Penny, Netto und Co.

Billiger Kaffee als Lockangebot beim Discounter

Billigketten senken Preise um mehr als 30 Prozent. Die Zeit der hohen Rabatte wird bald vorbei sein. Schlechte Ernte belastet Produzenten.

Hamburg. Wer bei dem grauen Winterwetter nur schwer wach wird, kann derzeit günstig nachhelfen: Deutsche Billigsupermärkte bieten den Muntermacher Kaffee in dieser Woche mit Rabatten bis zu 34 Prozent an. So verkauft die drittgrößte Discounterkette Netto die 500-Gramm-Packung Eduscho Gala für 2,99 Euro statt 4,29 Euro. Beim Konkurrenten Penny kostet Dallmayrs Prodomo-Kaffee derzeit 2,95 statt 4,49 Euro. Und der zweitgrößte deutsche Discounter Lidl knöpft den Kunden für 500 Gramm Idee-Kaffee nur 2,88 Euro ab.

Diese Offensive gegen die Wintermüdigkeit ist für den Jahresanfang typisch. Die Verbraucher gelten nach der umsatzstarken Vorweihnachtszeit als kaufmüde. "Der Januar ist traditionell der schwächste Monat im Einzelhandel", sagte Matthias Queck, Handelsanalyst von Planet Retail, dem Abendblatt. "Viele Menschen haben noch Vorräte von den Festtagen zu Hause und müssen den Gürtel finanziell enger schnallen." Die Supermärkte reagieren darauf, indem sie die sogenannten Eckprodukte, deren übliches Preisniveau jeder Verbraucher im Kopf hat, vorübergehend reduzieren. Besonders Kaffee sei ein "aktionsgetriebenes Geschäft", sagt Queck. Die Deutschen seien darauf konditioniert, Markenkaffee als Sonderangebot zu kaufen. Das bestätigt auch Netto-Sprecherin Christina Stylianou: "Kaffee ist ein beliebtes Produkt, mit dem man Kunden gut ansprechen kann." Immerhin trinken die Bundesbürger im Schnitt jährlich 148 Liter ihres Lieblingsgetränks. Angesichts von Trends wie Coffee to go, Latte macchiato und Biokaffee rechnet der Deutsche Kaffeeverband nicht mit sinkendem Konsum.

Schon Ende der Woche dürfte die Zeit der Schnäppchenpreise allerdings vorbei sein - bis zur nächsten Werbeaktion. Eine dauerhafte Preissenkung ist nicht zu erwarten, sind die Rohstoffpreise der beliebten Sorte Arabica doch seit Anfang 2009 um 25 Prozent gestiegen. Der Grund: Das Angebot ist knapper geworden, nachdem die Ernten der größten Kaffeeproduzenten Brasilien und Kolumbien schwach ausfielen. "Die weltweite Nachfrage ist trotz der Konjunkturkrise aber robust geblieben", sagt Rohstoffanalyst Carsten Fritsch von der Commerzbank. "Die Preise für Arabica-Kaffee dürften in diesem Jahr weiter steigen."

Dennoch rechnen Handelsexperten nicht damit, dass Kaffee in den Supermärkten bald dementsprechend teurer wird. "Je mehr ein Produkt im Fokus steht, desto stärker wird jeder Händler versuchen, dem Wettbewerb standzuhalten", sagt Queck. Nach seiner Einschätzung wird der Preis für Kaffee als Eckprodukt so lange wie möglich niedrig gehalten. Auch die Kartellstrafe für die Röster Tchibo, Melitta und Dallmayr könnte sich auf die Preisentwicklung auswirken. Ende Dezember hatte das Bundeskartellamt die Branchenriesen wegen Absprachen zu einem Bußgeld von 160 Millionen Euro verurteilt. Seit dem Jahr 2000 sollen die Verbraucher 4,8 Milliarden Euro zu viel gezahlt haben.

Möglicherweise holen sich die Einzelhändler das nun zurück - und nutzen es in ihrem Kampf um Kunden und Marktanteile. "Es ist anzunehmen, dass das Kartellverfahren bei Preisverhandlungen als Druckmittel auf die Kaffeeröster genutzt wird", sagt Queck. Genau werden die Verbraucher es nicht erfahren: Wie die Preise zustande kommen, könne nicht verraten werden, heißt es bei Penny. Nur so viel: "Wenn wir Preisvorteile generieren, werden wir das an die Kunden weitergeben."