Kontaktnachverfolgung

Corona-App: So wirksam wie alle Gesundheitsämter zusammen?

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Leon Scherfig
Corona-Warn-App: Das ist die neue Check-in-Funktion

Corona-Warn-App: Das ist die neue Check-in-Funktion

Die Corona-Warn-App des Bundes bekommt neue Funktionen. Mit einem Check-in sollen riskante Begegnungen in Innenräumen künftig besser erfasst werden.

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Erstmals gibt es aussagekräftige Daten, wie wirksam die Corona-Warn-App bei der Kontaktnachverfolgung ist. Das sind die Ergebnisse.

Berlin. Die offizielle Corona-Warn-App (CWA) hat seit ihrem Start vor einem Jahr viel Kritik einstecken müssen: "Die App ist leider bisher ein zahnloser Tiger", sagte zum Beispiel Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im im Gespräch mit unserer Redaktion. Immerhin: Das war im Oktober.

Es folgten Updates, die Entwickler von Telekom und SAP feilten an der Anwendung und inzwischen verfügt die rund 28 Millionen Mal heruntergeladene App über viele Funktionen, die Kritiker lange gefordert hatten; zum Beispiel die Möglichkeit, sich in Restaurants und bei Veranstaltungen einzuchecken.

Hinter all dem steht allerdings die grundlegende Frage: Wie wirksam ist sie denn nun diese Software, für die das Bundesfinanzministerium Kosten bis zu 69 Millionen Euro kalkuliert hat? Wie viele Anwender tragen tatsächlich einen positiven Test auf ihrem Smartphone ein und warnen andere Menschen?

Corona-Warn-App: RKI und BMG mit ersten Daten zur Wirksamkeit

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) und Robert Koch-Institut (RKI) haben sich den ersten Geburtstag (16. Juni) der Corona-Warn-App zum Anlass genommen, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen. Einfach ist das nicht, weil die Kontaktnachverfolgung der App anonym und dezentral abläuft. Die Macher des Programms griffen daher auf Daten zurück, die Nutzende freiwillig geteilt haben. Zum Beispiel eine Umfrage von März bis Mai 2021, an der sich User mit der Warnung "erhöhtes Risiko" beteiligen konnten. Außerdem können Nutzer seit März 2021 eine Datenspende abgeben, also Fragen zu der App und ihrem Umgang mit ihr beantworten.

In einem Blogbeitrag weisen die Entwickler allerdings darauf hin, dass es sich um eine erste, vorläufige Evaluierung handelt. "Eine detaillierte Aufbereitung und Analyse dieser Daten wird in den kommenden Wochen regelmäßig in größerer Ausführlichkeit erfolgen", schreiben sie. Doch zeigen sich schon Tendenzen.

  • Rund 73 Prozent wurden durch die Anzeige eines erhöhten Risikos überrascht. Die Entwickler deuten dies als Indiz dafür, dass dass die App auch häufig außerhalb der Familie oder des Kollegenkreises warnte, wo ein Risiko vielleicht auch ohne Software besser abzuschätzen ist.
  • Insgesamt 61 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer, die ein positives Testergebnis über die App registriert haben, warnten auch andere, indem sie den Befund teilten.
  • Die Mehrheit der User ließ sich nach einer roten Warnung laut Befragung auch wirklich testen.

Dem RKI zufolge haben inzwischen knapp eine halbe Million Menschen (472.900) über die Corona-Warn-App andere Personen vor einer gefährlichen Risiko-Begegnung gewarnt. Dadurch wurden nach Angaben aus Regierungskreisen in über 200.000 Fällen Infektionsketten unterbrochen, schreibt die Deutsche Presse-Agentur. Die Zahl der relevanten Warnungen könnte allerdings noch viel höher sein, wenn alle Anwenderinnen und Anwender der App, die positiv getestet wurden, dies auch eintragen würden. Anfangs trauten sich aber nicht einmal 40 Prozent der Betroffenen, diese Alarmkette auszulösen.

Wie das Fach-Portal "heise.de" berichtet, seien laut RKI-Schätzungen 110.000 bis 230.000 CWA-Nutzende nach einer roten Warnung positiv getestet und damit aus Infektionsketten gezogen worden. Dies entspreche "etwa der Positivrate, die bei der analogen Kontaktnachverfolgung beobachtet werden kann", heißt es laut "heise.de" in einem Papier von BMG und RKI. Das wiederum würde bedeuten: Den Beitrag, den die Corona-App zur Pandemie-Bekämpfung leistet, schätzt das RKI in etwa so hoch ein wie den aller Gesundheitsämter zusammen (mit dpa)