Ahrensburg

Stifte-Hersteller Edding macht jetzt auch Nagellack

Der Chef als Model:
Der Edding-Vorstandsvorsitzende
Per Ledermann
trägt den neuen
Nagellack auf den
Fingern

Der Chef als Model: Der Edding-Vorstandsvorsitzende Per Ledermann trägt den neuen Nagellack auf den Fingern

Foto: A.Laible

Der Ahrensburger Stifte-Hersteller steigt in das Geschäft mit der Schönheit ein. Umsatz soll im laufenden Jahr erneut zulegen.

Ahrensburg. Per Ledermann macht den Spaß gerne mit. Im dunklen Anzug mit weißem Hemd steht der Vorstandsvorsitzende einer der bekanntesten deutschen Marken in der Firmenzentrale und lässt sich für den Abendblatt-Fotografen bunten Nagellack auf die Finger auftragen. Das vierte oder fünfte Mal mache er das nun, sagt der 39-Jährige und schmunzelt. Langsam werde es zur Routine. Der Chef zeigt vollen Körpereinsatz für sein neues Produkt. Seit einigen Tagen verkauft der Stifte-Hersteller Edding auch Nagellack. Ledermann: „Mit dem Nagellack gehen wir wahrscheinlich unser größtes Abenteuer ein.“

Vor zwei Jahren startete das Ahrensburger Unternehmen mit den Vorbereitungen. Marktforscher bescheinigten der Marke sehr positive Chancen bei einem Einstieg in das Beauty-Segment. Die Entwicklungsabteilung tüftelte im Anschluss an Rezepturen und arbeitete mit neuen Materialien – die Tinte aus dem weltbekannten Permanent Marker wird schließlich nicht verwendet. Die Herausforderungen waren hoch. „Nägel sind sehr unterschiedlich, mal weich, mal hart, sie werden unterschiedlich beansprucht, wachsen permanent und erneuern sich dadurch in einer Tour“, sagt Ledermann. Die hauseigene Neuheit L.A.Q.U.E. sollte durch lange Haltbarkeit, schnelle Trocknungszeit, hohe Qualität und Farbauswahl glänzen.

58 verschiedene Töne werden nun bei einem langjährigen Partnerunternehmen abgefüllt. Für die acht Milli­liter große Flasche werden 7,99 Euro dem Handel als unverbindliche Preisempfehlung mit auf den Weg gegeben. Ein besonderer Überlack schlage mit 8,99 Euro zu Buche. Seit wenigen Tagen ist die Farbe für den Fingerschmuck nun in den Parfümerieabteilungen der Drogeriekette Müller erhältlich. Bundesweit sind das 302 Filialen – und der Müller-Onlineshop. Das erste Feedback der Kundinnen sei positiv. „Ab Oktober wollen wir bei weiteren Parfümerien und Parfümerieabteilungen gelistet sein“, sagt Ledermann. In den nächsten Wochen werde die Werbekampagne „Power statt Püppchen“ hochgefahren. Edding kaufte dafür extra fünf VW-Bullys, die derzeit beklebt werden und in denen deutschlandweit Mani- und Pediküre betrieben werden soll.

„Nagellack passt perfekt zu unserem Leitspruch, Farben in hoher Qualität auf Oberflächen zu bringen“, sagt der studierte Jurist. Und es sei Teil der „Markendehnungsstrategie“. Vor zwei Jahren erweiterte die Firma mit einem Sprühlack das Angebot. Die Erwartungen seien „übererfüllt“ worden. Zuletzt wurde ein siebenstelliger Umsatz erzielt. Weitere Neuheiten sind in Planung. Denn im Bereich Schreiben und Markieren erzielt das Unternehmen zwar noch gut 70 Prozent seiner Erlöse, generell seien die Produkte aber in einem eher schrumpfenden Markt zuhause. Starke Zuwachsraten meldet der Geschäftsbereich Legamaster, der zum Beispiel interaktive Tafeln oder E-Screens (LED-Bildschirme mit Touchtechnologie für Schulen und Konferenzräume) herstellt und den maßgeblichen Rest zu den Erlösen beisteuert.

Insgesamt erhöhten die Ahrensburger im Jahr 2014 die Erlöse um 4,6 Prozent auf 128,9 Millionen Euro. „Für dieses Jahr erwarten wir eine Umsatzsteigerung im mittleren einstelligen Prozentbereich“, sagt Ledermann. Bereits 2005 trat der damals 29-Jährige nach einer Dekade familienfremder Vorstände in die Geschäftsführung des gut 600 Mitarbeiter starken Unternehmens ein, das sein Vater Volker D. Ledermann mit seinem Partner Carl-Wilhelm Edding in Barmbek mit einer Schreibmaschine und 500 Deutsche Mark Startkapital gründeten. „Unsere Farbe 002 – Rot – brauchten wir in der 55-jährigen Firmengeschichte noch nie zum Ausweisen unseres Ergebnisses“, sagt Ledermann mit Stolz. Für dieses Jahr peilt er einen Gewinn auf Vorjahresniveau an, als der Konzernüberschuss bei 8,3 Millionen Euro lag.

Millionenschwerer Zukauf in Brasilien treibt Internationalisierung voran

Das Wachstum künftig stützen soll neben Produktinnovationen die Internationalisierung. Im Dezember 2014 kaufte das Unternehmen für 3,3 Millionen Euro 21 Prozent der Anteile am Schreibgerätehersteller Companhia de Canetas Compactor aus Rio de Janeiro. Der Bekanntheitsgrad der Marke sei in Brasilien sehr hoch, auch wenn er an die 97 Prozent von Edding in Deutschland wohl nicht ganz herankommt. Jedes Jahr produziere die von deutschen Auswanderern gegründete Firma mehr als 100 Millionen Kugelschreiber. „Mit unserem Einstieg bei Compactor sehen wir mittelfristig die Chance, auf dem brasilianischen Markt Fuß zu fassen“, sagt Ledermann. Bisher sei man in Argentinien und Kolumbien stark vertreten, in beiden Ländern unterhält Edding Produktionsstätten. Für Europa werden die Stifte in Bautzen produziert.

An einem Produkt tüfteln die Edding-Entwickler übrigens noch. Für das Entfernen der Farbe auf seinen Fingernägeln muss Ledermann auf die Konkurrenz zurückgreifen: „Am Nagellackentferner arbeiten wir noch.“