Gesundheitsreform

Ärzte warnen vor Todesfällen durch Medizinermangel

Foto: picture-alliance/ dpa / picture-alliance/ dpa/dpa

Die Hausärzte warnen vor einer Verschlechterung der Versorgung durch die Gesundheitsreform. Der Ärztemangel könne "viele Menschenleben" kosten.

Berlin/München. Die Hausärzte in Deutschland haben vor gravierenden Folgen durch einen wachsenden Ärztemangel gewarnt. Eine von Landkreis zu Landkreis wegbrechende Versorgung werde „viele Menschenleben“ kosten, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Hausärzteverbandes, Eberhard Mehl, in Berlin. Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) müsse seine Sparpläne kassieren.

Bei neuen Hausarztverträgen sollen nach den Plänen Röslers keine Honorarsteigerungen mehr zugelassen werden, die über dem jeweiligen Plus bei den übrigen Ärzten liegen. Die Ärzte fürchten aber, dass auch bei bestehenden Verträgen das Honorar sinkt. Die Mediziner wollen dagegen mit Plakaten, einem Informationstag am 15. September und dann mit Praxisschließungen protestieren. Bayerische Hausärzte demonstrierten bereits im Januar 2009 gegen die Gesundheitspolitik und drohten, ihre Kassenzulassung zurückzugeben.

Die geplanten Abstriche bei den Honoraren seien ein „Anschlag auf die hausärztliche Versorgung“, erklärte der Deutsche Hausärzteverband. Der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt kündigte unter anderem eine Plakataktion mit dem Warnhinweis „Der Bundesgesundheitsminister gefährdet Ihre Gesundheit“ an und schloss auch Praxisschließungen nicht aus.

Rösler will die Honorarzuwächse der Hausärzte im nächsten Jahr begrenzen. Bei neuen Hausarztverträgen sollen die Honorare an die in anderen Arztgruppen übliche Vergütung angepasst werden. Er erhofft sich dadurch Einsparungen von rund 500 Millionen Euro. Bestehende Hausarztverträge sollen nach Aussage von Rösler nicht angetastet werden. In den von Krankenkassen und Ärzteverbänden abgeschlossenen Hausarztverträgen verpflichten sich die Mediziner, eine Lotsenfunktion für die Patienten auszuüben und sie notfalls zum Facharzt zu überweisen. Ärzte, die an dieser hausarztzentrierten Versorgung teilnehmen, erhalten mehr Honorar als Kollegen, die das nicht tun.

Der Hausärzteverband warnte vor einer Verschlechterung der medizinischen Versorgung durch Röslers Pläne. Dies treffe „zuerst die Alten, schwer Kranken und die Armen auf dem Land und in Problemvierteln der Städte“, erklärte Weigeldt. Stattdessen brauche das Gesundheitssystem „mehr sinnvolle Steuerung durch den Hausarzt“, der erster Ansprechpartner für die Patienten sei, Hausbesuche mache und Untersuchungen beim Facharzt koordiniere. Damit könnten unnötige Doppeluntersuchungen, überflüssige Medikamentengaben und Krankenhauseinweisungen vermieden werden.

Rösler betrachte die Hausärzte hingegen als „reinen Kostenfaktor“, kritisierte der Verbandsvorsitzende. Die Hausärzte-Kampagne wird auch vom Ärzteverband NAV-Virchowbund und dem Berufsverband der Ärztegenossenschaften unterstützt. Die von Rösler geplanten Einschnitte bei den Hausärzte-Honoraren gehören zu einem Maßnahmenpaket, mit dem die schwarz-gelbe Koalition das Kassendefizit von voraussichtlich elf Milliarden Euro im kommenden Jahr ausgleichen will. Dazu zählen auch eine Anhebung der Kassenbeiträge und Einsparungen bei den Krankenhäusern.