Geldanlage

Hamburgs Börsenchef: „Keine Alternative zum Aktienkauf“

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Volker Mester
Hamburgs Börsenchef Thomas Ledermann im Handelsraum am Rathausmarkt

Hamburgs Börsenchef Thomas Ledermann im Handelsraum am Rathausmarkt

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Experte Thomas Ledermann rät Privatanlegern trotz der hohen Kurse zu einem Einstieg – aber am besten über Sparpläne.

Hamburg.  Aktien und Immobilien verteuern sich immer weiter, Zinsen auf Guthaben gibt es dagegen praktisch keine mehr. In diesem Umfeld können sich Sparer und Geldanleger am Sonnabend auf dem Hamburger Börsentag über Finanzthemen informieren. Aus diesem Anlass sprach das Abendblatt mit Hamburgs Börsenchef Thomas Ledermann.

Welche Themen stehen auf dem Börsentag im Mittelpunkt?

Thomas Ledermann: Ganz allgemein ist es wieder die Vermögensverwaltung, aber in diesem Jahr besonders die Geldanlage in Immobilien. Dabei sind die Renditen für Investoren gerade in Ballungszentren durch die kräftigen Kaufpreissteigerungen auf ein sehr niedriges Niveau gesunken. Für Wohnungen zahlt man inzwischen häufig das 30-Fache, teilweise sogar das 40-Fache der jährlichen Mieteinnahmen. Aber das Interesse an Immobilien geht einher mit der in Deutschland traditionell schwach ausgeprägten Aktienkultur. Das finden wir sehr schade.

Welche Aktien von Hamburger Banken empfohlen werden

Seit Jahresbeginn hat der Deutsche Aktienindex (DAX) um 17 Prozent zugelegt, während die Zinsen weiter nahe null liegen. Sollte das nicht reichen, um wieder mehr Menschen zu Aktienkäufen zu veranlassen?

Ledermann: Das sollte man meinen, aber wir spüren da leider immer noch eine sehr starke Zurückhaltung. Der Aufschwung der Kurse geht weitgehend an den Privatanlegern vorbei. Dabei ist bei sinnvoller Streuung das Risiko gar nicht so groß – und die Renditen, mit denen man am Aktienmarkt rechnen kann, sind deutlich höher als bei den Immobilien.

Der DAX erklimmt fast täglich neue Allzeithöchststände. Können Sie guten Gewissens dazu raten, jetzt Aktien zu kaufen?

Ledermann: Anlegern, die bereit sind, den Markt aufmerksam im Blick zu behalten und schnell zu reagieren, bieten sich auch jetzt gute Chancen. Für Privatpersonen, die ihr Geld längerfristig, also für fünf Jahre oder länger anlegen wollen, bieten sich Sparpläne zum Beispiel in Aktienfonds an. Sie haben den großen Vorteil, dass man in schwächeren Börsenphasen von den niedrigeren Kursen durch die ebenfalls niedrigen Einstandspreise profitiert und damit unabhängiger von Marktschwankungen wird.

2017 dürfte das sechste Jahr in Folge mit einem Aktienkursplus werden. Viele Experten erwarten inzwischen einen Abschwung. Warum hat er nicht längst eingesetzt?

Ledermann: Dazu muss man sich fragen: Wo sind die Alternativen zum Aktienmarkt? Ich sehe keine. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird noch auf absehbare Zeit bei ihrer Nullzinspolitik bleiben. Außerdem läuft die Konjunktur derzeit gut, und die Unternehmensgewinne rechtfertigen die hohen Kurse.

Der Börsentag

Auf dem Börsentag wird in vielen Expertenvorträgen von langfristig orientierter Geldanlage in Sachwerten die Rede sein. Doch der Kurs der Digitalwährung Bitcoin hat sich seit Jahresbeginn versechsfacht. Wer damit spekulierte, konnte enorm hohe Gewinne einstreichen. Wie stehen Sie dazu?

Ledermann: Ich muss zugeben, ich verstehe diesen Hype nicht so richtig. Schließlich stehen ja keine echten Werte hinter diesen virtuellen Währungen. Die zugrunde liegende Technologie – die sogenannte Blockchain – ist für Finanzmärkte aber zweifellos interessant. Denn man kann diese Technik grundsätzlich auch nutzen, um die Preise realer Güter damit abzubilden.

Ein weiteres Zukunftsthema, das auf dem Börsentag angesprochen wird, sind die Anlageroboter. Kann ein Computerprogramm bessere Investment-Entscheidungen treffen als ein Mensch?

Ledermann: Das ist schwer zu beantworten. Menschliche Entscheidungen im Hinblick auf die Vermögensanlage beruhen in vielen Fällen auf einer Mischung aus Datenauswertungen und Bauchgefühl. Aber manche Investoren setzen schon lange auf die Charttechnik. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass durch die Analyse sehr großer Datenmengen bestimmte Muster erkennbar werden, die bei Anlageentscheidungen helfen.

Werden sich nicht die Kursausschläge am Aktienmarkt noch verstärken, wenn viele Anlageroboter zur gleichen Zeit die gleichen Kauf- oder Verkaufsentscheidungen fällen?

Ledermann: Das würde ich nicht ausschließen. Allerdings gab es auch bisher nicht sehr viele Anleger, die sich bewusst gegen Marktentwicklungen stellen.

Sie haben das große Interesse an Immobilienanlagen angesprochen. Profitiert der Fondshandel der Börse Hamburg davon?

Ledermann: Ja, das ist in diesem Jahr ein Zugpferd unseres Handels. Allerdings werden manche der älteren Fonds von den Anbietern abgewickelt, und es kommen nicht so viele neue nach.

Die Hamburger Börse ist immer wieder durch Innovationen aufgefallen. Arbeiten Sie an einem neuen Geschäftssegment?

Ledermann: Spätestens Anfang 2018 sollte tatsächlich wieder einmal ein neues Marktsegment hinzukommen. Dabei geht es um den Kauf und die Vermietung von Containern.

Wer Aktien besitzt, dürfte mit dem Jahr 2017 sehr zufrieden sein. Wie läuft es geschäftlich für die Hamburger Börse?

Ledermann: Ich denke, es wird auch für uns ein schönes Jahr.

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