Ermittlungen

Betrugsverdacht bei P&R – Hamburger bangen um ihr Geld

Containerstapel auf dem Frachter „CSCL Globe“ in Hamburg

Containerstapel auf dem Frachter „CSCL Globe“ in Hamburg

Foto: picture alliance / dpa

Investmentfirma hat offenbar eine Million Schiffscontainer, die es gar nicht gibt, an Anleger verkauft. Staatsanwaltschaft ermittelt.

Hamburg.  Bei der insolventen Investmentfirma P&R geht es jetzt um den Vorwurf des Betrugs. Tausende Anleger haben möglicherweise über Jahre hinweg Geld in Schiffscontainer gesteckt, die gar nicht existierten. Das besagt die bisherige Bestandsaufnahme des vorläufigen Insolvenzverwalters Michael Jaffé. Die Staatsanwaltschaft München I hat deshalb jetzt Ermittlungen unter anderem wegen Betrugsverdachts gegen frühere und heutige Geschäftsführer aufgenommen, wie die Behörde am Donnerstag mitteilte.

Nach Angaben Jaffés und der Staatsanwaltschaft steht den 1,6 Millionen Schiffscontainern, die über vier zu der Gruppe gehörende Verwaltungsgesellschaften an rund 54.000 Anleger verkauft wurden, eine Flotte von nur rund 600.000 Containern gegenüber. Sämtliche Angaben müssten allerdings noch überprüft werden.

„Anlagebetrug und ein menschliches Drama“

„Das ist ein riesiger Anlagebetrug und ein menschliches Drama“, sagte der Rechtsanwalt Peter Mattil, der mehr als 100 betroffene Hamburger Anleger vertritt. „Bei uns melden sich viele ältere Leute heulend am Telefon, die auf die Einkünfte angewiesen sind. Das habe ich so noch nicht erlebt“, so Mattil, der in den Gläubigerausschuss gewählt worden ist. 40 Prozent der Anleger bei P&R seien im Alter zwischen 70 und 100 Jahren.

„Die haben bereits vor Jahrzehnten in das Containerleasing investiert. Auch bei der Verbraucherzen­trale Hamburg häufen sich Anfragen von Kunden der insolventen P&R-Gruppe. „Die Anleger fürchten um ihr Geld und wollen jetzt unseren Rat“, sagte Verbraucherberaterin Gabriele Schmitz. Die Anleger hatten bei der Investmentfirma Container gekauft, einige Jahre an Leasinggesellschaften sowie die Transportindustrie vermietet und dafür Mietzahlungen bekommen. P&R hatte versprochen, die Container am Ende der Vertragslaufzeit zurückzukaufen.

Anleger sollen Ruhe bewahren

Der „Fehlbestand“ an Containern habe sich seit dem Jahr 2007 kontinuierlich aufgebaut, erklärte die Staatsanwaltschaft. „Im Rahmen des Ermittlungsverfahrens wird die strafrechtliche Verantwortlichkeit hinsichtlich der Beschuldigten in Bezug auf jeden Anleger von Amts wegen geklärt werden.“ Angesichts des zu erwartenden großen Umfangs des Verfahrens hat die Behörde eine Arbeitsgruppe „Container“ gebildet. Die Ermittler haben nach Angaben einer Sprecherin eine größere Zahl von Beschuldigten im Visier.

Insolvenzverwalter Jaffé rief die Anleger dazu auf, Ruhe zu bewahren, und die Fortschritte in den einzelnen Insolvenzverfahren abzuwarten. „Wir tun alles dafür, um den Schaden der Anleger so gering wie möglich zu halten. Dies setzt aber voraus, dass sich die Beteiligten trotz der schwierigen Situation im eigenen wirtschaftlichen Interesse rational verhalten.“ Trotz der enormen Differenz zwischen verkauften und vorhandenen Schiffscontainern stellten Letztere einen „substanziellen Wert“ dar. Es gelte nun, die Miet- und die späteren Verkaufserlöse für die Anleger zu sichern und zu realisieren.

Ihre Forderungen können die Anleger dennoch erst nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens anmelden, die für Juli erwartet wird. Nach Angaben eines Sprechers von Jaffé lässt sich dann auch erst die genaue Höhe bestimmen. Nach bisherigen Schätzungen soll es um eine Anlagesumme von bis zu 3,5 Milliarden Euro gehen.