Börse Hamburg handelt mit Sparbriefen

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Das neue Segment richtet sich an private Anleger, die aus Festgeld-Verträgen vorzeitig aussteigen wollen oder müssen. Verkauf per Auktion

Hamburg. Von sicherheitsorientierten Privatanlegern werden sie geschätzt, weil sie vor allem bei längeren Laufzeiten eine bessere Verzinsung bieten als Anleihen erstklassiger Bonität: die von Banken ausgegebenen Sparbriefe. Einen Nachteil haben diese Papiere allerdings – sie können in der Regel nicht vor dem Ende der Laufzeit von bis zu zehn Jahren gekündigt werden. Wer schon vorher wieder an sein Geld kommen will oder muss, dürfte es schwer haben, jemanden zu finden, der für ihn in den Vertrag einsteigt.

Doch ein neues Handelssegment der Börse Hamburg will Abhilfe schaffen. Über die Online-Plattform www.sparbriefboerse-deutschland.de können Anleger ab sofort ihr Papier zum Kauf anbieten. Mit der Sparbriefbörse Deutschland erhielten sie nun eine „kostengünstige, unkomplizierte und neutral überwachte Möglichkeit, einen Käufer für ihren Sparbrief zu finden“, sagt Thomas Ledermann, Geschäftsführer der Börse Hamburg. „Außerdem profitieren Verkäufer davon, dass Angebot und Nachfrage anonym zusammengebracht werden und die Preisfeststellung im Wege eines Bietverfahrens erfolgt – das sorgt für den höchstmöglich zu erzielenden Preis.“

Darin sieht man einen Unterschied zu anderen Plattformen, etwa der ebenfalls in Hamburg angesiedelten Gesellschaft Deutsche Sparbriefbörse. Und so funktioniert das neue Modell: Der Verkäufer gibt zunächst über ein Kontaktformular im Internet einige Rahmendaten des Vertrags ein. Anschließend prüfen die zuständigen Makler die Verkaufsanfrage, der Verkäufer erhält vom System einen Vorschlag für einen unverbindlichen Auktions-Startpreis, der Orientierung bieten soll.

Diesen Vorschlag muss der Verkäufer aber nicht annehmen, er kann einen abweichenden Startpreis festlegen. Nun beginnt eine fünftägige Bieterphase. Den Zuschlag erhält das höchste Gebot. Liegen nach Ablauf der Auktionsphase lediglich Gebote unter dem Startpreis vor, fragt der Makler den Verkäufer, ob dieser zum höchsten bisher vorliegenden Gebot verkaufen oder eine zweite Auktion starten möchte.

Erst wenn ein Geschäft zustande gekommen ist, fallen Kosten an: Der Verkäufer und der Käufer zahlen jeweils eine Makler-Courtage in Höhe von zwei Prozent (mindestens aber 125 Euro) sowie weitere 25 Euro zuzüglich Umsatzsteuer für die anschließende Treuhandabwicklung des Verkaufs, die dann zwei bis drei Wochen in Anspruch nehmen kann.

Laut dem jüngsten Monatsbericht der Bundesbank haben die Bürger insgesamt gut 80 Milliarden Euro in Sparbriefe investiert. Häufig handelt es sich um Verträge über 5000 oder 10.000 Euro, doch zumindest in einzelnen Fällen fließt deutlich mehr Geld in solche Produkte: „Wir haben schon von Sparbriefen über sechsstellige Beträge gehört“, sagt Ledermann.

Um verkaufswillige Sparbriefanleger auf die neue Handelsplattform aufmerksam machen zu können, will man einen ähnlichen Weg gehen wie bereits beim Handel mit geschlossenen Fonds, erklärt der Börsen-Chef: „Wir planen, Kooperationen mit Kreditinstituten zu vereinbaren, die ihre Kunden dann auf unser Angebot hinweisen.“

Nach Einschätzung von Ledermann wird es an potenziellen Käufern nicht mangeln – gerade wenn es sich um Verträge handelt, die noch zu attraktiveren Konditionen abgeschlossen wurden: „In dem derzeitigen Niedrigzinsumfeld besteht bei vielen Anlegern ein Interesse daran, eine höhere Verzinsung zu erzielen, als sie mit Bundesanleihen realisiert werden könnte. Diese Anleger sind auch bereit, einen angemessenen Betrag für den Sparbrief zu bezahlen.“

Das Ziel sei es, diesen Markt ähnlich erfolgreich zu etablieren wie zuvor bereits den Handel in eingefrorenen Immobilienfonds oder den Handel in geschlossenen Fonds. „Wir möchten uns als Markt für alternative Investments positionieren und haben bereits Ideen für weitere neue Marktsegmente“, so Ledermann. „Es sollte möglich sein, noch in diesem Jahr eine dieser Ideen umzusetzen.“

Der Geschäftsführer kann sich gut vorstellen, dass für die neuen Angebote künftig zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Aktuell arbeiten für die Börsen AG (Böag) – die Obergesellschaft der Börsen Hamburg und Hannover – sowie für Fondshandels-Töchter und Makler in der Hansestadt zusammen 60 Personen.

Im Segment der geschlossenen Fonds will die Böag nach der im vierten Quartal 2014 vollzogenen Übernahme des Hamburger Wettbewerbers Deutsche Zweitmarkt AG ihren Marktanteil künftig auf 80 bis 90 Prozent ausbauen. Der Gesamtumsatz an den Börsen Hamburg und Hannover ist jedoch wegen des abnehmenden Anleihehandels zuletzt deutlich gesunken.