurse ungünstiger als die offiziellen Devisenkurse.

Der Aufschlag liegt beim Dollar bei mindestens vier Prozent. Je nach Währung können die Aufschläge noch deutlich höher ausfallen. Für den Rücktausch der Sorten sind dann die Kurse für den Kunden noch ungünstiger als beim Erwerb. Viele Kunden machen deshalb von der Möglichkeit des Rücktauschs keinen Gebrauch mehr. Denn 65 Prozent der Befragten tauschen ausländische Währungen nicht mehr zurück, geht aus der Studie der Steinbeis Hochschule hervor. Die Folge davon ist, dass die Deutschen über einen Sorten- und Reisescheckbestand von insgesamt 6,3 Milliarden Euro verfügen.

Kann ich mir Fremdwährungen nach Hause liefern lassen?

Während das Angebot in den Filialen ausgedünnt wird, bauen die Geldinstitute bis auf die Haspa den meist kostenpflichtigen Lieferservice aus. Kostenfrei ist das Angebot bei der HypoVereinsbank. Bei der Deutschen Bank fallen ab einem Umtauschwert von 300 Euro keine Gebühren an. Bei der Commerzbank kostet der Lieferservice 7,90. „Die vom Kunden bestellten Sorten liefern wir bei Ordereingang bis 15 Uhr im Regelfall bereits am Vormittag des folgenden Geschäftstages aus“, sagt Thomas Kleyboldt von der Commerzbank. Bei der Deutschen Bank dauert es ein bis zwei Werktage. Auch die Reisebank liefert zum Kunden nach Hause. Allerdings muss er vorher den fälligen Betrag an die Bank überweisen.

Ist es sinnvoll, erst im Zielland zu tauschen?

„Am besten ist es, sich am Ankunftstag am Geldautomaten mit der Landeswährung zu versorgen“, sagt Tanja Beller vom Bundesverband deutscher Banken. „Dies ist meist günstiger als vorher in Deutschland zu tauschen.“ Wer sich aber sicherer mit der Landeswährung in der Reisekasse vor dem Start fühlt, kann einen kleinen Betrag an Sorten erwerben. „Wir empfehlen unseren Kunden einen kleinen Handbestand für die ersten Tage im Reiseland mitzunehmen“, sagt von Carlsburg von der Haspa.

Bezahlt man mit Kreditkarte günstiger?

Die sogenannten Interbankenkurse, die für die Umrechnung genutzt werden, sind deutlich günstiger als die Sortenkurse (s. Grafik). Wer größere Beträge an Bargeld benötigt, sollte sich die erst im Zielland am Geldautomaten besorgen. Vorsicht ist angebracht, wenn der Geldautomat anbietet, sich die Landeswährung in Euro umrechnen zu lassen. „Diese Option sollte man ablehnen, denn für diesen Service können zwischen vier und zehn Prozent an Gebühren fällig werden“, sagt Tanja Beller vom Bundesverband deutscher Banken.

Man bekommt zumeist auch einen schlechteren Wechselkurs. Deshalb sollte man sich den Auszahlungsbetrag am Geldautomaten immer in Landeswährung anzeigen lassen. „Dann bestimmt immer ihre Bank den Wechselkurs“, sagt Beller.

Welche Kreditkarten sind günstig?

Mit den Interbankenkursen wird zwar günstiger umgerechnet, aber bei vielen Kreditkarten wird ein Auslandseinsatzentgelt fällig. Diese Auslandsgebühr beträgt rund 1 bis 2 Prozent vom Kaufbetrag. „Es gibt aber einige Kreditkarten, die sowohl kostenlose Bargeldabhebungen ermöglichen wie auch auf das Auslandseinsatzentgelt verzichten“, sagt Simeon Gentscheff von der Stiftung Warentest.

Dazu gehört die kostenlose Visa-Kreditkarte der DKB Bank. Allerdings ist sie an ein Girokonto gebunden, ebenso wie die Visa-Kreditkarte der Comdirect Bank. Sie ermöglicht kostenlose Bargeldabhebungen, hat aber eine Auslandsgebühr von 1,75 Prozent. Bankenunabhängig ist die kostenlose Kreditkarte Barclaycard Visa, die die Vorteile wie das Produkt der DKB Bank aufweist. „Allerdings sollte man bei dieser Karte nicht die teure Teilzahlungsfunktion nutzen, sondern immer zeitnah für einen Ausgleich der Umsätze sorgen“, sagt Gentscheff.

Was sind die Vor- Nachteile von Prepaid-Kreditkarten?

Prepaid heißt: „im Voraus bezahlt“. Nutzer müssen also erst Geld auf die Karte laden. Das ist von jedem Konto aus möglich und kostet oft nichts. Wird das Konto nicht beim Kartenherausgeber geführt, kann es einige Tage dauern, bis der Betrag gutgeschrieben ist. Ansonsten bietet die Karte vergleichbare Leistungen wie klassische Kreditkarten - so kann man Geld am Automaten abheben sowie im Internet oder Laden bezahlen.

Durch das Aufladen gibt es eine gute Kostenkontrolle, deshalb ist die Karte auch für Jugendliche gut geeignet. Die Eltern können sie mit einem bestimmten Budget ausstatten. Ein Nachteil der Karte: Bei ungeplanten größeren Ausgaben kann das Guthaben nicht ausreichen sein.