Crowdfunding

Hamburger Start-up startet neue Finanzierungsrunde im Netz

Der Unternehmer und Protonet-Gründer Ali Jelveh sitzt in der Kulisse eines Werbefilms für sein Unternehmen

Der Unternehmer und Protonet-Gründer Ali Jelveh sitzt in der Kulisse eines Werbefilms für sein Unternehmen

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Protonet will eine Schaltzentrale für Privathaushalte anbieten. Das Geld für die Produktion sollen Kleinanleger überweisen.

Hamburg.  Die Jagd nach Geld­gebern für eine große Idee kann auf die Knochen gehen. Ali Jelveh, Mitbegründer des Hamburger Start-up-Unternehmens Protonet, kommt bei seiner Tour im Silicon Valley in diesen Tagen nicht dazu, sich auszuschlafen. Der Jungunternehmer hat gerade die Möglichkeit, Investoren wie Sequoia Capital zu gewinnen, die auch schon Apple, Google oder Facebook in ihrer Startphase unter die Arme gegriffen haben.

Crowdfunding-Rekord aufgestellt

Protonet hatte 2014 mit einem Crowdfunding-Rekord auch international Schlagzeilen gemacht. Drei Millionen Euro wurden damals von über 1800 Kleininvestoren eingesammelt, um die Entwicklung eines Servers für kleinere Firmen und Privathaushalte zu finanzieren, der wie große Cloud-Dienste funktioniert, aber die sensiblen Daten nicht nach außen verlagert.

Mit seinen kompakten Design-Rechnern erzielte Protonet dann auch Achtungserfolge. 2015 machte das Unternehmen mehr als eine Million Euro Umsatz. Doch der ganz große Durchbruch lässt auf sich warten. Jelveh und Mitgründer Christopher Blum räumen ein: „Wir haben groß gedacht, aber nicht groß gehandelt.“

Zu den Erkenntnissen gehörte auch, dass man von Deutschland aus den internationalen Durchbruch kaum schaffen kann, sondern den Weg ins IT-Mutterland USA wagen muss. Ende November 2015 bewarben sich die Protonet-Gründer deshalb beim kalifornischen Start-up-Programm „Y Combinator“, aus dem Firmen wie AirBnB, Dropbox und Pebble hervorgegangen sind. Das Hamburger Unternehmen wurde akzeptiert.

Von der Kreisklasse in die Bundesliga

„Für uns war das wie ein Aufstieg von der Kreisklasse direkt in die Bundesliga“, sagt Jelveh. Wichtiger als die Fördersumme von 120.000 Dollar sei die Funktion von „Y Combinator“ als Türöffner zu den großen Wagniskapitalgebern, die im Silicon Valley sitzen.

Für eine neue Produktidee setzt Protonet allerdings nicht nur auf das Geld der großen Silicon-Valley-Fonds, sondern erneut auf eine Schwarm­finanzierung. Auf der internationalen Crowdfunding-Plattform Indiegogo wird seit Dienstag Geld eingesammelt, um mit einer datenschutzfreundlichen Lösung in den Smarthome-Markt einzusteigen. Mit dem 149 Dollar teuren Miniserver Zoe will Protonet eine sichere Schaltzentrale für Privathaushalte anbieten, mit der man die Heizung steuern, Türen und Fenster überwachen oder Geräte im vernetzten Zuhause dirigieren kann.

Ähnlich wie beim Lautsprecher „Echo“ von Amazon gehorcht das Protonet-Gerät über Sprachbefehle aufs Wort. „Zoe ist die erste Smarthome-Zentrale, die zuhört, lernt und die Privatsphäre schützt“, sagt Jelveh. Anders als bei anderen solchen Diensten landet das Gesagte allerdings nicht auf einem Server im Internet, sondern wird auf Wunsch nur auf dem Gerät lokal verarbeitet. Bis zum Weihnachtsgeschäft soll das Produkt verfügbar sein.