Festgeld

Zinsen nur im Ausland – aber wie sicher ist das Geld dort?

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Steffen Preißler
Festgeld bringt kaum noch Zinsen (Symbolbild)

Festgeld bringt kaum noch Zinsen (Symbolbild)

Foto: Imago/bonn-sequenz

Wer eine akzeptable Rendite will, muss meist auf ausländische Banken setzen. Wie lange Sie sich bei Festgeld binden sollten.

Hamburg.  Seit Jahren werden die Sparer mit Minizinsen abgespeist. Die Konditionen sind deutlich niedriger als die Inflationsrate. Fast 400 Banken zahlen inzwischen überhaupt keine Zinsen mehr auf das Tagesgeld. Dazu gehört die Hamburger Sparkasse. Auch Festgeld oder festverzinsliche Anleihen mit guter Bonität bringen kaum noch Zinsen. Wird sich daran 2018 etwas ändern? Wo gibt es noch relativ hohe Zinsen? Wie sicher sind ausländische Banken? Das Abendblatt sprach mit Experten und beantwortet im dritten Teil einer Serie zur Geldanlage 2018 die wichtigsten Fragen zur Zinsentwicklung für Sparer.


Warum sind die Zinsen so niedrig?

Mit dem Aufkauf von Staats- und Firmenanleihen hat die Europäische Zen­tralbank (EZB) das Zinsniveau nach unten geschraubt, um so die Konjunktur insbesondere in den südlichen Euro-Ländern anzukurbeln. Eine zehnjährige Bundesanleihe bringt nur eine Rendite von 0,31 Prozent. „Die Banken werden mit Geld zugeschüttet, es ist zu viel Geld da“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. Tatsächlich haben die Banken ein Problem, mit den Kundeneinlagen profitabel zu arbeiten. An weiteren Einlagen sind die meisten Banken nicht interessiert. Denn wenn sie es bei der EZB parken, müssen sie 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

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Wird sich die Situation 2018 ändern?
Das ist nicht zu erwarten. „Wir werden noch lange niedrige Zinsen in Europa haben“, sagt Thomas Welling, Vorstand der Otto M. Schröder Bank. Viele Experten rechnen bis mindestens 2019 mit diesem Zustand. Die meisten Zins­konditionen bleiben unter der Inflationsrate von 1,8 Prozent. Zwar hat die EZB die Anleihekäufe etwas reduziert, aber Welling erwartet, dass das EZB-Ankaufprogramm nach September 2018 weitergehen wird. „Erst eine spürbare Erhöhung der Leitzinsen durch die EZB würde Bewegung in die Konditionen für kurzfristige Spareinlagen und Tagesgeld bringen“, sagt Herbst. Das sei aber nicht zu erwarten. Zurzeit sind die Leitzinsen negativ, bis sie wieder deutlich positiv sind, wären viele Zinsschritte nötig.


Was heißt das konkret für Sparer?

Im Durchschnitt aller Banken sind die Einlagenzinsen kaum messbar. So gibt es für Tagesgeld nur noch 0,04 Prozent. Ein zweijähriges Festgeld bringt 0,23 Prozent, so eine Übersicht des Vergleichsportals Verivox. „Top-Angebote bringen aber wesentlich bessere Konditionen“, sagt Christoph Jennen, Geschäftsführer bei Verivox. Es lohne sich also zu vergleichen, um Kaufkraftverluste zu begrenzen.


Wie lange soll man sich binden?

„Nicht länger als zwei Jahre“, sagt Herbst. Denn die Zinsaufschläge für längere Zeiträume sind nicht besonders attraktiv. Ein kurzer Anlagezeitraum bietet bessere Reaktionsmöglichkeiten, falls die Zinsen doch wieder steigen sollten. Beispiel: Die Deniz Bank bietet für zwei Jahre ein Prozent Zinsen. Wenn sich der Anlagezeitraum verdoppelt, beträgt der Zinssatz aber nur 1,25 Prozent.


Wo gibt es noch relativ hohe Zinsen?

Die höchsten Zinsen bieten ausländische Banken, bei denen das Geld über Vermittlungsplattformen wie Zins­pilot oder Weltsparen angelegt werden kann. Die Abwicklung erfolgt zum großen Teil über das Internet. Die höchsten Tagesgeldzinsen von mehr als einem halben Prozent bieten schwedische, französische und maltesische Banken. So verzinst die Fimbank Tagesgeld mit 0,71 Prozent. Die Anlage erfolgt über die Hamburger Vermittlungsplattform Zinspilot. Für einjähriges Festgeld gibt es bei der Alpha Bank (1,33 Prozent) aus Rumänien, der AS Privatbank Lettland (1,19). Für zwei Jahre gibt es bei den Letten 1,5 Prozent.


