„DAX steigt auf 10.500 Punkte“

Was Hamburger Experten für den Aktienmarkt im neuen Jahr erwarten. Der HASPAX legte 2013 um 23 Prozent zu

Hamburg. Wie schon im Vorjahr ist es dem Aktienmarkt auch 2013 gelungen, die Experten positiv zu überraschen: Dass der Deutsche Aktienindex (DAX) um fast 25 Prozent auf 9552 Punkte zulegen würde, hätte kaum ein Analyst erwartet. Im Jahr 2012 hatte der Leitindex sogar ein Plus von knapp 30 Prozent erreicht.

Das inzwischen erreichte Niveau sei „nicht unbedingt etwas für Menschen mit Höhenangst“, sagte Friedhelm Steinberg, Präsident der Hanseatischen Wertpapierbörse Hamburg, auf der traditionellen Jahresschlussversammlung in den Räumen der Börse. Offensichtlich sei: „Die Luft wird dünner.“ Dennoch zeigte er sich „vorsichtig optimistisch“ für die Aktienkurse. Der DAX könne im neuen Jahr zumindest zeitweilig bis auf 10.500 Punkte klettern, auch wenn dies wohl nicht bis zum Jahresende gehalten werden könne, so Steinberg.

Mit einem Handelsumsatz von 23,5 Milliarden Euro an den in der Muttergesellschaft BÖAG zusammengeschlossenen Börsen Hamburg und Hannover sei man zufrieden, auch wenn dies etwas unter dem Vorjahresniveau liege, hieß es. Allerdings mache der Aktienhandel nur rund neun Prozent des Gesamtumsatzes aus, der überwiegende Teil entfalle auf Anleihen. Das Hamburger Börsensegment für geschlossene Fonds konnte den Umsatz um 28 Prozent auf 187 Millionen Euro steigern.

Ähnlich stark wie die Standardwerte aus dem DAX haben die norddeutschen Titel im Jahr 2013 an Wert gewonnen: Der HASPAX kletterte um 23 Prozent auf 2446 Punkte und notiert damit nur hauchdünn unter dem im November erreichten Jahreshoch. Zu den erfolgreichsten Hamburger Aktien gehörten dabei die Anteilsscheine des Windkraftanlagenbauers Nordex mit einem Plus von 218 Prozent und die Papiere des Gabelstaplerherstellers Jungheinrich, die sich um 57 Prozent verteuerten. Gegen die Tendenz gaben Aktien der Kupferhütte Aurubis auf Jahressicht um 19 Prozent nach, und Titel der TAG Immobilien schwächten sich um mehr als sieben Prozent ab.

Wenn es nach den Prognosen der Hamburger Banken geht, wird aber auch 2014 kein schlechtes Börsenjahr. Besonders optimistisch sind die Experten von M.M.Warburg & CO, die den DAX zum Jahresende bei 10.400 Punkten sehen. Dafür sprächen schon die guten Gewinnaussichten der Unternehmen. So traut Chefvolkswirt Carsten Klude der deutschen Volkswirtschaft im neuen Jahr ein Wachstum von immerhin 2,3 Prozent zu; damit ist er zuversichtlicher als die meisten seiner Kollegen. Doch auch anderswo auf dem Kontinent zeigten sich bessere Perspektiven: „Die Rezession in Europa geht zu Ende, da die Länder in der Peripherie wieder mehr Dynamik entwickeln.“ Hinzu kommt, dass der Anleihemarkt keine Konkurrenz zu den Aktien sein wird: „Zinsanlagen bleiben auch 2014 unattraktiv“, sagte Christian Jasperneite, Chief Investment Officer bei M.M.Warburg. „Wer mehr als den Kapitalerhalt als Anlageziel vor Augen hat, kommt um höhere Risiken nicht herum.“ Es zeichne sich ab, dass die Renditen für sehr lange Zeit sehr niedrig bleiben werden, so Jasperneite.

