Ölkonzern

Posten bei Rosneft – Warum sich Schröder diffamiert fühlt

Gut im Geschäft: Russlands Präsident Vladimir Putin und Altkanzler Gerhard Schröder (SPD).

Gut im Geschäft: Russlands Präsident Vladimir Putin und Altkanzler Gerhard Schröder (SPD).

Foto: imago stock / imago/ITAR-TASS

Schröder verteidigt sich gegen Kritik an seinem Posten beim Ölkonzern Rosneft. Marktkenner bezweifeln, dass er genug Erfahrung besitzt.

Moskau.  Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) geht nach harter Kritik an seinem Engagement beim russischen Ölkonzern Rosneft in die Offensive – und verteidigt die mögliche Berufung zum Aufsichtsrat als Vorgang, der die Öffentlichkeit nichts angehe. Die Bewerbung sei eine private Entscheidung, sagte Schröder der Schweizer Zeitung „Blick“. Die Aussage des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz, er würde solch ein Angebot nicht annehmen, kommentierte Schröder mit den Worten: „Jeder muss selbst wissen, was er sagt.“ Er werde den Wahlkampf von Schulz weiter unterstützen, wenn dieser das wolle.

Er habe nicht „mit dieser Einseitigkeit“ in der Berichterstattung gerechnet: „Es ist eine politische Kampagne zugunsten von Frau Merkel. Man will ihr über die Diffamierung meiner Person helfen.“ Schröder hat beste Aussichten, am 29. September in den Aufsichtsrat der Ölfirma gewählt zu werden. Das Jobangebot mit einem Bruttojahresgehalt von etwa 500.000 Dollar ist in Deutschland heftig umstritten. Es wäre nicht Schröders erster Russland-Posten. Seit Ende 2005 sitzt er dem Aktionärsausschuss der Gazprom-Tochter Nord Stream vor.

Einbettung ins Machtsystem des Kremls

Rosneft ist neben Gazprom das zweite Standbein der staatlichen russischen Rohstoffexportwirtschaft. Mit täglich geförderten fünf Millionen Barrel Öl­äquivalent liegt der Konzern vor dem größten US-Ölriesen ExxonMobil. Rosneft ist ins Machtsystem des Kremls eingebettet. Firmenchef Setschin gilt als vielleicht engster Vertrauter von Präsident Wladimir Putin. Wie er hat Setschin KGB-Erfahrung, diente ihm später als Chefsekretär in der Petersburger Stadtverwaltung und der Moskauer Regierung. „Setschin ist ein Teil der Gehirnzellen Putins“, sagte ein Minister 2004 der Zeitschrift „Time“.

Das Gespann soll dafür gesorgt haben, dass bei der Zerschlagung des Jukos-Konzerns 2004 die Filetstücke der vormals größten russischen Ölfirma bei Rosneft landeten. 2013 erwarb Rosneft den damaligen Branchendritten TNK-BP. Experten schätzen, Rosneft habe sich seit Putins Machtantritt inländische Besitzstände im Wert von insgesamt 88 Milliarden Dollar angeeignet. Der Konzern expandiert auch im Ausland. In Deutschland ist Rosneft an drei Raffinerien beteiligt, Setschin selbst verkündete stolz, Rosneft stelle 5000 deutsche Arbeitsplätze sicher.

Kooperationen sind inzwischen erschwert

Zu Hause aber hat der Konzern mächtig Schulden angehäuft: zum Jahreswechsel insgesamt umgerechnet 62,6 Milliarden Dollar. Kritiker werfen Rosneft Vetternwirtschaft und Missmanagement vor. Wie auch Gazprom hat Rosneft praktisch kaum eigene neue Techniken entwickelt, sondern setzt auf Kooperation mit westlichen Rohstoffkonzernen. Rosneft und ExxonMobil schlossen 2011 eine Partnerschaft ab, bei der es um schwer erschließbare Ölfunde in der Arktis und dem Schwarzen Meer geht. Setschin und der damalige Exxon-Chef Rex Tillerson – inzwischen US-Außenminister – sollen gemeinsam Motorrad gefahren sein. Die Kooperationen sind inzwischen erschwert. Rosneft steht ganz oben auf der Sanktionsliste, die der Westen nach der Krimkrise gegen Russland verhängte.

Gerhard Schröder steigt also bei einer Firma ein, die mehr Transparenz und Effektivität braucht. „Ich glaube nicht, dass Schröder Rosneft helfen kann“, sagt der Petersburger Wirtschaftsexperte Dmitri Trawin. „Er ist kein Fachmann im Ölgeschäft, weiß auch nicht, wie russische Betriebe funktionieren.“ Aber es sei gut möglich, dass Schröder angeheuert wurde, um mit seinen Beziehungen Rosnefts Position im Westen zu stärken. Und um vielleicht sogar die Sanktionen zu Fall zu bringen. „Diese Sanktionen erfüllen ihre Funktionen nur bedingt“, sagte Schröder gestern – und gab damit womöglich einen vielsagenden Einblick in seinen Auftrag.