Daimler möchte aussteigen

Neue Aktionäre für Airbus-Mutter EADS gesucht

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Kanzlerin Angela Merkel schaltet sich ein: Gespräch über die Ausstiegspläne von Daimler bei Airbus-Mutterkonzern EADS findet am 23. Februar statt.

Hamburg. Der Autobauer Daimler stürzt rund 45 000 Beschäftigte des Airbus-Mutterkonzerns EADS in Deutschland in Ungewissheit. Denn die Stuttgarter wollen ihre Beteiligung an dem europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmen offenbar weiter reduzieren oder komplett abgeben - und damit geriete dort die sorgsam austarierte Machtbalance zwischen Deutschland und Frankreich in Gefahr.

Die Angelegenheit ist so wichtig, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sie zur Chefsache macht: Am 23. Februar will sie mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sowie Vizekanzler Guido Westerwelle und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (beide FDP) über die Konsequenzen eines Ausstiegs sprechen, wie aus Regierungskreisen verlautete.

Derzeit hält Daimler 15 Prozent der EADS-Anteile. Zwar gibt es keine offizielle Bestätigung der Verkaufsbestrebungen. Doch offensichtlich hat der Autohersteller der Bundesregierung signalisiert, dass er die Beteiligung schon in absehbarer Zeit abgeben möchte. "Eigentlich passt Daimler als Gesellschafter gut zu EADS, aber die Strategie geht jetzt in die andere Richtung - und die lautet Konzentration auf das Kerngeschäft", sagte Heino Hammann, Branchenexperte bei der Nord/ LB, dem Abendblatt.

Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge bietet Daimler der Bundesregierung die Anteile zum Kauf an. Ein direkter Einstieg des Bundes bei EADS gilt allerdings in Berlin als praktisch ausgeschlossen, nicht nur wegen des Preises: Gemessen am Aktienkurs haben die 15 Prozent aktuell einen Wert von 2,6 Milliarden Euro. Ausländische Investoren, speziell die Staatsfonds aus Dubai, Abu Dhabi oder Kuwait, wären aber vermutlich interessiert, meint Hammann: "EADS ist ein Unternehmen mit Zukunft, langfristig gesehen bestehen gute Renditeaussichten."

Arabische Investoren gelten als langfristig orientierte Anleger. Hinzu kommt, dass derartige Kontakte bereits bestehen: Dubai International Capital war zeitweise mit gut drei Prozent an EADS beteiligt, Aabar Investments aus Abu Dhabi hält neun Prozent der Daimler-Aktien und der Kuwait Investment Authority gehören knapp sieben Prozent des Autobauers.

Doch ein Kauf von EADS-Anteilen durch solche Investoren wäre mit einer Schwierigkeit verbunden: "Man ist noch weit davon entfernt, dass am Machtgleichgewicht zwischen Deutschland und Frankreich bei EADS gerüttelt werden dürfte", meint Hammann. Schließlich sind die beiden größten Standorte des europäischen Konzerns die Airbus-Werke in Toulouse und Hamburg, die Arbeitsaufteilung bei den Flugzeugprojekten orientiert sich an den Eigentumsverhältnissen.

Aus industriepolitischen Erwägungen muss daher eine Lösung gefunden werden, bei der zumindest formal der Anteil Deutschlands gleich bleibt - und genau so einen Ausweg hat man schon einmal gefunden: Als sich Daimler im Jahr 2007 von 7,5 Prozent der EADS-Aktien trennen wollte, gingen diese unter der Regie der Bundesregierung an ein Konsortium aus Banken und öffentlichen Investoren, darunter auch Hamburg (siehe Grafik).

Die Hansestadt ist seitdem indirekt mit 0,75 Prozent an EADS beteiligt. Gleichzeitig einigte man sich darauf, dass Daimler trotz des Aktienverkaufs die Stimmrechte für die abgegebenen 7,5 Prozent behält - und dies, obwohl auch internationale Banken wie Credit Suisse, Goldman Sachs und Morgan Stanley bei der Airbus-Mutter einstiegen. In Branchenkreisen gilt es als wahrscheinlich, dass man diesmal erneut eine Lösung nach diesem Muster anstreben wird. Damit könnte abermals auch ausländischen Investoren eine Tür geöffnet werden.

Allerdings müssten wohl auch deutsche Anleger gefunden werden, die sich engagieren. "Wenn politischer Druck aufgebaut wird, wird man nicht anders können, als zu kaufen", sagte dazu ein Analyst, der nicht genannt werden wollte. Schon die Bewerbung um den Tankjetauftrag in den USA zeige, welche Bedeutung die Politik für das Geschäft der Luft- und Raumfahrtkonzerne habe: "Dies ist eine besondere Branche. Daher würde es Sinn machen, eine Sonderlösung unter Beteiligung der Bundesregierung zu finden."

Dabei könnte es schon schwierig werden, die Mitglieder des bisherigen Konsortiums mit dem Namen "Dedalus" zusammenzuhalten. Denn ein weiter steigender Kurs der EADS-Aktie, deren Wert sich in den vergangenen zwei Jahren etwa verdoppelte, würde ihnen die Chance eröffnen, mit Gewinn auszusteigen. Eine Gelegenheit dazu ergäbe sich nach bisherigem Stand in nicht allzu ferner Zukunft: Der Vertrag über das Konsortium läuft Ende des Jahres 2012 aus. Auch hierüber wird man im Kanzleramt wohl sprechen.