Stormarn
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Nachbarschaftshilfe aus dem Netz läuft schleppend an

Blickt zuversichtlich in die Zukunft: Lokalportal-Gründer Sebastian Pen­thin zu Besuch in Ahrensburg

Blickt zuversichtlich in die Zukunft: Lokalportal-Gründer Sebastian Pen­thin zu Besuch in Ahrensburg

Foto: Isabella Sauer / HA

Nur 158 Stormarner nutzen das soziale Online-Netzwerk Lokalportal. So wollen die Gründer noch mehr Menschen aktivieren.

Ahrensburg.  Nachbarschafts- hilfe in Schleswig-Holstein neu erfinden und dafür etwas anderes entwickeln als alle anderen. Diesen Weg sind Sebastian Penthin und Justin Hallauer aus Kiel gegangen und haben das Start-up Lokalportal gegründet. Das ist ein soziales Online-Netzwerk für Orte und Regionen. Im Kreis Stormarn ist es seit Juli 2015 verfügbar. Doch die Stormarner sind bisher wenig aktiv. Neue Möglichkeiten auf der Plattform sollen das Nutzungsverhalten ändern.

Wer die Internetseite öffnet, der bekommt ein großes Bild einer Nachtaufnahme vom Kieler Hafen zu sehen. Im Himmel hineingeschrieben steht: „Der Norden verbindet sich.“ Und ein wenig kleiner darunter geschrieben sind die Sätze: „Lokalportal ist ein lokales Online-Netzwerk für dich und deine Umgebung. Nimm Kontakt mit deiner Nachbarschaft auf und erfahre alles, was in deinem Ort, Dorf oder Stadtteil geschieht. Lokal, schnell und unkompliziert.“ Gründer Sebastian Penthin, 28, sagt: „Der Nutzer erfährt sofort, was wir mit diesem neuen Netzwerk erreichen wollen.“ Doch das klappt noch nicht in allen Regionen Schleswig-Holsteins gleich gut: Das Lokalportal hat bisher 3000 Nutzer registriert.

Gruppen sollen Interessen bündeln

In Stormarn gibt es 158 Nachbarn, die sich schon untereinander vernetzt haben. Penthin sagt: „Das könnten noch deutlich mehr Nachbarn werden.“

Auf einer Informationsveranstaltung im vergangenen Herbst in Bad Oldesloe hatten die beiden Gründer den Stormarnern Rede und Antwort gestanden. Dabei hätten ihnen die Stormarner viele interessante Denkanstöße mit auf den Weg gegeben. „Einer sagte uns, dass er eine Gruppenfunktion vermisst“, sagt Penthin. So möchte ein Nachbar zum Beispiel eine geschlossene Gruppe auf dem Lokalportal aufmachen, in der sich Motorradfahrer für gemeinsame Touren organisieren. Diese Funktion gab es bisher nicht. Der Jungunternehmer sagt: „Das ist eine Neuerung, die ab jetzt auf der Seite freigeschaltet ist.“

Seit Beginn der Unternehmensgründung befindet sich das Lokalportal in einer Testphase. Im Sommer soll sie beendet sein. Bisher können sich nur Nutzer aus Schleswig-Holstein anmelden. Und jeder Nachbar kann auch nur mit Nachbarn aus seinem Umfeld Kontakt aufnehmen und Beiträge einsehen. Dabei kann aber jeder Nutzer individuell sein Umfeld einstellen. Penthin: „Der eine sagt eben, dass seine Nachbarschaft nur einen Umkreis von fünf Kilometern haben soll, für einen anderen sind Menschen in 20 Kilometern Entfernung auch noch Nachbarn.“

Gründer planen auch Apps zu entwickeln

Gibt ein Nutzer Ahrensburg als Wohnsitz ein, so bekommt er Beiträge aus seiner eigens ausgewählten Nachbarschaft. Momentan sind diese eher alt anstatt aktuell. Der letzte Beitrag auf der Seite ist drei Monate alt: ein Hoisdorfer hat ein Winterfoto vom Hoisdorfer Teich hochgeladen. Ein anderer Nachbar weist auf einen Adventsbasar in Bad Oldesloe hin. Gründer Penthin sagt: „Das ist natürlich nicht das, was wir uns wünschen, mehr Aktivität wäre schön.“ Aber woran könnte diese geringe Beteiligung liegen?

Der Jungunternehmer vermutet, dass es an den technischen Fehlern liegen könnte. „Nicht alles funktionierte immer und sofort.“ Die seien aber nun alle behoben. Außerdem versuchen er und sein Kollege sowie mittlerweile zehn Angestellte, neue Ideen für die Website zu entwickeln. Eine dieser Ideen gibt es jetzt neu zu entdecken: Nachbarschaftskompetenzen. Das heißt, dass jeder Nachbar unter seinem Profil angeben kann, was er sich für ein Nachbarschaftsleben wünscht und was er dazu beitragen kann. „Das kann zum Beispiel sein, dass jemand gerne Kuchen backt oder im Garten herumwerkelt“, sagt Penthin und lacht. Und in Stormarn gebe es ja auch schon viele Nutzer, die sich angemeldet haben. Außerdem haben sich schon viele Institutionen angemeldet. So zum Beispiel die Stadt Bad Oldesloe, der Ammersbeker Bürgerverein und der Deutsche Kinderschutzbund Stormarn.

Eine weitere Neuigkeit soll für mehr Interesse sorgen. Dazu sagt Pen­thin: „Ab Sommer werden wir Apps bekommen.“ Dann kann das Lokalportal auch auf dem Smartphone und auf dem Tablet abgerufen werden. www.lokalportal.de