Streit um Hypo Real Estate: US-Investor gibt sich siegessicher

J.C. Flowers: Enteignung ist gesetzwidrig

Der amerikanische Großaktionär J.C. Flowers gibt sich zuversichtlich, dass er im Streit um den angeschlagenen Immobilienkonzern Hypo Real Estate (HRE) am Ende Erfolg haben wird. Er glaubt, es geht auch ohne eine Enteignung.

Frankfurt/Main. "Rechtsgutachten bestätigen unsere Ansicht, dass eine Enteignung gesetzwidrig ist. Wir rechnen uns gute Chancen auf dem Rechtsweg aus", sagte Flowers der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Er attackierte erneut die Regierung: "In vielen Teilen der Welt greifen Staaten als Retter von Banken ein. Wurden hier überall die Aktionäre enteignet? Nein. Es geht auch anders."

Der Investor wies Behauptungen zurück, wonach er den deutschen Staat um mehr Geld für die HRE-Aktien erpressen wolle. "Wir wollen keinen höheren Preis, wir wollen überhaupt keinen Steuer-Cent, wir wollen Aktionär bleiben, uns als langfristig denkender Investor an der Sanierung beteiligen."

An einem Punkt sei er sich mit der Bundesregierung einig, sagte Flowers. "Der Zusammenbruch der HRE wäre ein Desaster. Würde sie kippen, wäre dies mit Lehman zu vergleichen." Der Verlust mit den HRE-Anteilen schmerze ihn: "Egal, wie es kommt: Es geht nur noch darum, ob wir sehr viel Geld verlieren. Oder sehr, sehr viel Geld", sagte der Amerikaner, der voriges Jahr eine Milliarde Euro in den Kauf von HRE-Aktien investiert hatte.

Wenige Tage vor dem Ablauf des staatlichen Übernahmeangebots für den Immobilienkonzern hatte Flowers am Donnerstag angekündigt, er werde seine Aktien nicht zum Preis von 1,39 Euro an den Bund verkaufen und notfalls rechtliche Schritte einleiten.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) ließ an seiner Entschlossenheit keinen Zweifel: Wenn Flowers das Angebot nicht annehme, dann werde es eine Enteignung geben. Die Preisvorstellungen des US-Investors seien zu hoch.

Der Bund hat die Möglichkeit einer Enteignung, nachdem die Bundesregierung im Februar das "Rettungsübernahmegesetz" gebilligt hatte, das diesen Schritt als letztes Mittel ermöglicht. Steinbrück verwies darauf, dass die HRE-Aktionäre im Grunde schon enteignet seien, denn das Institut existiere nur noch dank der Finanzhilfen von 102 Milliarden Euro. Die Aktionäre einschließlich Flowers seien vom Markt enteignet worden. Flowers und ihm verbundene Investoren hielten zuletzt rund 22 Prozent der Aktien.

Das staatliche Übernahmeangebot an die Aktionäre der HRE läuft noch bis Montag (4. Mai). Die Hypo Real Estate mit Sitz in München stand im vergangenen Jahr wegen der Schwierigkeiten ihrer Tochter Depfa Bank kurz vor dem Kollaps und wird seitdem mit insgesamt 102 Milliarden Euro an Garantien und Kapital am Leben gehalten. Über weitere Hilfen wird verhandelt.