Pandemie

RKI fürchtet zu Ostern mehr Corona-Fälle als an Weihnachten

Lesedauer: 5 Minuten
Britt-Marie Lakämper
Corona: Die britische Mutante bereitet Sorgen

Corona: Die britische Mutante bereitet Sorgen

Die britische Corona-Variante B.1.1.7. hat sich auf der ganzen Welt und auch in Deutschland ausgebreitet. Warum diese Mutante nicht unterschätzt werden sollte, sehen Sie im Video.

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Laut dem Robert Koch-Institut hat die dritte Corona-Welle in Deutschland begonnen. Die Folgen sind einer Prognose nach dramatisch.

Berlin. 
  • Nach einer Entspannung der Lage steigen die Corona-Zahlen in Deutschland seit einiger Zeit wieder
  • Die Experten des Robert Koch-Instituts gehen davon aus, dass die dritte Corona-Welle begonnen hat
  • Sie könnte deutlich schlimmer werden, als bisher erwartet
  • Schuld daran sind vor allem die Corona-Mutationen

Seit Wochen warnen Pandemie-Experten vor dem Effekt, den die Verbreitung der britischen Corona-Mutation auf die Infektionslage in Deutschland haben wird. Nachdem die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz erst bei einem Wert von um die 60 stagnierte, stieg sie in den vergangenen Tagen wieder deutlich an. Der R-Wert liegt meist über eins und die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen nimmt wieder zu.

Während die Corona-Maßnahmen in den Bundesländern nach und nach gelockert werden, warnte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, schon in den vergangenen Tagen, dass die dritte Welle der Corona-Pandemie in Deutschland bereits begonnen habe. Diese Einschätzung verdeutlicht das RKI jetzt mit einer aktuellen Prognose für die kommenden Wochen.

RKI: Britische Corona-Mutation hat sich in Deutschland durchgesetzt

Besonders "besorgniserregend" für die Lage in Deutschland sind für das RKI weiterhin die Mutationen, die "möglicherweise zu höherer Ansteckungsfähigkeit mit schnellerer Ausbreitung oder zu begrenzter Wirksamkeit einer Komponente der Immunantwort führen können".

Laut aktueller Daten des RKI hat sich die sogenannte britische Mutante B.1.1.7 mittlerweile in Deutschland durchgesetzt. Sie wurde nicht nur in allen Bundesländern nachgewiesen – mittlerweile gehen auch knapp 55 Prozent der untersuchten Infektionen auf die britische Variante zurück.

Corona-Prognose: Ostern mehr Fälle als an Weihnachten?

Im aktuellen Lagebericht stellt das RKI eine Prognose für die kommenden Wochen auf, die bei vielen für Entsetzen sorgen dürfe: Den Berechnungen zufolge prognostiziert das Institut für die Woche nach Ostern höhere Neuinfektionszahlen als rund um Weihnachten. "Die Extrapolation der Trends zeigt, dass mit Fallzahlen über dem Niveau von Weihnachten ab KW 14 zu rechnen ist", heißt es in dem Dokument von Samstag. Die Kalenderwoche 14 beginnt am 5. April, dem Ostermontag. Die Inzidenz könnte dann bei 350 liegen. Lesen Sie auch: Ostern 2021 in der Corona-Pandemie: Das sind die Regeln

Demnach zeigt sich bei der Variante B.1.1.7 ein exponentiell ansteigender Trend der Sieben-Tage-Inzidenz seit der zweiten Kalenderwoche. Alle zwölf Tage habe sich diese verdoppelt. Demgegenüber zeige der Verlauf bei allen übrigen Varianten einen Rückgang um etwa 19 Prozent pro Woche. Diese beiden Kurven würden sich zurzeit noch überlagern, was insgesamt zu der nur langsam ansteigenden Sieben-Tage-Inzidenz der vergangenen vier Wochen geführt habe.

Dritte Welle: Sieben-Tage-Inzidenz könnte 350 übersteigen

Bereits ab dieser Woche geht das RKI von einem sehr viel steileren Anstieg der Inzidenz-Kurve aus. Wenn die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am 12. April tatsächlich bei um die 350 liegen könnte, würde die Zahl der Neuinfektionen laut Berechnungen des "Spiegel" bei etwa 41.000 liegen. Das RKI rechnet damit, dass die Inzidenz so oder so zu diesem Zeitpunkt im Bereich von 220 bis 500 liegen wird.

Erste Anzeichen der dramatischen Entwicklung sind schon im Bereich der Krankenhausbelegung zu sehen. "In den meisten Bundesländern ist der zuvor kontinuierliche Rückgang der COVID-19 Fallzahlen auf Intensivstationen nicht mehr fortgesetzt, stattdessen stagniert die COVID-19-ITS-Belegung aktuell auf einem Plateau im Großteil der Länder", heißt es im RKI-Lagebericht. In einem Drittel der Bundesländer werde sogar wieder ein leichten Anstieg verzeichnet.

Corona: Lockerungen könnten Neuinfektionen schnell steigen lassen

Die Öffnungsschritte seit dem 8. März dürften die Voraussetzungen für das Abflachen der dritten Welle verspielt haben. Wie aus Mobilitätsdaten hervorgeht, sind die Deutschen aktuell wieder sehr viel mehr unterwegs als im Dezember oder Januar. Nach einem Rückgang der Mobilität bis zu den Feiertagen und dem Jahreswechsel von rund 30%, sei nun wider ein Anstieg zu beobachten, berichtet das RKI.

Noch am Freitag hatte RKI-Chef Wieler deshalb an die Bevölkerung appelliert, die Corona-Regeln weiter einzuhalten. "Die Impfungen weisen uns den Weg aus der Pandemie", sagte er. Bis jedoch der Großteil der Menschen in Deutschland geimpft sei, "bitte ich uns alle" weiterhin die Hygieneregeln einzuhalten und die Kontakte zu reduzieren.

Die Gesundheitsämter in Deutschland hatten dem Robert Koch-Institut binnen eines Tages 12.674 Corona-Neuinfektionen gemeldet – und damit 3117 mehr als vor genau einer Woche. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Samstagmorgen mit 76,1 deutlich höher als am Vortag (72,4).

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(mit dpa)