Schon aus diesem Grund bleiben die längerfristigen Aussichten für den Aktienmarkt auch nach Auffassung von Stefan Keitel, Chief Investment Officer bei Berenberg, insgesamt freundlich. Er prognostiziert einen DAX-Jahresendstand von 9800 Punkten. Allerdings erwartet der Experte für das erste Quartal 2014 zunächst „empfindliche Rücksetzer“, die aber für mittelfristig orientierte Anleger Kaufgelegenheiten darstellen sollten. Empfehlenswert sei dabei eine breite Streuung mit Schwerpunkt im Konsum- und Industriewertebereich sowie mit Titeln aus der Pharma- und der Gesundheitsbranche. „Auch ausgewählte Autotitel sowie Unternehmen aus dem Technologiebereich sind unseres Erachtens vielversprechende Investments“, so Keitel. Allerdings blieben die Risiken erheblich. Sollte etwa das Bundesverfassungsgericht die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) für illegal erklären, könnte dies die deutsche und europäische Wirtschaft in neue Turbulenzen stürzen, erklärt Keitel.

Die lockere Geldpolitik der Notenbanken sorgte für kräftigen Rückenwind

Auch nach Ansicht von Jochen Intelmann, Chefvolkswirt der Haspa, kann das Verfassungsgerichtsurteil, das vermutlich im ersten Halbjahr gesprochen werde, zum Stolperstein werden: „Die Euro-Unsicherheit könnte dann wieder hochkochen.“ Davon abgesehen sei das Umfeld für die Börse aber recht komfortabel. Die US-Notenbank Fed habe angekündigt, ihre Anleihekäufe, die sie zur Stützung der Konjunktur und der Finanzmärkte begonnen hatte, allmählich zurückzufahren. „Das zeigt, dass die US-Wirtschaft wieder aus eigener Kraft läuft“, sagte Intelmann. Vor allem sei mit der Ankündigung nun die Ungewissheit über den geldpolitischen Kurs der Fed aus dem Markt. Die Haspa erwartet einen DAX-Stand von 9800 Punkten zum Jahresende 2014.

Carsten Mumm, Leiter des Bereichs Asset Management beim Bankhaus Donner & Reuschel, rechnet für den Jahresultimo mit 9700 Zählern im DAX. Der entscheidende Faktor für die Aktienbörse sei allerdings nach wie vor die Geldpolitik der Notenbanken. „Selbst nach der jüngsten Entscheidung der Fed ist deren geldpolitischer Kurs vielleicht nicht mehr ultra-expansiv, aber immer noch sehr expansiv“, so Mumm. Vor diesem Hintergrund könne im Jahresverlauf 2014 auch die Marke von 10.000 DAX-Punkten übertroffen werden. „Gerade im ersten Quartal sind allerdings Rücksetzer bis in die Nähe von 8500 Punkten nicht unwahrscheinlich“, glaubt Mumm.

Die Otto M. Schröder Bank erwartet keinen Anstieg des DAX zum Ende 2014

Ein Argument, das den Aktienmarkt in diesem Jahr stützte, bleibe aber auch 2014 gültig: „Alle fest verzinslichen Anlageprodukte sind für Investoren, die auch abzüglich der Inflationsrate eine nennenswert positive Rendite erzielen wollen, keine Alternative.“

Nicht so zuversichtlich wie die übrigen Hamburger Experten ist Torsten Johannsen, Direktor bei der Otto M. Schröder Bank. „Maßgeblich für die Kursanstiege in diesem Jahr war die Politik der Notenbanken, aber der monetäre Rückenwind nimmt ab“, sagte Johannsen. Er veranschlagt den DAX-Stand in zwölf Monaten lediglich auf 9300 bis 9500 Punkte, auch wenn im ersten Halbjahr die Marke von 10.000 Zählern erreicht werden könnte. Mit einzelnen Titeln seien aber auch im neuen Jahr deutliche Kursgewinne erzielbar, erwartet Johannsen. Neben Kali + Salz setzt er angesichts der guten Konjunkturaussichten auf die Aktien von Thyssen, Infineon, Aurubis und SGL Carbon, die von dem Aufschwung der Weltwirtschaft profitieren sollten.