Hamburger Unternehmen

Kaffeespezialist Arko steht vor dem Verkauf

Vermögensverwalter aus Hannover soll norddeutsche Confiseriekette im April übernehmen. Arko betreibt derzeit bundesweit 150 eigene und 90 Filialen, die von Franchisenehmern geführt werden.

Hamburg/Wahlstedt. Der vom Hamburger Kaffeeunternehmer Bernhard Rothfos im Jahr 1948 gegründete Kaffee- und Confiseriespezialist Arko mit Sitz in Wahlstedt (Schleswig-Holstein) steht vor dem Verkauf. Die gemeinnützige Hamburger Arko-Stiftung will das Unternehmen am 1. April an die mehr als seit 30 Jahren bestehende Hannoveraner Firma Waldersee Treuhand und Vermögensverwaltungsgesellschaft übergeben. Arko betreibt derzeit bundesweit 150 eigene und 90 Filialen, die von Franchisenehmern geführt werden. Hinzu kommen rund 3500 Depots in Supermärkten und Bäckereien.

Allein im Großraum Hamburg gibt es rund 30 Filialen des Unternehmens, das in der Region weiter wachsen will. Allerdings muss die zuständige Stiftungsaufsicht die Übergabe genehmigen. Der Name Arko entstand übrigens als Abkürzung von „Arbeitsgemeinschaft für den Vertrieb von Konsumgütern“. Arko-Chef Torsten Teufert, der in die Gespräche um die Übernahme durch Waldersee eingebunden war, gab sich am Donnerstag angesichts des Eigentümerwechsels zuversichtlich. „Durch die Übernahme hat Arko eine bessere Perspektive. Der neue Eigentümer stellt uns Investitionsmittel für unsere Wachstumsstrategie und für die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens zur Verfügung und unterstützt die geplanten Investitionen in die Verwaltung und das Filialnetz. Für die insgesamt 700 Mitarbeiter in der Unternehmenszentrale und in den Filialen von Arko ändert sich durch den Eigentümerwechsel nichts“, so Teufert.

„Wir haben uns das Unternehmen sehr genau angesehen und sind überzeugt davon, dass Arko großes Wachstumspotenzial hat“, sagt Patrick Weber, Sprecher der Investorengesellschaft. „Die seit vielen Jahren gelebte Kontinuität und Verlässlichkeit bleiben wichtige Bestandteile der Arko-Unternehmensphilosophie.“ Die Firmenzentrale solle zudem auch in Zukunft in Wahlstedt bleiben.

Der neue Eigentümer übernahm auch das Grand Hotel Heiligendamm

„Tatsächlich hat Teufert, der von Unilever zu dem Confiseriespezialisten kam, schon seit einiger Zeit Wachstumspläne in der Schublade seines Schreibtisches liegen, aber das Geld hierfür fehlte entweder oder ging an die Arko-Stiftung für gemeinnützige Projekte. Das soll sich jetzt ändern, hofft der Manager.

Bereits vor der Berufung des Managers als Geschäftsführer von Arko mussten im Jahr 2011 rund 50 der ehemals 300 Filialen geschlossen werden, nicht zuletzt weil sich Arko bei seinem Expansionsdrang übernommen hatte. „Wir sind in der Vergangenheit in Richtung Süddeutschland gegangen. Aber während wir im Norden und Osten Deutschlands eine bekannte Marke sind, konnten im Süden zu wenige Kunden etwas mit unserem Namen anfangen“, sagt Teufert.

Die Waldersee-Gruppe gehört dem Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Paul Morzynski aus Hannover und seinen Söhnen Marc und Andre. Sie kaufen vorwiegend Immobilien und historische Unternehmen mit bekannten Marken auf. Unter anderem hat die Familie auch das Grand Hotel Heiligendamm aus der Insolvenz heraus übernommen und damit 240 Arbeitsplätze gesichert. Der Unternehmer soll dort zuvor häufiger Gast gewesen sein.

Ohne den Investor, der von 2001 bis zum Jahr 2006 Aufsichtsratsvorsitzender der Kinokette Cinemaxx war, hätte auch das Halloren-Werk in Halle längst aufgeben müssen. Morzynski rettete den Pralinenhersteller, indem er Mehrheitsaktionär wurde. Auch einen Welfenschatz hat sich der Unternehmer einverleibt. Im Jahr 2011 kaufte er von Erbprinz Ernst August von Hannover den Familienstammsitz Gut Calenberg bei Pattensen.