Digitalwährung

Goldrausch und Ernüchterung der „Kryptowährung“ Bitcoin

Bitcoin ist eine digitale Währung, die längst nicht nur von Nerds genutzt wird. Doch warum ist diese Kryptowährung so beliebt und welche Technik steckt dahinter?

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Seit zehn Jahren gibt es die Digitalwährung Bitcoin. 2017 stieg ihr Kurs auf 20.000 Dollar. Diese Zeiten scheinen aber vorerst vorbei.

Frankfurt/Main.  Vor zehn Jahren kursierte im Internet ein Papier, das die Grundlage für die Kryptowährung Bitcoin legte. Inmitten der Finanzkrise sollte ein digitales Geldsystem geschaffen werden, das Banken und Notenbanken überflüssig macht.

Die Digitalwährung ist zu einem der großen wirtschaftlichen Phänomene unserer Zeit geworden. Ihr sagenhafter Kursanstieg in den vergangenen Jahren befeuerte Träume von schnellem Reichtum. Doch ein Kursabsturz in diesem Jahr dämpfte diese Euphorie.

• Wer hat Bitcoin erfunden?

Bis heute weiß niemand, ob das Gründungsdokument – ein Papier von nur acht Seiten – eine Einzelperson geschrieben hat oder eine Gruppe von Programmierern. Jedenfalls wird es mit dem japanischen Namen Satoshi Nakamoto in Verbindung gebracht, ein Pseudonym.

Noch bis 2010 postete Satoshi zahlreiche Diskussionseinwürfe in Online-Foren und beteiligte sich an der Weiterentwicklung des Bitcoins. Wann immer er sich zu Wort meldete, nutzte er Anonymisierungsverfahren. 2010 allerdings verschwand er von der virtuellen Bildfläche. Satoshi hörte einfach auf zu posten.

• Wie funktioniert die Digitalwährung?

Das Prinzip ist am einfachsten zu verstehen, wenn man es mit dem klassischen Geldsystem vergleicht: Bei Währungen wie dem Euro braucht es immer eine dritte Partei, die bestätigt, dass Geld vorhanden ist und den Benutzer wechseln darf: Banken als Vermittler, die Notenbank als Vertrauensgarant. Beide versichern im Hintergrund, dass der Kauf eines Fernsehers durch Überweisung von einem Konto erfolgen kann.

Satoshi hingegen schaltete mit der Erfindung des Bitcoins den Vermittler aus. Seine Lösung: Wenn alle Transaktionen der Teilnehmer eines Geldsystems für alle einsehbar und nachvollziehbar sind, weiß jeder, wer über Geld verfügt und wer nicht. Dann braucht es keine zentrale dritte Instanz und keinen Vermittler mehr.

• Was sind Bitcoins?

Bitcoins sind Dateien. In ihnen sind alle Geschäfte gespeichert, die jemals mit Bitcoins gemacht wurden. Aus Sicherheitsgründen sind die Dateien stark kryptografisch verschlüsselt, deshalb wird Bitcoin auch als „Kryptowährung“ bezeichnet. Wenn eine Person also mit Bitcoin eine Pizza gekauft hat, ist das in der Bitcoin-Datei gespeichert: Bitcoin-Teilnehmer A wandert zu -Teilnehmer B (Pizzabäcker).

Bitcoin goes Pop

Ein Bitcoin entsteht durch das sogenannte Mining – das Schürfen neuer Bitcoins. Dabei müssen Computer eine aufwendige Rechenaufgabe lösen. Wer dies am schnellsten schafft, bekommt zur Belohnung Bitcoins. Insgesamt können nur 21 Millionen Einheiten generiert werden – ein Grund für die Wertsteigerungen in den vergangenen Jahren. Eine Software speichert die Informationen über die Bitcoin-Verteilung in Blöcken. Kommt eine neue Transaktion, wird diese zusammen mit allen vorhergehenden in einen neuen Block gepackt und an die vorhandenen Blöcke angehängt.

Die Blöcke bilden also eine Kette – das nennt man Blockchain-Technologie. Wer die Kette manipulieren will, müsste die verkettete Historie der Transaktionen möglichst auf allen Rechnern manipulieren. Und das ist – Stand heute – fast ausgeschlossen.

• Gibt es andere digitale Währungen?

Mittlerweile gibt es Hunderte digitale Währungen. Am weitesten verbreitet sind Bitcoin, Ethereum und XRP. Der Kurs eines Bitcoins liegt aktuell bei rund 6300 Dollar (5532 Euro).

Noch immer sind alle digitale Währungen starken Schwankungen unterlegen. Ende vergangenen Jahres schoss der Bitcoin-Kurs in ungeahnte Höhen, um dann – fast ebenso heftig – wieder abzusacken.

• Was sind die Nachteile?

Die Anonymität des Systems kann von Kriminellen ausgenutzt werden, um illegale Geschäfte zu machen. In den vergangenen Jahren sind außerdem bereits zahlreiche Bitcoin-Börsen pleitegegangen oder einfach über Nacht vom Netz gegangen.

Außerdem verschlingt das Schürfen neuer Bitcoins und die Rechenleistung, die die Computer erbringen müssen, viel Energie. Zwar ist es schwer, die Menge benötigter Energie zu berechnen. Ein niederländischer Forscher hat unlängst geschätzt, dass die für das Bitcoin-Mining nötige Energie schon jetzt dem jährlichen Energieverbrauch Irlands entspricht.