Geldpolitik

EZB senkt Leitzins auf null – Dramatische Folgen für Sparer

Blick auf das Hochhaus der Europäischen Zentralbank in Frankfurt/Main. Die europäischen Währungshüter haben mit der Entscheidung für den Nullzins viele Anleger zum Umdenken gezwungen.

Blick auf das Hochhaus der Europäischen Zentralbank in Frankfurt/Main. Die europäischen Währungshüter haben mit der Entscheidung für den Nullzins viele Anleger zum Umdenken gezwungen.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins auf Null gesenkt. Viele Anleger und Sparer müssen nun umdenken – und dabei aufpassen.

Berlin.  Der Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB) ist historisch: Die europäischen Währungshüter senken den Leitzins auf null. Das hat Folgen für uns alle.

Der Sparer

Die Zinsen für Einlagen bei der Bank, zum Beispiel Sparbuchguthaben oder Festgeld, werden wohl noch ein Stück weiter herruntergesetzt. Die Guthaben verlieren damit faktisch an Wert, weil die Verzinsung unterhalb der Preissteigerungsrate liegt. Zumindest bei Sparern mit sehr hohen Einlagen, zum Beispiel über 100.000 Euro, wächst die Gefahr, dass die Bank oder Sparkasse dafür sogar Negativzinsen auslobt. Die ersten Banken haben dies bereits getan. Denn die Institute müssen selbst auch etwas bezahlen, wenn sie ihre Einlagen bei der EZB lagern.

Die Kunden suchen daher nach anderen Wegen, doch noch eine interessante Rendite zu erwirtschaften. Da ist Vorsicht geboten. „Alle Anleger, die auf sichere Anlagen angewiesen sind, werden in eine Fehlsteuerung getrieben“, warnt der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Georg Fahrenschon. Am ehesten bietet sich der Kauf von Aktien, Fonds oder sogenannten Exchange Traded Funds (ETF) auf Aktienindizes wie den Dax oder den Dow Jones an. Auf sehr lange Sicht ist das Verlustrisiko hier nach den Erfahrungen der Vergangenheit überschaubar. Allerdings besteht auf kürzere und mittlere Sicht das Risiko, dass zu viel billiges Geld in die Börsen gesteckt wird und so eine Preisblase entsteht, die jederzeit platzen kann. Mit einem Kurssturz können hohe Verluste verbunden sein.

Immobilieneigentümer

Es kann sich lohnen, von einem teuren alten Baudarlehen zu einem günstigeren neuen umzuschulden. Denn Hypothekendarlehen sind und bleiben so billig wie noch nie zuvor. Allerdings erheben die Kreditinstitute dafür in der Regel Gebühren, weil ihnen ja Erträge entgehen. Es ist daher wichtig, Kosten und Nutzen zunächst einmal auszurechnen und sich erst danach für eine Umschuldung zu entscheiden.

Es spricht viel für den Erwerb einer Immobilie. Denn die Finanzierungskosten sind so niedrig wie nie zuvor. Doch in vielen begehrten Lagen der Innenstädte ist mittlerweile auch das Niveau der Kaufpreise stark angestiegen. In einigen Gebieten sprechen Experten schon von einer Preisblase. Wer sich in diesen Quartieren zu Höchstpreisen einkauft, könnte Verluste erleiden, wenn so eine Blase einmal zerplatzt und die Immobilienpreise abrupt sinken.

Ein Investment in den Wohnungsbau sollte gut überlegt sein, meint der Chefredakteur des Verbraucherportals „Finanztip.de“, Hermann Tenhagen. Man müsse unbedingt darauf achten, dass eine Immobilie später auch wieder verkauft werden könne und nicht überteuert sei. Anders gesagt: Entscheidend sind ganz traditionell die Lage und der Preis.

Kreditnehmer

Ratenkredite oder Hauskredite und am Ende auch der Dispo werden mit einer gewissen Zeitverzögerung günstiger, weil Banken und Sparkassen die Senkung des Leitzinses zumindest teilweise an ihre Kunden weitergeben. Allerdings befürchtet der Bundesverband der Verbraucherzentralen, dass die Institute sich dadurch entgehende Erträge anderswo wieder zurückholen und beispielsweise die Gebühren für das Girokonto erhöhen.

Private Altersvorsorge

Arbeitnehmer oder Selbstständige, die einen großen Teil ihres späteren Einkommens privat ansparen, bekommen durch die anhaltende Phase niedriger Zinsen mit Beginn des Ruhestands viel weniger heraus als erwartet. Denn die ursprünglichen Prognosen für den Ertrag oder die spätere Privatrente gingen in den meisten Fällen von einer höheren Verzinsung aus, als nun tatsächlich erreicht werden kann. Wer 30 Jahre spart und nun statt der erhofften Durchschnittsrendite von vier Prozent nur noch auf 2,5 Prozent kommt, hat am Ende fast ein Drittel weniger angespart als geplant. Entsprechend geringer ist dann das spätere Alterseinkommen. Wer dies vermeiden will, muss neu rechnen und mehr Geld zur Seite legen.

Der Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft, Alexander Erdland, hält von den jüngsten Zinsbeschlüssen der Europäischen Zentralbank gar nichts. „Wir appellieren erneut nachdrücklich an EZB-Präsident Mario Draghi, die geldpolitische Strategie im Euro-Währungsgebiet im Interesse von Wirtschaft und Haushalten neu zu denken.“ Dahinter steht die Sorge, dass die Lebensversicherer, in deren Händen ein großer Teil der privaten Altersvorsorge liegt, ihre Ertragsversprechen nicht auf Dauer halten können, weil die gegebenen Garantiezinsen kaum mehr zu erwirtschaften sind.

Sozialversicherung

Auch die Sozialversicherungen und Krankenkassen sind betroffen. Die Sozialversicherungen müssen für Rücklagen Negativzinsen bezahlen. Bei Milliardenbeträgen summieren sich die Strafzahlungen pro Milliarde Euro auf vier Millionen Euro. Am Ende landet diese Belastung wieder bei den Beitragszahlern.