Gründerinnen mit Ehrgeiz

Start-up: Ankommen in Hamburg mit Localyze

Das Startup Localyze mit Hanna Marie Asmussen , Franziska Löw und Lisa Dahlke (v.L.)

Das Startup Localyze mit Hanna Marie Asmussen , Franziska Löw und Lisa Dahlke (v.L.)

Foto: Michael Rauhe

Drei junge Frauen haben ein Start-up gegründet, das Firmen bei der Eingliederung ausländischer Fachkräfte unterstützt.

Hamburg.  Wer aus Staaten wie Kuwait, Kamerun oder dem Kosovo stammt und als gesuchte Fachkraft in Deutschland arbeiten will, hat es nicht leicht: Es kann etliche Monate dauern, bis die bürokratischen Hürden auf dem Weg zum erforderlichen Visum überwunden sind.

Hanna Marie Asmussen kennt die Schwierigkeiten, die mit einem längeren Aufenthalt in einem Land auf einem anderen Kontinent verbunden sind, aus eigener Anschauung: Als Austauschschülerin war sie in Argentinien, während ihres Studiums lebte sie zeitweise in China und in der Dominikanischen Republik. Zusammen mit Lisa Maria Dahlke und Franziska Löw hat sie das Hamburger Unternehmen Localyze gegründet, das Neuankömmlinge zum Beispiel aus Asien oder Afrika beim Erledigen der Formalitäten unterstützen will.

Selbst entwickelte Software

„Wir drei haben alle selber relativ viel Zeit im Ausland verbracht und wissen aus eigener Erfahrung, dass der Start in einem neuen Land immer eine Herausforderung ist“, sagt Asmussen. „Daher kam uns die Idee, diesen Schritt zu erleichtern.“ Im Auftrag deutscher Unternehmen ebnen die drei Frauen, die sich während des Studiums in Flensburg kennenlernten, nun künftigen Mitarbeitern mittels einer selbst entwickelten Software den Weg bis zur Aufnahme des neuen Jobs.

Für Lisa Dahlke ist sogar die konkrete Aufgabe nicht neu, denn sie half drei Jahre lang beim Hamburger Spieleentwickler Goodgame Studios vielen Menschen aus mehr als 60 Nationen beim Umzug nach Deutschland. Asmussen arbeitete zuvor bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group, Löw steht kurz vor ihrer Promotion an der Helmut-Schmidt-Universität und kümmert sich bei Localyze um die Programmierung. Nach einer Marktsondierungsphase parallel zu den bisherigen Jobs legte das Start-up im vorigen Jahr richtig los, seit November ist es offiziell im Geschäft.

Auch Modehändler About You gehört zu den Kunden

Bisher konnten bereits mehr als zehn Firmenkunden gewonnen werden, darunter der zur Otto-Gruppe gehörende Hamburger Online-Modehändler About You sowie weitere schnell wachsende Unternehmen wie die französische Recruiting-Plattform talent.io und der Wohnungsanbieter Wunderflats. „Wir konzentrieren uns zunächst auf die Märkte Hamburg und Berlin und haben im ersten Schritt junge Unternehmen angesprochen, weil da der Zugang für uns leichter ist“, sagt Asmussen. „Wir sind aber auch schon in Kontakt mit größeren Konzernen, in Hamburg wie auch deutschlandweit.“

Localyze vermittelt auch Bankkonten sowie Krankenkassen- und Mobilfunkverträge

Sowohl die Kunden als auch ihre zukünftigen Mitarbeiter haben Zugriff auf die Localyze-Software, denn beide Seiten erhalten Hilfe im Hinblick auf die erforderlichen Formalitäten. So kennt das Programm unter anderem den besten Zeitpunkt für das Absenden eines Online-Antrags für einen Visumstermin bei der deutschen Botschaft vor Ort – kurz nach Mitternacht. Doch das Hamburger Team hilft nicht nur bei den Verwaltungsangelegenheiten.

Localyze vermittelt auch Bankkonten, Krankenkassen- und Mobilfunkverträge sowie möblierte Wohnungen für die ersten sechs Monate in der neuen Heimat. „Unsere Software enthält auch eine Stadtkarte, auf der zu sehen ist, wo es Parks und Ausgehviertel gibt und wie weit es bis zum Arbeitsplatz ist. So wollen wir den Mitarbeitern helfen, die Stadt kennenzulernen und sich möglichst schnell einzufinden“, sagt Asmussen.

Bisher werden fast ausschließlich IT-Kräfte unterstützt

Auf Wunsch ist Localyze auch bei der Suche nach einer dauerhaften Wohnung behilflich und organisiert eine Begleitung bei Besichtigungsterminen. Das ist im Preis für das Standardpaket allerdings nicht enthalten: Unternehmen zahlen für das Programm monatlich 99 Euro sowie jeweils 499 Euro pro neuem Mitarbeiter, der beim Zuzug unterstützt wird. Aktuell sind das rund 30: „Viele kommen aus Indien, andere häufiger vertretene Länder sind Brasilien, Russland, arabische Staaten, die USA und mit steigender Tendenz afrikanische Staaten.“ Bisher handelt es sich nahezu ausschließlich um IT-Kräfte, auf längere Sicht wird nach Einschätzung von Asmussen aber mehr und mehr Pflegepersonal hinzukommen.

Zunächst wollen die Localyze-Gründerinnen auch im übrigen Bundesgebiet Kunden gewinnen, die aber weiter von Hamburg aus betreut werden sollen. Für 2020 sind erste Auslandsstandorte vorgesehen, um Großkunden bei der Mitarbeiterrekrutierung für deren Tochterfirmen in anderen europäischen Staaten helfen zu können. Das böte dem Start-up die Möglichkeit, sich von kleinen Agenturen abzusetzen, die in Deutschland ebenfalls in diesem Geschäft tätig sind.

Zurzeit hat Localyze acht Mitarbeiter

Dazu muss das Localyze-Team, das aktuell aus acht Personen besteht, aber selbst kräftig wachsen. Um die Expansion stemmen zu können, läuft derzeit eine neue Finanzierungsrunde, in der es um einen Betrag „im oberen sechsstelligen Bereich“ geht. Vor einem Jahr hatte sich das junge Unternehmen das „Exist“-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums gesichert, einen Monat später gab es im Rahmen des von der Haspa, der Hamburg Commercial Bank und der Stadt Hamburg organisierten Programms „Next Commerce Accelerator“ 25.000 Euro. Hinzu kamen 150.000 Euro von der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB) und weiteres Kapital von einem so genannten „Business Angel“.

Unternehmen will in drei Jahren EU komplett abdecken

Asmussen und ihre Mitgründerinnen haben jedenfalls schon ehrgeizige Pläne, wie es weitergehen soll: „In zwei oder drei Jahren möchten wir die EU komplett abgedeckt haben, dann dürfte Localyze um die 100 Mitarbeiter haben.“ Es wird auch daran gedacht, die Software für Freiberufler und Studenten zugänglich zu machen. Für 2022 peilt man mehr als 20 Millionen Euro Umsatz an. Angesichts der Wachstumspläne werde es jedoch noch mindestens drei Jahre dauern, bis das Start-up Gewinne erzielt.