Unternehmensverantwortung

Fairer Vergleich: Warentest nimmt Gütesiegel unter der Lupe

Nachhaltigkeitssiegel sollen für bessere Arbeitsbedingungen sorgen

Nachhaltigkeitssiegel sollen für bessere Arbeitsbedingungen sorgen

Foto: Marcelo Hernandez

Sechs Nachhaltigkeitssiegel hat die Stiftung Warentest jetzt geprüft. Eines davon ist beinahe Etikettenschwindel – und dennoch gut.

Berlin.  Normalerweise vergeben sie selbst die Siegel: Transfair, Naturland, Rainforest Alliance und viele weitere Organisationen, die bestimmte soziale und ökologische Standards bei der Herstellung versprechen, wenn ihr Logo auf Kaffee, Kakao oder Rosen prangt. Stiftung Warentest hat jetzt die Organisationen selbst unter die Lupe genommen und untersucht, welchen Siegeln Verbraucher besonders vertrauen können. Dazu bewerteten die Warentester die Aussagekraft von insgesamt sechs Siegeln entweder als „Sehr hoch“, „hoch“ oder „mittel“.

Am besten schnitt das Label des Ökolandbauverbands Naturland ab. Das Nachhaltigkeitssiegel „Naturland Fair“ ist nach Ansicht der Prüfer das einzige mit einer sehr hohen Aussagekraft. Nahezu alle von „Naturland Fair“ zertifizierten Produkte habe die Organisation auch zurückverfolgen können. Das heißt: Sie konnte schriftlich belegen beispielsweise von welchem Betrieb die Oliven in einem zertifizierten Olivenöl stammen. Ein wichtiges Kriterium: Nur so lässt sich kontrollieren, ob die durch das Label garantierten Standards auch tatsächlich in allen Produktionsstätten umgesetzt werden – auch in weit entfernten Ländern Afrikas und Asiens. Etwa, ob Arbeiter auf Plantagen mit entsprechender Arbeitskleidung ausgestattet sind, Zugang zu Sanitäranlagen haben und einen Mindestlohn bekommen.

Das Label sei stark auf Umweltschutz und sehr stark auf gute Arbeitsbedingungen ausgerichtet und die Standards würden in der Praxis „sehr gut“ umgesetzt, so Stiftung Warentest. Nur biozertifizierte Produkte dürfen das „Naturland Fair“-Label tragen.

Marktführer ist Transfair mit „Fairtrade“

Immerhin „hohe“ Aussagekraft hat im Test das Fairtrade-Siegel des Marktführers Transfair. Das grün-blau-schwarze Label dominiere den fairen Handel in Deutschland, habe Lizenznehmer in 56 Ländern rund um den Globus. Nach Ansicht der Tester kann auch Transfair zertifizierte Produkte „sehr gut“ zurückverfolgen und hat nachweisen können, dass die „sehr starken“ Kriterien in der Praxis umgesetzt werden.

Nur eine „mittlere“ Aussagekraft bescheinigt Stiftung Warentest den Labels von Rainforest Alliance und Utz, die etwa auf Schokolade und Kaffee zu finden sind. Das Rainforest-Label mit dem Frosch habe die geringsten Ansprüche im Test, so die Begründung der Prüfer. Es setze vor allem auf Produktionssteigerung, garantiere den Kleinbauern aber beispielsweise keine Mindestpreise oder Prämien, so wie etwa Naturland und Transfair. UTZ zahle zwar Prämien, habe aber Lücken in der Rückverfolgbarkeit und weniger anspruchsvolle Kriterien. Pluspunkt: UTZ führe Wirkungsanalysen durch, um zu prüfen, welchen Effekt die Organisation auf die Arbeit der Menschen hat, die sie unterstützen will.

Eigentlich gar keine eigenen Standards stecken hinter Gepa fair+ von der Gesell­schaft zur Förderung der Part­nerschaft mit der Dritten Welt, die unter dem abgekürzten Namen Gepa viel Bekannter ist. Gepa hat zum Aufbau des Siegels Fairtrade beigetragen und gibt sein Siegel heute Produkten, die etwa von Naturland fair oder Fairtrade zertifiziert sind. Das sei verwirrend, so die Tester. Sie bestätigen dem von katholischen Organisationen und Verbänden getragenen größten europäische Importeur fair gehandelter Lebensmittel und Handwerksprodukte aber: Gepa ist glaubwürdig.

Wenig auszusetzen hatten die Tester am sechsten getesteten Siegel: „Hand in Hand“ der Natur­kost-Firma Rapunzel Bioroh­stoffe ist aber kaum wenig verbreitet. (alir)