Mord

Femizid in Österreich: Mann erschießt seine Ex-Partnerin

Lesedauer: 3 Minuten
Britt-Marie Lakämper
Geheim-Code in Apotheken bei Häuslicher Gewalt: So lösen bedrohte Frauen den Notruf aus

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Experten gehen von einer Zunahme der Häuslichen Gewalt während der Coronakrise aus. Durch Kontakt- oder Ausgangssperren sind Menschen gezwungenermaßen mehr mit ihrem Lebensgefährten zuhause. Wenn dieser gewalttätig ist, kann die Situation schnell eskalieren.

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Eine Wienerin wird von ihrem Ex-Partner ermordet. Der mutmaßliche Täter soll auch die österreichische Grünen-Chefin belästigt haben.

In Österreich ist es am Donnerstag zu einem weiteren Femizid gekommen. In einer Wohnung in Wien soll am ein 42-Jähriger am Abend seiner ehemalige Partnerin getötet haben. Die Frau erlag nach Schüssen auf sie kurze Zeit später ihren Verletzungen an Kopf und Fuß im Krankenhaus.

Als die Polizei eintraf, befand sich der mutmaßliche Täter noch im Innenhof des Wohnhauses. Stark alkoholisiert wurde der Verdächtige noch am Tatort festgenommen. Er brach allerdings zusammen und wurde ebenfalls in ein Krankenhaus eingeliefert.

Die genauen Tatumstände sind laut Polizei derzeit noch Gegenstand laufender Ermittlungen. Bekannt ist, dass gegen 20 Uhr ein Notruf eingegangen sein soll. Der Anrufer schilderte, dass ein Mann im Haus eine Frau mit einer Schusswaffe bedrohe. In einem weiteren Anruf wurde gesagt, dass nun ein Schuss gefallen sei und der Mann im Innenhof warte, erklärte die Polizei zum Hergang der Tat.

Mutmaßlicher Täter belästigte eine Politikerin

Wegen der Alkoholvergiftung konnte der Verdächtige bisher nicht vernommen werden. Laut einem Bericht der Zeitung „Krone“ ist der mutmaßliche Täter kein Unbekannter: Es soll sich bei dem Mann um den Bierwirt handeln, der durch den Prozess gegen die Parteichefin der österreichischen Grünen, Sigrid Maurer, Bekanntheit erlangte.

Wie der „Standard“ berichtet, kann die Polizei die Identität des Festgenommen derzeit nicht bestätigten. Mittlerweile berichtet allerdings auch die Nachrichtenagentur APA, dass Informationen vorlägen, wonach es sich beim festgenommenen Mann um den Bierwirt handeln soll.

Im Mai 2018 soll der Mann Maurer anstößige Nachrichten geschrieben haben. Diese machte seine Identität daraufhin auf ihren Accounts in den sozialen Netzwerken öffentlich. Der Lokalbesitzer stritt das aber vehement ab und verklagte die Politikerin deshalb wegen übler Nachrede. In erster Instanz bekam er Recht.

Neun Frauenmorde in vier Monaten

Sigrid Maurer wurde damals zu einer Geldstrafe von 7.000 Euro verurteilt. Das Oberlandesgericht hob das Urteil im März 2019 allerdings wieder auf. Im September 2019 wurde das Verfahren erneut aufgerollt. Wegen der Corona-Pandemie wurde der Prozess allerdings um fast ein ganzes Jahr vertagt. Im Februar 2020 zog der Bierwirt seine Klage gegen die Politikerin schließlich unerwartet zurück, das Verfahren wurde daraufhin eingestellt.

Die Anteilnahme an dem Femizid in den sozialen Netzwerken ist groß. Viele können nicht fassen, dass innerhalb von nur vier Monaten schon neun Frauen durch einen ehemaligen oder bestehenden Lebenspartner getötet wurden.

Bei dem Frauenmord vom Donnerstagabend dürfte sich um die neunte Tötung einer Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner in diesem Jahr in Österreich handeln. Erst am Mittwoch vergangener Woche hatte ein 65-Jähriger in Neulengbach seine 64-jährige Lebensgefährtin getötet.

Schätzungsweise erlebt jede fünfte Frau in Österreich körperlicher und beziehungsweise oder sexueller Gewalt. Im europäische Vergleich werden hier deutlich mehr Frauen ermordet als anderswo.