Gary Barlow

Take That-Sänger: „Mein Selbstbewusstsein war zerstört“

Gary Barlow spricht im Interview über die Kraft der Musik und traumatische Erfahrungen.

Gary Barlow spricht im Interview über die Kraft der Musik und traumatische Erfahrungen.

Foto: Dave J Hogan / Dave J Hogan/Getty Images

Gary Barlow, musikalischer Kopf der Band Take That, spricht im Interview über die Kraft der Musik, den Lockdown und Jürgen Klopp.

Berlin.  Gary Barlow, der vielfach ausgezeichnete Kopf von Take That, präsentiert sein neues Soloalbum „Music Played by Humans“, mit dem er das Lebensgefühl seiner jungen Jahre feiert. Entsprechend aufgekratzt gibt sich der 49-Jährige auch beim Interview.

Doch der Vater dreier Kinder musste in seinem Leben auch immer wieder traumatische Erfahrungen und Krisen überwinden. Seine letzte Herausforderung war der Lockdown . Doch neben der Musik gibt es für ihn einen großen Trost. Und der kommt aus Deutschland.

Mit Ihrem neuen Album zelebrieren Sie die Big Band-Musik, die Sie als Kind und Jugendlicher liebten. Warum die Rückkehr zu Ihren Wurzeln?

Gary Barlow: Meine ganze Karriere lang versuche ich das zu tun, was nicht natürlich für mich ist. Das heißt: Ich versuche mir immer etwas Neues einfallen zu lassen, um relevant zu sein. Und jetzt wollte ich endlich einmal das absolute Gegenteil von dem tun: Ich bin nur meinen Instinkten und Interessen gefolgt.

Da gab es keine Recherchen, was gerade jetzt im Radio oder in den Charts funktioniert. Ich bewegte mich in meiner eigenen Welt, und in der ging ich einfach davon aus, dass alle die Musik mögen, auf die ich selbst Lust habe. So, wie ich mich mit 14, 15 gefühlt habe, als ich in verschiedenen Bands spielte.

Und auf Take That haben Sie keine Lust mehr? Das letzte Album der Band ist ja drei Jahre her.

Barlow: Take That ist schon noch mein Hauptjob und hat oberste Priorität. Aber wir nehmen uns halt immer ein paar Jahre Pause, weil die einzelnen Mitglieder Zeit mit ihren Kindern verbringen oder sonst was treiben wollen. Die nutze ich dann für meine anderen Projekte, zum Beispiel meine Soloalben. Die sind so etwas wie ein Freischuss für mich.

Sie machen diesen Job ja schon seit Ihren Teenagerjahren. Wird Ihnen der nie langweilig?

Barlow: Das fragt mich meine Frau auch immer wieder: „Reicht dir nicht dieser ständige Trott ,Album-Tour-Album-Tour’? Da gibt’s doch nie Neues.“ Aber da irrt sie. Denn ich verändere mich, sehe die Dinge anders. Und so ist das Gefühl, ein neues Album aufzunehmen oder auf Tour zu gehen, immer aufregend. Da habe ich Schmetterlinge im Bauch.

Ende der 90er gab es eine große Lebenskrise, als Ihre Karriere ins Stocken geriet und Sie überdies noch extrem zunahmen. Was half Ihnen damals mehr? Ihre Familie oder die Musik?

Barlow: In dem Fall meine Familie. Damals war mein Selbstbewusstsein komplett zerstört. Und ohne das kannst du als Künstler, aber auch als Sportler, nichts zuwege bringen. Du kannst das binnen weniger Tage verlieren, und dann dauert das Jahre, um es wieder aufzubauen.

Damals war die Musik praktisch mein Feind. Mein Kopf funktionierte nicht richtig. Ich konnte nicht mehr komponieren, was mir früher immer ganz leicht von der Hand gegangen war. Und es war meine Frau, die mir durch diese schwere Zeit hindurch geholfen hat, bis die Dinge endlich wieder ins Laufen kamen.

Das Album heißt „Music Played by Humans“. Wann fühlen Sie sich denn selbst wie ein ganz normaler Mensch?

Barlow: Bekanntermaßen hatten wir dieses Jahr den Lockdown. Und meine Frau und ich mussten bei unserer elfjährigen Tochter Homeschooling machen. Unsere beiden anderen Kinder sind zum Glück schon älter.

Normalerweise hat sie genügend mit ihrer Schule und ihren Freunden um die Ohren, so dass man froh ist, überhaupt Zeit mit ihr zu verbringen. Aber im Lockdown war das alles auf den Kopf gestellt. Jetzt weiß ich: Was immer wir unseren Lehrern bezahlen, es reicht nicht.

Meine Frau und ich haben immer die Verantwortung hin und her geschoben: „Willst du du nicht heute das Homeschooling übernehmen? Dafür kümmere ich mich ums Abendessen.“ Es war Hardcore.

Und gibt es denn auf diesem Planeten auch Übermenschen?

Barlow: In unserem Land gibt es momentan einen ganz besonderen Deutschen, der für mich großartige Arbeit leistet. Sein Name ist Jürgen Klopp. Zeit meines Lebens unterstütze ich Liverpool, und er ist mein Retter. Er ist der absolute Übermensch. Da gibt es keine Frage.

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