Lebensmittel

Warum Brot und Brötchen in Hamburg teurer werden

Tobias Schulz ist Geschäftsführer der Bäckerei Junge. Die Firma überlegt, zum Jahresende die Preise zu erhöhen.

Tobias Schulz ist Geschäftsführer der Bäckerei Junge. Die Firma überlegt, zum Jahresende die Preise zu erhöhen.

Foto: Michael Rauhe / HA

In einer Nur-Hier-Filiale kostet das Schokocroissant plötzlich 1,50 Euro statt 1,35 Euro. Die Konkurrenz dürfte folgen.

Hamburg.  Süßes oder Saures?, heißt es am Ende des Monats wieder zu Halloween. Wer heute beim Bäcker etwas Süßes haben möchte, dem kann das aber bereits in diesen Tagen sauer aufstoßen. Beim Bezahlen. Denn eine der größten Ketten in Hamburg hat die Preise kräftig erhöht. In einer Nur-Hier-Filiale in der City kostet das Schokocroissant plötzlich 1,50 Euro statt 1,35 Euro. Für das Franzbrötchen in der einfachen Zimtvariante werden an der Kasse 1,35 Euro statt zuvor 1,20 Euro fällig – ein sattes Plus von 12,5 Prozent. Seit gut einer Woche sei alles teurer geworden, sagt ein Verkäufer. Andere Backwaren kosten sogar 30 Cent mehr, wie zum Beispiel das Dinkelvollkornbrot. 4,60 Euro müssen Kunden dafür nun zahlen. Die Getreidepreise seien gestiegen, sagt der Verkäufer. Eine Anfrage des Abendblatts lässt die zur Allwörden-Gruppe gehörende Firma unbeantwortet.

Beim Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks äußert man sich zwar nicht zu einzelnen Unternehmen, wohl aber zu den Hintergründen. Der trockene Sommer hätte Konsequenzen für viele Branchen gehabt, sagte Hauptgeschäftsführer Daniel Schneider. „Das Bäckerhandwerk war ebenfalls direkt betroffen durch hitzebedingt ausbleibende Kunden – gerade in den innerstädtischen Bereichen – und damit verbundene Umsatzrückgänge von bis zu 20 Prozent.“ Zudem treffe die Bäcker die schlechte Ernte der Landwirtschaft, der daraus entstehenden Verknappung und Preiserhöhung von Rohstoffen.

Preissteigerungen von Backwaren

„Die deutschen Bauern haben eine miserable Getreideernte eingefahren“, sagte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV), bei der Präsentation der Erntebilanz im August. 35,6 Millionen Tonnen seien es gewesen, und damit 26 Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2017. Das spiegelt sich in den Rohstoffpreisen wider. Für eine Tonne Weizen werden derzeit gut 200 Euro verlangt, rund 30 Prozent mehr als zum Jahresanfang. Beim Bauernverband wehrt man sich aber dagegen, für Preissteigerungen von Backwaren verantwortlich zu sein. Bei einem Brötchen würden weniger als sieben Prozent des Preises auf den Getreideanteil fallen. Damit eine Preissteigerung von einem Cent bei Rundstück und Co. gerechtfertigt sei, müsste sich der Getreidepreis verdoppeln, lautet die Rechnung des Bauernverbands.

Die Hamburger Verbraucherzentrale hält von der Argumentation mit gestiegenen Rohstoffkosten ebenfalls nicht viel. „Das hört sich nach Ausreden an“, sagt Lebensmittelexperte Armin Valet. „Die Rohstoffkosten machen nur einen geringen Anteil vom Endpreis aus“, ist auch er überzeugt. Hauptkostentreiber seien Ausgaben für Marketing, Personal und Energie.

Individuell entscheiden

Jeder Betriebsinhaber müsse individuell entscheiden, ob er die Preise für die Verbraucher verändere, sagt Hauptgeschäftsführer Schneider vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. Die Struktur der Betriebe sei sehr heterogen. Aus der Branche heißt es, dass Mehl um 20 bis 25 Prozent teurer geworden sei. Die Lieferverträge standen im September zur Neuverhandlung an. Auch der Butterpreis liegt wieder nahe seinem Höchstwert. Während der hohen Temperaturen im Sommer hätten die Kühe weniger Milch gegeben, sodass das Angebot verknappt sei.

Molkereiprodukte und Eier gehörten mit einem Aufschlag von 3,5 Prozent im September laut Statistischem Bundesamt zu den Produktgruppen mit überdurchschnittlichen Preissteigerungen. Auch die Lebensmittel insgesamt lagen mit einem Plus von 2,8 Prozent im Vergleich zum September 2017 über der allgemeinen Inflationsrate. Diese lag in Deutschland bei 2,3 Prozent. Höher war die Teuerung zuletzt im November 2011 mit 2,4 Prozent. Seit Mai liegt die Inflationsrate kontinuierlich über der Marke von zwei Prozent, die die Europäische Zentralbank anpeilt.

Gestiegene Einkaufspreise für Rohstoffe

Mit Blick auf die Inflationsrate ist es also nicht überraschend, dass auch andere Bäckereiketten auf dem Hamburger Markt überlegen, ihre Produkte zu verteuern. „Wir werden in den nächsten Wochen noch eine Preiserhöhung durchführen“, heißt es von Dat Backhus. Mit rund 115 Geschäften gilt das Unternehmen als größte Bäckerei an Alster und Elbe. Um welche Produkte es gehe, und wie viel die Kunden künftig mehr zahlen müssen, teilte das Unternehmen nicht mit.

Etwas auskunftsfreudiger ist die Lübecker Bäckerei Junge. „Wir denken ernsthaft darüber nach, zum Jahresende eine Preiserhöhung durchzuführen“, sagte Unternehmenssprecher Gerd Hofrichter. Zur Begründung verweist er auf die allgemein gestiegenen Kosten. Dazu gehören die gestiegenen Einkaufspreise für Rohstoffe, aber auch steigende Kosten für Personal oder Kraftstoff. Laut Statistischem Bundesamt wurde Diesel um 3,6 Prozent im September teurer. Das macht sich bei den Lübeckern direkt bemerkbar.

Denn die Familienfirma unterhält einen eigenen Fuhrpark mit mehr als 50 Lastwagen, die Brot und Brötchen jeden Tag in die rund 200 Filialen nach Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg bringen. In der Hansestadt gibt es knapp 50 Junge-Geschäfte. „Die Preiserhöhung soll so moderat wie möglich ausfallen“, sagt Hofrichter. Wahrscheinlich werde sie aber das gesamte Sortiment mit Brot, Brötchen, Kaffee, Snacks und Säften treffen, weil alles teurer geworden sei.