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„Bild“ wird nicht mehr in Druckerei von Madsack gedruckt

Ausgaben der „Bild“ laufen über das Transportband der Zeitungsdruckerei Leipzig.

Ausgaben der „Bild“ laufen über das Transportband der Zeitungsdruckerei Leipzig.

Foto: Michael Schöne / imago

Die Leipziger Druckerei der Madsack-Gruppe druckt in Zukunft nicht mehr „Bild“ und „BamS“. Der Auftragsverlust ist besonders bitter.

Berlin.  Mit einer verkauften Auflage von gut 1,6 Millionen Exemplaren ist Axel Springers „Bild“ nach wie vor die auflagenstärkste deutsche Zeitung. Die Druckauflage liegt sogar bei gut 2,2 Millionen Exem­plaren. Druckereien, die das hochauflagige Boulevardblatt drucken dürfen, können sich glücklich schätzen.

Zu diesen Glücklichen zählt bisher die Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft, eine Tochter der Zeitungsgruppe Madsack („Hannoversche Allgemeine Zeitung“, „Leipziger Volkszeitung“). Auf ihrer Website beziffert sie das tägliche Volumen des „Bild“-Druckauftrags auf 270.000 Exemplare. Hinzu kommen 60.000 Exemplare der „Bild am Sonntag (BamS)“.

Doch ein Ende dieses höchst lukrativen Auftrags ist absehbar: Springer will spätestens zum Jahreswechsel 2019/2020, höchstwahrscheinlich aber schon Mitte 2019, die bisher in Leipzig gedruckten Exemplare von „Bild“ und „BamS“ in der verlagseigenen Druckerei in Berlin-Spandau produzieren lassen. So berichten es übereinstimmend Quellen aus den beiden betroffenen Verlagen. Während Springer sich dazu offiziell nicht äußern will, blieb eine entsprechende Anfrage bei Madsack zunächst unbeantwortet.

Druckerei könnte noch einen Auftrag verlieren

Der Leipziger Druckerei würde durch den Wegfall des „Bild“-Druckauftrags mehr als die Hälfte ihres täglichen Druckvolumens wegbrechen, das offiziell bei knapp 520.000 Exemplaren liegt. Und so, wie es derzeit aussieht, könnte die Druckerei noch einen weiteren Druckauftrag verlieren, diesmal einen ihrer Konzernmutter.

Wie es in sächsischen Medienkreisen heißt, spricht Madsack mit der in Dresden ansässigen DDV Mediengruppe, einer Tochter von Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“). DDV verlegt und druckt die „Sächsische Zeitung“ und die „Dresdner Morgenpost“. Bei den Unterredungen soll es um den Druckauftrag für die „Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN)“ gehen, die bisher in Leipzig in einer Auflage von knapp 23.000 Exemplaren gedruckt werden.

Spekulationen über „Leipziger Volkszeitung“

Einige Quellen sprechen davon, dass auch über weitere Verlagsdienstleistungen geredet wird, weshalb beide Verlage eine Voranfrage bei den zuständigen Kartellbehörden gestellt hätten. In Südostsachsen hat die „Sächsische Zeitung“ schon jetzt eine marktbeherrschende Stellung. Wenn alles klappt, könnten die „DNN“ bereits Anfang 2019 bei DDV gedruckt werden. Eine DDV-Sprecherin sagt, ihr Haus mache „grundsätzlich keinerlei Aussagen zu potenziellen Kunden“.

Spekulationen gibt es zudem darüber, dass Madsack über kurz oder lang auch den Druckauftrag für die „Leipziger Volkszeitung“ an ein Drittunternehmen vergeben könnte. Das Blatt kommt auf eine Druckauflage von knapp 180.000 Exemplaren und ist nach „Bild“ derzeit der zweitgrößte Kunde der Leipziger Druckerei.

Theoretisch könnte DDV auch die Zeitung aus der Messestadt drucken. Doch als wahrscheinlicher gilt, dass ein solcher Auftrag an die MZ Druckereigesellschaft in Halle gehen würde, eine Tochter der DuMont Mediengruppe. Das liegt nicht nur an der Nähe zu Leipzig. DuMont und Madsack kooperieren schon auf anderen Feldern.