Piloten im Ausstand

Lufthansa will Streik per Gerichtsbeschluss beenden

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Die Flugkapitäne drohen mit einem längeren Ausstand - jetzt schlägt die Lufthansa mit einer einstweiligen Verfügung zurück.

Frankfurt/Main. Die Lufthansa geht jetzt gerichtlich gegen den Streik der Piloten vor. Beim Arbeitsgericht Frankfurt sei ein Antrag auf eine einstweilige Verfügung eingereicht worden, sagte Lufthansa- Sprecher Andreas Bartels. Der Streik sei unverhältnismäßig. Lufthansa sei verpflichtet, Schaden von Unternehmen, Mitarbeitern und Aktionären abzuwenden.

Bereits am späten Montagnachmittag wird das Arbeitsgericht Frankfurt über den Antrag der Lufthansa verhandeln. Um 17.30 Uhr sollen die Fluggesellschaft und die Vereinigung Cockpit angehört werden, wie Gerichtssprecher Frank Woitaschek sagte. Mit einer Entscheidung sei voraussichtlich noch am selben Tag zu rechnen.

Zuvor hatte die Pilotengewerkschaft Cockpit mit weiteren Arbeitskampfmaßnahmen gedroht. Der Sprecher der Vereinigung Cockpit, Alexander Gerhard-Madjidi, sagte am Morgen im Bayerischen Rundfunk: „Die vier Tage reichen offensichtlich noch nicht aus, um die Lufthansa in Bewegung zu versetzen, sich mit uns am Verhandlungstisch zu einigen.“

Er fügte den Angaben zufolge hinzu: „Wir werden natürlich die Eskalation nach diesen vier Tagen nicht beenden, das heißt, wir werden natürlich weitere Streikmaßnahmen vorbereiten und die werden dann auch in der Länge und Dauer entsprechend ausgeweitet.“ Dennoch sei die Gewerkschaft offen für weitere Gespräche mit der Lufthansa. Aus diesem Grund sei der Streik auch so frühzeitig angekündigt worden.

"Piloten gefährden Wirtschaftsaufschwung"

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, kritisierte den Ausstand scharf. Er äußerte sich in der „Berliner Zeitung“ vor allem besorgt über die Folgen für den Frachtverkehr. Viele Firmen hätten die Sorge, dass der Streik die notwendige Ersatzteillogistik für deutsche Maschinen und Anlagen lahmlegen könnte.

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Fuchs, CDU, erklärte im Südwestrundfunk, die Piloten gefährdeten durch ihren Streik den Wirtschaftsaufschwung. Die Politik sehe das mit Sorge. Außerdem habe er kein Verständnis dafür, dass die Piloten mehr als sechs Prozent mehr Gehalt forderten. Sie verdienten mindestens 6000 Euro im Monat, viele sogar mehr als 10.000.

Zu den Gehaltsvorstellungen sagte Cockpit-Sprecher Gerhard-Madjidi im ZDF-Morgenmagazin: „Die Forderung nach 6,4 Prozent Gehalt kam als Reaktion auf das beste Ergebnis der Lufthansageschichte in 2008, als Lufthansa mehr verdient hat als die Wettbewerber zwei, drei und vier zusammen genommen.“

Wegen der Krise sei man aber bereitgewesen, anstelle einer Lohnerhöhung eine Nullrunde zu akzeptieren. Bedingung sei allerdings, dass bestehende Verträge eingehalten werden. Darin sei festgelegt, dass Lufthansaunternehmen im Ausland mit deutschen Piloten fliegen. Aber genau daran halte sich das Unternehmen nicht.

Sonderflugplan funktioniert in Hamburg nicht

Der Streik der Lufthansa-Piloten trifft den Flughafen Hamburg besonders hart. Nur 44 von 97 regulären Flügen sollten stattfinden - und selbst die starten nicht immer. Heute Morgen fielen einige Flüge des Sonderflugplans aus. Der Grund: Die Crews erschienen einfach nicht. "Noch liegen uns keine genauen Zahlen vor, aber mindestens zwei Flüge nach Hamburg und München konten nicht stattfinden", sagt Bernd Habbel, Pressesprecher Hamburg der Lufthansa.

Die Passagiere für die beiden Flüge mussten versuchen, anders in den Süden zu kommen, an den Schaltern bildeten sich Schlangen. "Wir versuchen auch, auf andere Airlines umzubuchen", sagt Habbel. "Die Passagiere haben schließlich darauf gesetzt, dass der Sonderfahrplan gilt." Die Stimmung sei etwas gereizt, aber noch relativ ruhig.

Die meisten Passagiere, die mit den regulären Flügen starten sollten, waren heute erst gar nicht zum Flughafen gekommen. Sie nahmen einen anderen Flug, manche fuhren mit der Bahn. An den Bahnhöfen blieb es am Morgen allerdings ebenfalls ruhig. Nur in wenigen Zügen in Hamburg und Schleswig-Holstein habe es etwas mehr Passagiere gegeben, hieß es bei der Bahn. Sonderzüge wurden keine eingesetzt.

Die Vereinigung Cockpit (VC) hat gut 4000 Piloten aufgerufen, für vier Tage ihre Arbeit ruhen zu lassen. Die Gespräche zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern waren gescheitert, auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) konnte nicht mehr vermitteln. Der Lufthansa droht jetzt der größte Streik ihrer Geschichte. Etwa 800 Flüge fallen bundesweit aus.

Die Parteien streiten sich vor allem um die Tarife im Ausland. Die Lufthansa will das deutsche Tarifrecht nicht bei den ausländischen Unternehmensteilen einführen. Die Gewerkschaft aber fordert genaus das: Sie befürchtet, dass Flüge an biligere Lufthansa-Töchter vergeben und die hochbezahlten deutschen Piloten nach und nach entlassen werden könnten.

Betroffene Passagiere können sich unter www.hamburg-airport.de über den aktuellen Sonderfahrplan informieren.

Das sind Ihre Rechte beim Piloten-Streik: