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Johnson & Johnson: Nebenwirkung und Wirksamkeit - Alle Infos

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Alessandro Peduto; Madeleine Janssen; Rabea Erradi
Priorisierung für Impfstoff von Johnson & Johnson in Deutschland aufgehoben

Priorisierung für Impfstoff von Johnson & Johnson in Deutschland aufgehoben

Die Priorisierung für den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson ist in Deutschland aufgehoben. Der Impfstoff könne nach ärztlicher Aufklärung und individueller Risikoentscheidung auch an jüngere Menschen verimpft werden, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Berlin.

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Die Priorisierung für den Corona-Impfstoff Johnson & Johnson ist in Deutschland aufgehoben. Das Vakzin bietet gleich mehrere Vorteile.

Silver Spring/Berlin. 
  • Beim Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson reicht nur eine Dosis für den vollen Impfschutz
  • Allerdings empfiehlt die Stiko das Vakzin nur für über 60-Jährige
  • Ähnlich wie bei Astrazeneca kann auch der Impfstoff von Johnson & Johnson in seltenen Fällen Thrombosen bei Jüngeren auslösen
  • Trotzdem bietet das Vakzin Vorteile - alles zu Nebenwirkungen und Wirksamkeit

Der Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson steht in Deutschland bald reichlich zur Verfügung: Nachdem die ersten Lieferungen bereits verimpft werden, erwartet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bis Ende Juli zehn Millionen Dosen des Mittels.

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat im April grünes Licht für das Vakzin von Johnson & Johnson gegeben. Bei dem Mittel reicht - anders als bei anderen Präparaten - eine Spritze, was das Herbeiführen der Schutzwirkung stark beschleunigt. Es ist zudem leicht handhabbar, weil es im Kühlschrank gelagert werden kann.

Lesen Sie hier alles Wissenswerte über den Impfstoff.

Welche Vorteile bietet der Impfstoff von Johnson & Johnson?

Bei diesem Impfstoff reicht - anders als bei den anderen in der EU bereits zugelassenen Mitteln von Biontech, Moderna und Astrazeneca - eine einzige Dosis. Dadurch könnte die Immunisierung der Bevölkerung deutlich beschleunigt werden.

Außerdem kann das Mittel leichter transportiert und aufbewahrt werden: Nach Unternehmensangaben ist es mindestens drei Monate lang bei normalen Kühlschranktemperaturen zwischen zwei und acht Grad haltbar. Somit kann das Mittel von jeder Arztpraxis aufbewahrt werden. Die Impfstoffe auf Grundlage der mRNA-Technologie von Biontech und Moderna müssen hingegen bei etwa minus 20 Grad aufbewahrt werden.

Der Hersteller Johnson & Johnson ist in Deutschland vor allem wegen seiner Kosmetikprodukte und Hygieneartikel bekannt. Der Konzern hat aber auch eine eigene Pharmasparte.

Wie funktioniert das Präparat?

Der Impfstoff von Johnson & Johnson, der Covid-19 Vaccine Janssen genannt wird, nutzt ein sogenanntes Adenovirus als Vektor. Dieses löst normalerweise eine gewöhnliche Erkältung aus, wurde aber so verändert, dass es sich nicht vermehren kann. Über den Vektor werden genetische Anweisungen an die Zellen übermittelt, ein bestimmtes Protein des Coronavirus zu produzieren. Dadurch wird das Immunsystem auf die Bekämpfung des echten Coronavirus vorbereitet.

Die Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna dagegen sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. "m" steht für messenger (Bote), "RNA" für Ribonukleinsäure. Hier ist die mRNA die Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers. Sie gelangt mit Hilfe winziger Fetttröpfchen in die Körperzellen. Diese stellen dann ebenfalls das Virusprotein her, gegen das der Körper seine Immunantwort entwickelt.

Ab wann besteht voller Impfschutz bei Johnson & Johnson?

Nach Angaben der EMA setzt der volle Impfschutz gegen eine Covid-19-Erkrankung etwa 14 Tage nach der Impfung ein.

Wie wirksam ist das Vakzin von Johnson & Johnson?

Dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zufolge sinkt die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken, beim Vakzin von Johnson & Johnson um bis zu 70 Prozent. Auch Vorprüfungen der US-Arzneimittelbehörde FDA, die dem Mittel Ende Februar eine Notfallzulassung für Menschen ab 18 Jahren erteilte, bescheinigen dem Präparat eine sehr hohe Wirksamkeit. Demnach verhinderte das Mittel in einer großen klinischen Studie in den USA schwere Erkrankungen zu 85,9 Prozent.

Bei Studien in Südafrika und Brasilien lag die Wirksamkeit demnach bei 81,7 beziehungsweise 87,6 Prozent. Damit scheint der Impfstoff des US-Konzerns auch gut gegen die südafrikanische und die brasilianische Virus-Varianten zu wirken, die als deutlich ansteckender gelten. Bei den in der EU bereits zugelassenen Corona-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna ist die Wirksamkeit insgesamt mit mehr als 90 Prozent noch etwas höher. In Deutschland dominiert derzeit die britische Variante des Coronavirus.

Impfung von Johnson & Johnson: Was sind die Nebenwirkungen?

Laut Robert Koch-Institut (RKI) traten in den Zulassungsstudien am häufigsten leichtere Impf-Nebenwirkungen auf. Dazu zählen beispielsweise:

  • Schmerzen an der Einstichstelle
  • Müdigkeit, Schwäche oder Unwohlsein
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen
  • Übelkeit
  • Fieber, Schüttelfrost

In den Studien traten diese Nebenwirkungen häufiger bei jungen als bei älteren Menschen auf.

In sehr seltenen Fällen (laut RKI weniger als 0,01 Prozent) traten nach einer Impfung mit Johnson & Johnson Blutgerinnsel auf, so etwa im Gehirn als Sinusvenenthrombose. Damit einher ging eine Verringerung der Blutplättchenzahl. Diese schwere Nebenwirkung tauchte innerhalb von drei Wochen nach der Impfung überwiegend bei Personen unter 60 Jahren auf und führte bei einem Teil der Betroffenen zum Tod.

Wer kann sich jetzt mit Johnson & Johnson impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt den Impfstoff wegen der seltenen Gefahr einer Hirnvenenthrombose grundsätzlich für über 60-Jährige - genau wie das Vakzin von Astrazeneca. Auf Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern können sich aber auch jüngere Menschen "nach ärztlicher Aufklärung und individueller Risikoentscheidung" mit dem Mittel impfen lassen, wie Bundesgesundheitsminister Spahn mitteilte. Die Priorisierung ist aufgehoben.

Corona-Impfung während der Schwangerschaft
Corona-Impfung während der Schwangerschaft

Schwere Nebenwirkungen, Hirnvenenthrombose: Was sind Alarmsignale?

Auf dem Aufklärungsbogen des RKI zu der Impfung von Johnson & Johnson wird darauf hingewiesen, dass die Hausärztin oder der Hausarzt umgehend konsultiert werden sollte, wenn Symptome auftreten, die allgemeine Impfreaktionen deutlich überschreiten. Genannt werden beispielsweise:

  • Starke oder anhaltende Kopfschmerzen, die einige Tage nach der Impfung auftreten
  • Atemnot
  • Sehstörungen
  • Brustschmerzen
  • Beinschwellungen
  • Anhaltende Bauchschmerzen
  • Punktförmige Hautblutungen außerhalb des Einstichs oder Blutergüsse

Wo wird der Impfstoff von Johnson & Johnson eingesetzt?

Das Vakzin von Johnson & Johnson wird in Deutschland bislang oft von mobilen Impfteams verabreicht. So wird es etwa bei Wohnungslosen eingesetzt, beispielsweise in Notunterkünften - schließlich eignet es sich aufgrund der Einmaldosis besonders gut für Personen, die nicht gut zu erreichen sind und häufig ihren Aufenthaltsort wechseln.

Welche Länder verzichten auf den Janssen-Impfstoff?

Dänemark hat die Corona-Impfungen mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson Anfang Mai wegen der seltenen Blutgerinnsel-Fälle eingestellt - nach Einschätzung der dänischen Gesundheitsbehörde würden die Vorteile des Mittels gegenüber den möglichen Nebenwirkungen nicht überwiegen. Die USA hatten die Impfungen aus dem gleichen Grund im April ausgesetzt, sie mittlerweile aber wieder aufgenommen.

(mit afp/dpa/fmg)