Naturkatastrophe

Tonga nach Vulkanausbruch: Angst vor Corona nach dem Tsunami

| Lesedauer: 6 Minuten
Barbara Barkhausen
Tonga: Satellitenbilder zeigen Ausmaß der Zerstörung

Tonga: Satellitenbilder zeigen Ausmaß der Zerstörung

Nach dem Vulkanausbruch vor der Küste Tongas ist die Inselgruppe noch immer weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Satellitenbilder zeigen das Ausmaß der Zerstörung in der Hauptstadt Nuku'alofa.

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Nach einem Vulkanausbruch und Tsunami sind Hilfsaktionen angelaufen. Die Angst ist groß, mit ihnen Corona auf die Inseln zu bringen.

Sydney. Vier Tage nach Ausbruch eines Unterseevulkans, der einen teils 15 Meter hohen Tsunami auslöste, steht Tonga vor neuen Problemen. Denn die Angst ist groß, mit den Helfern aus dem Ausland auch einen „Tsunami von Covid-Fällen“ mit ins Land zu bringen. Dies sagte Curtis Tuihalangingie, ein tongaischer Diplomat in Canberra, gegenüber dem australischen Sender ABC.

Tonga hatte sich gleich zu Beginn der Pandemie fast völlig abgeschottet und auch im Land strenge Regeln umgesetzt. Nach einem strikten dreiwöchigen Lockdown gleich am Anfang wurde die Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen beschränkt und eine nächtliche Ausgangssperre zwischen Mitternacht und fünf Uhr am Morgen eingeführt.

Tonga: Angst vor Corona nach dem Tsunami

„Tonga ist ein wunderschönes Königreich und glücklicherweise Covid-frei geblieben“, berichtete Zoe Stephens in einem Interview im vergangenen Jahr. Die Britin steckte über Monate in dem Pazifikstaat fest, nachdem dieser wegen der Pandemie die Grenzen bereits im März 2020 spontan schloss. „Ich habe hier nie eine Maske getragen, auch wenn wir natürlich durchaus Restriktionen hatten“, sagte sie. Seit Beginn der Pandemie registrierte das Königreich dann auch nur einen einzigen Covid-Fall.

Auch Jonathan Pryke, Direktor des Pacific Islands Program am Lowy Institute, einem unabhängigen Thinktank in Sydney, sagte gegenüber der „New York Times“, dass „das zentrale Thema“ derzeit sein müsse: „Wie stellen wir zu 100 Prozent sicher, dass wir Covid nicht in dieses Land bringen?“ Denn der gute Wille würde vollständig zunichte gemacht werden, sollte die Viruserkranking in den Inselstaat eingeschleppt werden.

Die Vergangenheit gibt dem Pazifikexperten recht: Denn von Ausländern eingeschleppte Krankheiten wie Masern oder Ruhr haben die Region über die vergangenen Jahrhunderte immer wieder gebeutelt und unzählige Todesopfer gefordert.

Nach Vulkanausbruch: Drei Inseln sind fast völlig zerstört

Vier Tage nach der doppelten Katastrophe, die die Kommunikation zur Außenwelt fast vollständig unterbrochen hat, konnte auch Tongas Regierung eine erste Erklärung absetzen. In dem Schreiben bestätigten die Behörden, dass bei der Katastrophe drei Menschen ums Leben gekommen seien, darunter eine 50-jährige britische Frau, eine 65-jährige Frau von der Insel Mango und ein 49-jähriger Mann von der Insel Nomuka.

Auch mehrere Verletzte wurden gemeldet. In der Erklärung nannte die Regierung die Katastrophe „beispiellos“. Die Wolke aus Gas, Rauch und Asche, die der Unterseevulkan bei der Eruption am Samstag ausstieß, reichte wohl bis in die Stratosphäre und erstreckte sich radial über alle Inseln Tongas. Laut der Regierung stiegen die Tsunamiwellen, die der Ausbruch auslöste, bis zu 15 Meter hoch.

Vonseiten der Regierung in Tonga sind Hilfsaktionen für die am schlimmsten betroffenen Inseln Mango, Fonoifua und Nomuka angelaufen. Auf der Insel Mango wurden alle Häuser zerstört und auf der Insel Fonoifua sind nur noch zwei Häuser intakt. Auch Nomuka soll große Schäden erlitten haben. Auf der Hauptinsel ist neben der Hauptstadt Nuku’alofa vor allem die Westküste stark betroffen. Dort sollen mehrere Resorts fast völlig zerstört worden sein.

Wasser hat für die Bewohner nach der Katastrophe Priorität

Die Besitzer des Ha'atafu Beach Resorts berichteten beispielsweise auf Facebook, dass ihr Strandresort große Schäden erlitten habe. „Auch das Dorf Kanokupolu und kleine Teile von Ahau wurden durch den Tsunami schwer beschädigt“, hieß es in dem Post. Glücklicherweise hätten sich aber die meisten Menschen in Sicherheit bringen können. „Sie mussten durch den hinteren Teil des Resorts durch die Büsche fliehen, um sich selbst in Sicherheit zu bringen.“ Dies habe aber bedeutet, dass sie überhaupt keine Zeit gehabt hätten, etwas mitzunehmen.

Neuseeland unterstützt den benachbarten Inselstaat derzeit mit Aufklärungsflügen. Vom Flieger aus werden die Inseln fotografiert, und das neuseeländische Militär hilft bei der Auswertung und Analyse der Bilder. Gleichzeitig sind mehrere Schiffe aus Australien und Neuseeland in Richtung Tonga in See gestochen: Die neuseeländische „HMNZS Wellington“ befördert hydrografische Vermessungs- und Tauchteams, um Veränderungen des Meeresbodens in den Schifffahrtskanälen und Häfen ausfindig zu machen, sowie einen SH-2G Seasprite-Hubschrauber.

Ein zweites Schiff, die „HMNZS Aotearoa“, liefert dagegen große Wasservorräte und andere Hilfsmittel. „Wasser hat in dieser Phase für Tonga höchste Priorität und ‘HMNZS Aotearoa‘ kann 250.000 Liter transportieren und 70.000 Liter pro Tag durch eine Entsalzungsanlage produzieren“, sagte der neuseeländische Verteidigungsminister Peeni Henare. Beide Schiffe werden voraussichtlich am Freitag in Tonga erwartet.

Wohl der bisher stärkste Ausbruch des 21. Jahrhunderts

Bei einem Update am Mittwoch hieß es vonseiten des neuseeländischen Militärs, dass man hoffe, noch diese Woche auch einen ersten Flug mit Hilfsgütern entsenden zu können. Dafür muss die Start- und Landebahn am internationalen Flughafen Fua’amotu jedoch vollständig von der Vulkanasche gereinigt sein, die den Inselstaat überzogen und die Landschaft komplett braun eingefärbt hat.

Grundsätzlich ist Tonga katastrophenerprobt. Der Inselstaat liegt am Pazifischen Feuerring und erfährt häufig seismische Aktivitäten. Erdbeben und Vulkanausbrüche sind keine Seltenheit. Der Unterseevulkan Hunga Tonga-Hunga Ha’apai, der 1800 Meter hoch und 20 Kilometer breit ist und rund 65 Kilometer nördlich von Tongas Hauptstadt Nuku’alofa entfernt liegt, hat ebenfalls schon häufiger Schlagzeilen gemacht.

Doch der aktuelle Ausbruch war besonders heftig: Die „US-Storm Watch” postete Satellitenaufnahmen des Ausbruchs auf Twitter und schrieb, dass die Eruption wohl der bisher „stärkste und heftigste Ausbruch des 21. Jahrhunderts“ war.