Kongress

Was der China Summit für Hamburger Unternehmen bedeutet

Das Beispiel EuroEyes zeigt: Deutsche Firmen können im Reich der Mitte expandieren. Aber der Hamburger China-Gipfel birgt auch politischen Sprengstoff.

Hamburg. So verbreiten sich Vorurteile: „Der deutschen Wirtschaft fehlt Vertrauen in China“, heißt es in einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Staufen und des Chinaforums Bayern. Wenn man genauer hinschaut, wurden für diese Aussage 150 Unternehmen in Deutschland befragt. So viele – und deutlich mehr – haben allein in Hamburg enge Kontakte nach China. 500 chinesische Firmen gibt es in Hamburg, die meisten sind im Handel tätig.

Und vor dem China Summit der Handelskammer an diesem Freitag und Sonnabend mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (beide SPD) und weiteren hochrangigen Politikern und Experten fragt man sich: Wie sieht der Alltag der deutsche-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen aus?

Eine von vielen Antworten darauf hat Dr. Jörn Jörgensen, Geschäftsführer der EuroEyes-Klinikgruppe. Er glaubt, dass die Investitionschancen in China sehr gut seien. „Durch die Urbanisierung ist in China eine aufstrebende Mittelschicht entstanden, die für uns als Zielgruppe sehr interessant ist und die sicherlich auch für die Zukunft von China entscheidend sein wird.“

EuroEyes betreibt in Shanghai eine Klinik für das Augenlasern, also die operative Korrektur von Fehlsichtigkeit. In diesem Herbst kommt in Peking eine weitere Klinik hinzu. In Shenzen ist die nächste geplant. Das klingt nicht nach geringem Vertrauen in die wirtschaftliche Perspektive, wie die Umfrage aus Bayern nahelegt.

Zuerst kamen viele chinesische Patienten in die OP-Säle am Gänsemarkt. Nun behandeln deutsche Ärzte in China. Und im Reich der Mitte gibt es offenbar noch größeren Bedarf am Augenlasern. Gerade ältere Menschen wollen nach einer Studie des Unternehmens ihre Fehlsichtigkeit per Operation korrigieren lassen. Augenscheinlich, so ein weiteres Ergebnis der Studie, nutzen Chinesen Computer und Handys so intensiv, dass schon bei jungen Patienten Symptome von Alterssichtigkeit auftauchen. Die Linse dieser Menschen werde überbeansprucht.

Und hier kommen die Hamburger Ärzte ins Spiel. Für EuroEyes ist es ein Geschäftsfeld. Doch EuroEyes sieht auch Schwierigkeiten im China-Engagement: „Die administrative Infrastruktur in China ist leider nicht auf ausländische Investoren ausgerichtet. In China lebt man von Netzwerken und Beziehungen, die hat man aber nicht, wenn man neu nach China kommt. Das macht wie in unserem Fall den Aufbau einer Klinik deutlich anstrengender als hierzulande oder in Europa“, so Jörgensen. Unterstützt wurde das Unternehmen von der Hamburger Handelskammer und dem Hamburg Liaison Office.

Der Hamburger China Summit findet inmitten einer besonderen Gemengelage statt. Gerade erst hat der Dalai Lama Hamburg besucht, ein Erzfeind der Führung in Peking, Und die Proteste der Studenten in Hongkong fordern die politische Führung heraus. Im Mai wurde der 25. Jahrestag der blutigen Ausschreitungen auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking so gut es ging übergangen. Und die heimlichen Gespräche mit dem unabhängigen Taiwan sind mal wieder auf Eis gelegt. Zu einer weiteren Annäherung mit dem von vielen Ländern nicht anerkannten Inselstaat kam es nicht.

Für Jörgensen spielt die politische Lage keine Rolle, denn in den „Supermetropolen“ wie Shanghai gebe es andere Probleme.

In Hamburg wird Ministerpräsident Li unter schärfsten Sicherheitsmaßnahmen den Weg vom Flughafen in die Stadt nehmen. Bei Bürgermeister Olaf Scholz wird er sich ins Goldene Buch eintragen.

Bei der Konferenz geht es naturgemäß um die Wirtschaftsbeziehungen, aber auch um Umweltschutz. Die erste Liga der deutschen Industrie ist ebenso vertreten wie die großen Hamburger Firmen mit Kontakten nach Shanghai, Peking oder Hongkong.

Pünktlich zum China Summit strahlt 3sat am Freitag um 21 Uhr eine Dokumentation über chinesische Firmen in Deutschland aus. Titel: „Deutschland süß-sauer“. Die Chinesen erobern sich durch Zukäufe wie beim Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen Know-how. Die Regierung in Peking spielt dabei eine unterstützende Rolle.