Innovation

Surfen mit Satellitentechnik – schnell und von überall

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Neue Satelliten bringen Internet und Telefonempfang fast im DSL-Tempo auf das Handy – sind sie eine Alternative zum Kabelempfang?

Für fast drei Milliarden Dollar hat Iridium 81 Satelliten beim Hersteller Thales Alenia Space bestellt. Der Anbieter von Satellitenkommunikation, der vor zehn Jahren insolvent ging, will damit wieder einen Neustart versuchen. Motorola hatte Iridium 1998 als eigenständige Firma ausgegründet. Das Unternehmen und weitere Investoren förderten die Technik mit etwa fünf Milliarden Dollar.

Doch Telefonieren über Satellit schien wegen der fast weltweiten Mobilfunk-Abdeckung gescheitert und nur noch für Polarforscher und Reisende in asiatischen Steppen interessant. Technische Innovationen aber bringen das früher teure System wieder zurück ins Spiel.

Zum einen setzen die Betreiber wie Iridium, Thuraya und Immarsat mittlerweile Satelliten ein, die in geringerer Höhe als bisher um die Erde kreisen. Das reduziert die erforderliche Sendeleistung erheblich und damit auch Größe und Gewicht der Empfänger. Noch vor wenigen Jahren wogen Satellitentelefone fast so viel wie eine große Flasche Wasser, die neuen Modelle dagegen kommen auf 120 bis 300 Gramm und reichen damit schon fast an das Gewicht eines Smartphones heran.

Außerdem sind die Satelliten leistungsfähiger geworden. Wenn in sieben Jahren alle jetzt von Iridium georderten Satelliten am Start sind, werden sie Daten mit einer Geschwindigkeit von einem Megabit pro Sekunde übertragen können - das entspricht der von der Bundesregierung geforderten Rate für ländliche Gebiete. Bisher kam die Technik auf den äußerst schwachen Wert von 9,6 Kilobit pro Sekunde. Telefonieren war damit möglich, zum Websurfen taugte das System allerdings nicht. Erst mit dem höheren Übertragungstempo können Nutzer auch im Outback Australiens oder im arktischen Franz-Josef-Land Internetinhalte ausreichend schnell herunterladen.

Ohnehin arbeiten die Anbieter daran, Satellitentechnik für das Websurfen und für Multimedia-Anwendungen als Alternative zum Kabelempfang zu positionieren. Seit dieser Woche zum Beispiel ist es möglich, bei der Telekom über Satellit mit zwei Megabit pro Sekunde im Web zu surfen. Damit hat das Unternehmen die Übertragungsgeschwindigkeit verdoppelt. Das Hochladen von Dateien ins Internet läuft jetzt mit 256 Kilobit pro Sekunde, vergangene Woche war es nur halb so schnell.

Eine interessante technische Lösung könnte zudem DVB-SH bringen, eine Technik, die unter anderem Alcatel-Lucent in Frankreich und das Fraunhofer-Institut in Erlangen derzeit testen. Digital überträgt DVB-SH Internetinhalte oder Fernsehbilder über Satelliten auf tragbare Endgeräte wie Notebooks oder Handys. Ist in Ballungszentren ein Empfang nicht möglich, schaltet das System automatisch auf digitales Antennenfernsehen (DVB-T) um.

Auf Nutzerseite ist lediglich eine kleine Satellitenschüssel in der Größe einer Untertasse, eine in die Scheibe integrierte DVB-T-Antenne sowie eine Set-Top-Box im Kofferraum nötig. Der Decoder leitet die Signale kabellos weiter an das Handy oder einen Bildschirm im Fond des Wagens. Noch sind die Empfänger für diese Technik nur in Testgeräte eingebaut. Wenn der Receiver jedoch so klein ist, dass er zum Beispiel in Apples iPad passen würde, ließe sich damit eine elektronische Zeitung unterwegs aktualisieren und lesen.

Ein wenig mehr Mobilität - zumindest in den USA - bietet schon der Pay-TV-Veranstalter DirecTV. Der Sender verkauft tragbare Satellitenschüsseln für den Fernsehempfang an jedem Ort. Für knapp 500 Dollar bekommen Kunden einen kleinen Koffer mit Fernseher und Antenne. Der LCD-Bildschirm zeigt auf einer Fläche mit 43 Zentimeter Diagonale Bilder in ausreichend hoher Auflösung von 1280 mal 1024 Pixeln.

Der flache Koffer misst 50 mal 50 Zentimeter und wiegt 13 Kilogramm. Für längere Spaziergänge ist das Paket sicherlich nicht geeignet, durchaus aber für Ausflüge ins Grüne oder Touren an den Badesee. Neben Fernsehen empfängt der mobile Satelliten-Fernseher auch Videospiele sowie von DirecTV angebotene Radioprogramme.

Hörfunk über Satellit ist in den USA ohnehin ein großes Geschäft, in Deutschland gibt es dies fast ausnahmslos nur für stationäre Schüsseln zu Hause. US-Anbieter Sirius XM dagegen erreicht mit seinem Pay-Programm fast 20 Millionen Kunden. Zu hören sind deutlich mehr als 100 Kanäle, von Jazz über Talkshows bis zu Live-Sportübertragungen. Dazu kommen aktuelle Verkehrsmeldungen. Sirius lässt sich schon seit längerer Zeit über iPhones und Blackberrys empfangen und neuerdings auch über Handys der Android-Plattform. Damit kommen Signale über Satellit schon zu fast jedem Endgerät.

Quelle: Welt Online