Onlineplattform

Kuchen und Torten bestellt man jetzt im Internet

Die iCakeyou-Erfinder Norman Winzer (v. l.), Alireza Jerani und Janis Winzer

Die iCakeyou-Erfinder Norman Winzer (v. l.), Alireza Jerani und Janis Winzer

Foto: Marcelo Hernandez

Hamburger Softwarespezialisten haben eine Onlineplattform entwickelt, auf der Hobbybäcker und Konditoreien ihre Waren anbieten können.

Hamburg.  Sie lieben Kuchen und Torten. Ihre Favoriten sind Marzipantorte, Obstkuchen und Käsekuchen mit Blaubeeren. Doch mit Backen haben Alireza Jerani, 46, Norman Winzer, 38, und dessen Bruder Janis Winzer, 35, eigentlich nichts zu tun. Die drei Hamburger betreiben eine Agentur für Softwareentwicklung und Internetdienstleistungen. Ihre Vorliebe für Süßes und ihr Wissen um Technik haben die Unternehmer nun zusammengebracht und eine Onlineplattform zur Vermittlung von Backwaren entwickelt.

Auf iCakeyou stellen sowohl Privatpersonen als auch Konditoreien und Bäckereien Kuchen, Torten und Plätzchen vor, die sie auf Wunsch für einen Kunden backen. Das reicht vom Schokoladen-Brownie für zwei Euro über Cupcakes in Rosenform für 15 Euro bis zur Hochzeitstorte für 180 Euro. Über eine Suchmaske lassen sich die Angebote vergleichen und derzeit nach Standort, Sorte der Backware, Art der Übergabe und dem benötigten Termin filtern. Ist das Wunschprodukt ausgewählt, kann der Kunde den Verkäufer kontaktieren und das Produkt je nach Anbieter selbst abholen oder sich nach Hause liefern lassen.

Hier geht's zu iCakeyou im Internet

Den Preis legt dabei der Verkäufer fest. Etwa 130 Kuchenangebote verzeichnet die Plattform seit ihrem Start Mitte Februar bereits. 85 davon in Hamburg, der Rest verteilt sich über das Bundesgebiet.

Mit ihrer Kuchenplattform wollen Jerani und die zwei Winzers auf die zunehmende Anzahl an Vermittlungsportalen im Internet reagieren. „Es gibt Suchmaschinen für Autos, Ferienwohnungen und Flüge. Warum also nicht auch für Kuchen?“, fragt Jerani. „Wenn ich zum Beispiel eine Geburtstagstorte oder einen glutenfreien Kuchen benötige, kann ich über iCakeyou vergleichen, wo ich Produkte dieser Art zu welchem Preis finde“, sagt Janis Winzer. „Hobbybäcker erhalten die Möglichkeit, ihre Liebe zum Backen auszuleben und nebenbei noch die Haushaltskasse aufzubessern“, fügt sein Bruder Norman hinzu. „Und gewerbliche Betriebe können sich durch die Onlinepräsenz einen größeren Kundenkreis erschließen.“

Unternehmer denken über Abo-Modell nach

Noch ist das Portal sowohl für Käufer als auch Verkäufer kostenlos. Die Unternehmer arbeiten derzeit aber an einem Finanzierungsmodell, damit sie mit ihrer Erfindung eines Tages auch Geld verdienen können. So sei etwa eine Vermittlungsgebühr angedacht, die private Anbieter beim Verkauf eines Kuchens künftig an iCakeyou abführen müssen. Die Höhe sei noch unklar. „Für gewerbliche Anbieter könnte zum Beispiel ein Abo-Modell kommen, über das die Betriebe eine hervorgehobene Präsenz auf unserer Seite erwerben können“, sagt Jerani. Eine weitere Einnahmequelle seien Verlinkungen auf Onlineshops, die Backutensilien anbieten.

Der Markt für Kuchen, Torten und Gebäck ist groß. Jeder Deutsche aß im vergangenen Jahr nach Schätzungen des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie im Schnitt 7,32 Kilogramm feine Backwaren. Nach 9,57 Kilogramm Schokolade war das der zweitgrößte Anteil an verbrauchten Süßwaren. In Konditorei-Cafés wurde zuletzt ein Jahresumsatz von mehr als 1,7 Milliarden Euro erzielt.

Das Handwerk erkennt in Onlineportalen wie iCakeyou sowohl Nutzen als auch Schwierigkeiten. „Für Konditoren kann eine solche Plattform eine Chance sein, zusätzlichen Umsatz zu generieren“, sagt Jörg Becher von der Informationsstelle für Unternehmensführung des Deutschen Konditorenbundes. Entscheidend seien aber auch die Kosten für die Teilnahme an der Plattform. Dass auch Hobbybäcker ihre Produkte verkaufen können, sieht er allerdings kritisch. „Es ist fraglich, ob ein solches Angebot von Quereinsteigern nicht mit der Handwerksordnung in Konflikt stehen könnte.“

Schwierige Rechtslage bei Privatverkäufen

Auch die Handwerkskammer Hamburg verweist auf die gesetzlichen Bestimmungen. „Für das Handwerk der Bäcker und Konditoren gibt es eine Meisterpflicht“, sagt Sprecherin Ute Kretschmann. Und das habe auch seine Gründe. „Wenn zum Beispiel eine Sahnetorte verkauft wird, aber die Sahne schlecht ist und der Kunde erkrankt, haftet im Handwerk der Betrieb.“ Bei einem Privatverkauf könne das problematischer sein.

Für solche Fälle haben die iCakeyou-Gründer vor dem Start ihrer Plattform gleich zwei Rechtsgutachten anfertigen lassen. Dabei seien die möglichen Haken beim Verkauf von Lebensmitteln durch Privatpersonen juristisch unter die Lupe genommen worden. „Wir verweisen auf das eigene Risiko, das sowohl Käufer als auch Verkäufer zum Beispiel hinsichtlich der Qualität eines Kuchens oder der Lieferpünktlichkeit eingehen“, sagt Jerani. „Zudem arbeiten wir an einem Bewertungssystem, über das Nutzer nach dem Kauf eines Kuchens ihre Meinung abgeben können.“ In den Gutachten ging es, so Jerani, außerdem um die Überprüfung von privaten Anbietern, die etwa durch zu häufiges Backen rechtlich schnell als gewerblich gelten könnten. So wollen die Unternehmer künftig über eingebaute Mechanismen auf ihrer Webseite genau nachverfolgen, wie viele Kuchen ein Hobbybäcker wie oft verkauft.

Noch ist iCakeyou als Betaversion online, also noch nicht ganz ausgereift. Um das schnellstmöglich zu ändern, suchen die Unternehmer nach einem Investor, mit dem sich ihr Konzept weiterentwickeln lässt. Zur Finanzierung benötigen die drei einen mittleren sechsstelligen Betrag. „Mit ersten Interessenten sind wir bereits im Gespräch“, so Jerani.

www.icakeyou.net