Wie funktionieren die Plattformen?

Die Internetportale wie Zinspilot oder Weltsparen kommen mit dem Geld der Sparer nicht in Kontakt. Sie sind lediglich Plattformen, über die die Abwicklung läuft. Der Kunde eröffnet bei einer deutschen Bank ein Konto, auf das das Geld eingezahlt wird. Von dort fließt es zur auslän­dischen Bank und wird nach Ablauf der Anlage wieder auf das deutsche Konto überwiesen. Zinspilot arbeitet dabei mit der Hamburger SutorBank zusammen. 100.000 Kunden haben bisher über Weltsparen vier Milliarden Euro bei ausländischen Banken angelegt. Zinspilot hat 80.000 Kunden mit einer vermittelten Anlagesumme von 3,5 Milliarden Euro.


Wie sicher sind die Einlagen bei den ausländischen Banken?

Grundsätzlich sind die Einlagen mit 100.000 Euro pro Person abgesichert. Im Pleitefall soll der Kunde spätestens nach 20 Tagen sein Geld zurückhaben. Sparer müssen sich bei einer Pleite nicht mehr mit der jeweiligen Entschädigungseinrichtung im Ausland auseinandersetzen. Entschädigungszahlungen laufen automatisch über das deutsche Einlagensicherungssystem im Auftrag der ausländischen Einrichtung. Umstritten ist, wie gut die nationalen Entschädigungsfonds für eine Bankeninsolvenz in ihrem Land gerüstet sind. Auf der Basis von Daten der Europä­ischen Bankenaufsichtsbehörde von 2016 hat das Anlegerportal Kritische Anleger die nationalen Sicherungstöpfe im Verhältnis zu den Kundeneinlagen bewertet.

Im deutschen Topf waren Ende 2016 demnach 5,6 Milliarden Euro. Das entspricht nur einem halben Prozent der Anlegergelder. Rumänien oder Estland liegen bei mehr als drei Prozent. „Dennoch ist der Glaube der Sparer an die deutsche Einlagensicherung ungebrochen“, sagt Stefan Erlich, Redaktionsleiter des Portals Kritische Anleger. Wer sein Geld bei einer ausländischen Bank anlege, sollte mehrere Faktoren berücksichtigen, so Erlich: „Neben der Einlagensicherung im Verhältnis zu den Spareinlagen ist das das Rating der Bank, das nicht schlechter als BBB- sein sollte.“ Von Vorteil sei, wenn es sich um eine kleinere Bank handele. Eine Pleite bleibt dann für die nationale Einlagensicherung verkraftbar.


Welche Zinsen gibt es bei Banken mit deutscher Einlagensicherung?

Für eine zweijährige Festgeldanlage zahlt die türkische Ziraat Bank – mit Filiale am Steindamm – 0,90 Prozent Zinsen. Das Institut ist Mitglied in der Einlagensicherung des Bundesverbands deutscher Banken. Pro Kunde sind 37 Millionen Euro abgesichert. Die türkische Akbank bietet für den gleichen Zeitraum 0,85 Prozent. Pro Kunde sind 115 Millionen Euro abgesichert. Die Akbank macht mit deutscher Einlagen­sicherung beim Tagesgeld mit 0,50 Prozent Zinsen eines der besten Angebote.


Wie viel zahlen deutsche Banken?

Bei den meisten deutschen Banken liegen die Zinsen für ein einjähriges Festgeld zwischen 0,30 Prozent (Santander) und 0,05 Prozent (Deutsche Bank). Bei der Hamburger Varengold Bank gibt es 0,70 Prozent. Interessant ist das Angebot der HSH Nordbank (über Zinspilot) mit 0,95 Prozent für ein einjähriges Festgeld oder 0,85 für ein sechsmonatiges Festgeld. Aber können die Sparer ihr Geld bei dem krisengeschüttelten Institut anlegen?

„Die Bank selbst wird von den Ratingagenturen zwar nur als durchschnittlich gute Anlage bewertet (BBB-), aber die zuständige Einlagen­sicherung der Sparkassen verfügt über liquide Mittel in Höhe von etwa 2,5 Milliarden Euro. Das sollte im schlimmsten Fall für die Entschädigung der Sparer ausreichen“, sagt Erlich. Frank Rassier vom Vergleichsportal modern-banking macht Einschränkungen. „Falls die Landesbank doch abgewickelt werden sollte, weil der geplante Verkauf nicht gelingt, müssen die Anleger dann die Einlagensicherung in Anspruch nehmen.“

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