Pandemie

Wie einstige Corona-Hotspots ihre Inzidenz senken konnten

Lesedauer: 5 Minuten
Tobias Eßer
Corona: Darum sind Fallzahlen so schnell gesunken

Corona: Darum sind Fallzahlen so schnell gesunken

Die Infektionszahlen sind stark gesunken und erste Lockerungen sind in Kraft getreten. Woran das liegt, sehen Sie im Video.

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Hof und Tirschenreuth galten lange als Corona-Hotspots. Nun sind die Inzidenzen stark gesunken.

Berlin/Tirschenreuth/Hof. 
  • Die täglichen Neuinfektionen gehen dach der dritten Corona-Welle deutschlandweit zurück
  • In den Ex-Hotspots Hof und Tirschenreuth ist die Inzidenz ebenfalls unter Kontrolle
  • Die Übersicht zeigt, wie die Kommunen die Pandemie in den Griff bekommen haben

Deutschland bekommt in der Corona-Pandemie wieder die Füße auf den Boden. Die Inzidenzen gehen seit Wochen zurück, aktuell gilt nur noch in einem Landkreis die bundesweite Corona-Notbremse. Die dritte Welle scheint gebrochen.

Das gilt auch in Städten und Landkreisen, die bis vor kurzem noch als absolute Corona-Hotspots galten. So zum Beispiel der bayerische Landkreis Tirschenreuth, an der Grenze zu Tschechien. Noch im Februar lag die Inzidenz im Landkreis bei über 400 - nun ist Tirschenreuth zusammen mit der Stadt Schwerin der einzige Landkreis mit einer Inzidenz von null. Wie das Landratsamt Tirschenreuth mitteilt, habe es seit 2. Juni keine Neuinfektionen mehr im Landkreis gegeben.

Corona-Stategie in Tirschenreuth: "Testen, Testen, Testen"

Wie hat Tirschenreuth diese Leistung vollbracht? Der Sprecher der Stadt erklärt dieser Redaktion: "Testen, testen, testen!" Im ganzen Landkreis gebe es Teststationen – ein Angebot, das von der Bevölkerung angenommen werde. Zwischenzeitlich habe es im Landkreis mit 72.000 Einwohnerinnen und Einwohnern über 4.000 Tests pro Woche gegeben.

Auch die Impfkampagne laufe sehr gut, erklärt der Sprecher. Über 40 Prozent der Tirschenreutherinnen und Tirschenreuther hätten schon ihre Erstimpfung erhalten. Auch die vielen durchgemachten Infektionen in der Region und die zusätzlichen Impfdosen aufgrund der Grenze zu Tschechien könnten zum Erfolg der Immunisierungskampagne beitragen.

Insgesamt habe die Bevölkerung einen großen Anteil am erfolgreichen Kampf Tirschenreuths gegen das Coronavirus, weil sie nach der langen Zeit im Hotspot für die Maßnahmen "sensibilisiert" sei, hieß es von Seiten der Stadt.

Maßvolle Lockerungen der Corona-Regeln

Die aktuelle Inzidenz von null sei jedoch kein Grund, sich auf den Leistungen auszuruhen, erklärt der Sprecher der Stadt. "Das kann morgen schon wieder anders sein" – vor allem, weil die kritische Urlaubsphase erst noch bevorsteht und der Landkreis gerade erst mit Lockerungen begonnen hat.

Trotz der Inzidenz von Null bleibt es deshalb dabei: Kneipen und Diskotheken bleiben auch in und um Tirschenreuth weiter geschlossen. Landrat Roland Grillmeier (CSU) will aber zumindest ein wenig die Nuller-Inzidenz begießen: "Ich werde aber sicher ein Bierchen darauf trinken."

Viele Infizierte in Tirschenreuth - Bayern gibt Studie in Auftrag

Der Landkreis Tirschenreuth war in den vergangenen Pandemie-Monaten gleich zweimal Deutschlands Corona-Hotspot Nummer eins. Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 gab es sogar nirgendwo sonst in Deutschland so viele Infektionen. Im März 2020 war über die Stadt Mitterteich deshalb die bundesweit erste Ausgangssperre verhängt worden.

Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst will die Situation in der Region nutzen, um dem Coronavirus genauer auf den Grund zu gehen: Forscher sollen im Rahmen einer Studie herausfinden, wie lange eine Immunisierung gegen Covid-19 vorhält und wann die sogenannte Herdenimmunität erreicht ist.

Insgesamt waren im Landkreis Tirschenreuth laut Robert-Koch-Institut (RKI) 5.321 der rund 72.000 Einwohner Corona-positiv. 266 Menschen starben in der bayerischen Region an der Covid-19-Infektion.

Oberbürgermeisterin von Hof: Haben in der Region zusammengehalten

Auch Hof galt während der zweiten und dritten Welle als Corona-Hotspot. Noch im April überstiegen die Corona-Inzidenzen die 500er-Marke deutlich. Mittlerweile liegt die bayerische Stadt im deutsch-tschechischen Grenzgebiet bei unter 35 Neuansteckungen auf 100.000 Einwohner.

Aufgrund der hohen Inzidenzen musste Hof eine gute Taktik gegen die Pandemie entwickeln. "Wir haben zum Beispiel modellhaft Haus- und Betriebsärzte ausgebaut", erklärt die Hofer Oberbürgermeisterin Eva Döhla (SPD) dieser Redaktion. Dabei habe geholfen, dass die Stadt als Hotspot zusätzliche Impfstoffe bekommen hätte.

Aber nicht nur die direkten Maßnahmen gegen die Pandemie hätten geholfen, erzählt Döhla. "Wir haben hier in der Region alle zusammengehalten." Sowohl die Stadt, als auch der Landkreis Hof hätten bei der Bekämpfung des Coronavirus eine gemeinsame Strategie gefahren.

Hof: Mit Kontaktverfolgung und Impfungen die Ausbreitung des Virus verhindern

Damit die Inzidenz in Hof weiter sinkt, setzt der Kreis zum einen auf Kontaktnachverfolgung, zum anderen auf eine proaktive Impfkampagne, sagt Döhla. Gerade in Stadtteilen, in denen die Bevölkerung Hemmungen habe, von sich aus einen Impftermin zu machen, wolle die Stadt auf die Bürger zugehen. Zur Kontaktverfolgung will Hof auf die umstrittene "Luca"-App setzen, an mehr als 200 Orten könnten Menschen in Hof schon einchecken.

Die Corona-Pandemie habe Eva Döhla gezeigt, wie wichtig es ist, "über alle Parteigrenzen hinweg" zusammenzuarbeiten. Und noch etwas hat die Hofer Oberbürgermeisterin aus der Pandemie mitgenommen: "Es kann alles kommen – sei immer bereit!"

In der Stadt Hof wurden laut RKI 3.952 der 45.825 Einwohner positiv auf das Coronavirus getestet, 116 Menschen verstarben wegen der CoVid-19-Infektion.

(mit bml)