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Impfskeptiker schlucken Parasitenmittel – Behörden warnen

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Biden ordnet Corona-Impfpflicht für Pflegeheime an

Biden ordnet Corona-Impfpflicht für Pflegeheime an

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat US-Präsident Joe Biden eine Impfpflicht für Mitarbeiter bestimmter Pflegeheime angekündigt. Zugleich verteidigte er Pläne, die US-Bürger mit einer dritten Impfdosis zu schützen.

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Die USA haben mit einer vierten Corona-Welle zu kämpfen. Impfskeptiker setzen auf zweifelhafte Heilungsmethoden bei einer Infektion.

Jackson. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA steigt derzeit stark an. Das Land hat derzeit mit einer vierten Pandemie-Welle zu kämpfen, die auch durch die Ausbreitung der Delta-Variante befeuert wird. Problematisch ist aber auch, dass ein signifikanter Teil der Bevölkerung sich nicht gegen Covid-19 impfen lassen will – und bei einer Infektion zu dubiosen Heilungsmethoden greift.

Behörden im Bundesstaat Mississippi haben in den vergangenen Wochen einen besorgniserregenden Trend beobachtet: Anscheinend nehmen Impfskeptiker zunehmend das Entwurmungs-Medikament Ivermectin ein, um eine Covid-Erkrankung zu behandeln oder eine Corona-Infektion zu verhindern. Das zuständige Poison Control Center warnte bereits am Freitag vor der Anwendung des Mittels bei Menschen. Lesen Sie auch: USA: Ehemalige Impfgegner werben für Corona-Impfung - warum?

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Anscheinend wird das Parasiten-Mittel in den sozialen Netzwerken als Wundermittel gegen das Coronavirus und die dadurch verursachte Krankheit empfohlen. Wissenschaftlich ist keine Wirkung des Medikaments gegen Corona nachgewiesen. Die Behörden schlagen aber vor allem Alarm, weil die meisten der Menschen, die sich Ivermectin zulegten, das Mittel im Nutztierfachhandel kauften.

Medikament aus dem Nutztierhandel – zu hohe Dosierung

So heißt es im aktuellen Warnschreiben der Behörde: "Mindestens 70 Prozent der jüngsten Anrufe haben mit der Einnahme von Nutztier-Dosen des Medikaments Ivermectin zu tun, dass bei Fachhändlern für Nutztiere gekauft wurde". Ivermectin wird vor allem in der Tiermedizin zur Behandlung und Vorbeugung von Krankheiten, die durch Parasiten verursacht werden, eingesetzt.

In der Humanmedizin wird das Medikament vor allem in Afrika, aber auch in anderen Entwicklungsländern genutzt, um Flussblindheit und Elephantiasis zu behandeln. Andere Einsatzmöglichkeiten sind nicht bekannt oder erprobt.

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Arzneimittelbehörde FDA warnt vor Ivermectin-Einnahme gegen Covid-19

Mittlerweile scheint die Gefahr für einen Teil der US-Bevölkerung so groß, dass sogar die U.S. Food and Drug Administration, abgekürzt FDA, vor der Verwendung bei Menschen warnte.

Auf Twitter versuchte die Arzneimittelbehörde sogar mit Humor, die Impfskeptiker zu erreichen: „Du bist kein Pferd. Du bist keine Kuh. Ernsthaft, hört auf damit.“ Laut US-Medien sind Facebook-Gruppen und Twitter-Seiten, die über die Anwendung des Parasiten-Medikaments gegen Covid-19 informieren, trotzdem weiterhin sehr aktiv.

Parasiten-Medikament Ivermectin: Für den Menschen kann es tödlich enden

Laut Mississippis Vergiftungsbehörde liegt die größte Gefahr für den Menschen darin, dass die Dosierung von Ivermectin für die deutlich schwereren Nutztiere natürlich sehr viel höher ist als die für einen menschlichen Patienten. "Es kann sehr gefährlich sein, die falsche Dosis eines Medikaments zu nehmen, vor allem, wenn es für Pferde oder Kühe bestimmt ist", erklärte ein Sprecher gegenüber dem Fernsehsender „ABC“.

In zu hohen Mengen eingenommen, kann das Entwurmungsmittel im schlimmsten Fall bei Menschen tödlich wirken. Dieser Fall ist bisher wohl noch ausgeblieben. Allerdings wurde bereits eine Person wegen einer Vergiftung durch Ivermectin im Krankenhaus behandelt. Die meisten dürften aber Glück haben: Nach der Einnahme zeigten die meisten Konsumenten wohl nur milde Vergiftungssymptome.

(fmg)