Corona

So gut ist der neue Impfstoff von Johnson & Johnson

Lesedauer: 6 Minuten

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Der Corona-Impfstoff des US-Konzerns Johnson & Johnson ist nun auch in der EU zugelassen. Das Vakzin bietet gleich mehrere Vorteile.

Silver Spring/Berlin. 
  • Die Europäische Arzneimittel-Agentur will über Zulassung des Johnson & Johnson-Impfstoffs entscheiden
  • In den USA ist er bereits mit einer Notzulassung auf dem Markt
  • Das Vakzin bietet ein paar Vorteile. Welche das sind und wie der Stoff funktioniert, lesen Sie hier im Überblick

Auch das Mittel des US-Herstellers Johnson & Johnson kann ab sofort genutzt werden. Die EU-Kommission genehmigte dies am Donnerstag auf Empfehlung der Arzneimittelbehörde EMA. Bei dem Mittel reicht - anders als bei anderen Präparaten - eine Spritze, was Impfungen sehr beschleunigen könnte. Es ist zudem leicht handhabbar, weil es im Kühlschrank gelagert werden kann.

„Mehr sichere und wirksame Impfstoffe kommen auf den Markt“, schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach der Zulassung für Johnson & Johnson auf Twitter. „Mit den Dosen, die wir geordert haben, können wir bis zu 200 Millionen Menschen in der EU impfen.“ Davon würde Deutschland 36,7 Millionen erhalten. Die ersten Impfdosen sollen im April kommen, bis Ende Juni dann insgesamt 55 Millionen für alle EU-Staaten. Lesen Sie auch: Mehrere Länder stoppen Impfung mit Astrazeneca.

Damit stünde ein einfacher handhabbares Vakzin gegen das Coronavirus zur Verfügung.

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Welche Vorteile bietet der Impfstoff?

Bei diesem Impfstoff reicht anders als bei den in der EU bereits zugelassenen Mitteln von Biontech, Moderna und Astrazeneca eine einzige Dosis. Dadurch könnte die Immunisierung der Bevölkerung deutlich beschleunigt werden.

Außerdem kann das Mittel leichter transportiert und aufbewahrt werden: Nach Unternehmensangaben ist es mindestens drei Monate lang bei normalen Kühlschranktemperaturen zwischen zwei und acht Grad haltbar. Somit kann das Mittel von jeder Arztpraxis aufbewahrt werden. Die Impfstoffe auf Grundlage der mRNA-Technologie von Biontech und Moderna müssen hingegen bei etwa minus 20 Grad aufbewahrt werden.

Wie funktioniert das Präparat?

Der neue Impfstoff nutzt ein sogenanntes Adenovirus als Vektor. Dieses löst normalerweise eine gewöhnliche Erkältung aus, wurde aber so verändert, dass es sich nicht vermehren kann. Über den Vektor werden genetische Anweisungen an die Zellen übermittelt, ein bestimmtes Protein des Coronavirus zu produzieren. Dadurch wird das Immunsystem auf die Bekämpfung des echten Coronavirus vorbereitet.

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Die Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna dagegen sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. „m“ steht für messenger (Bote), „RNA“ für Ribonukleinsäure. Hier ist die mRNA die Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers. Sie gelangt mit Hilfe winziger Fetttröpfchen in die Körperzellen. Diese stellen dann ebenfalls das Virusprotein her, gegen das der Körper seine Immunantwort entwickelt.

Wie wirksam ist das Vakzin von Johnson & Johnson?

Vorprüfungen der US-Arzneimittelbehörde FDA, die dem Vakzin Ende Februar eine Notfallzulassung für Menschen ab 18 Jahren erteilte, bescheinigen dem Präparat von Johnson & Johnson eine sehr hohe Wirksamkeit. Demnach verhinderte das Mittel in einer großen klinischen Studie in den USA schwere Erkrankungen zu 85,9 Prozent.

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Bei Studien in Südafrika und Brasilien lag die Wirksamkeit demnach bei 81,7 beziehungsweise 87,6 Prozent. Damit scheint der Impfstoff des US-Konzerns auch gut gegen die südafrikanische und die brasilianische Virus-Varianten zu wirken, die als deutlich ansteckender gelten. Bei den in der EU bereits zugelassenen Corona-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna ist die Wirksamkeit insgesamt mit mehr als 90 Prozent noch etwas höher. In Deutschland dominiert derzeit die britische Variante des Coronavirus.

Bei der Abwendung von leichteren Covid-19-Erkrankungen ergab die Studie bei Johnson & Johnson nur eine Wirksamkeit von 66,1 Prozent. Berichte über schwere allergische Reaktionen, wie sie bei Biontech und Moderna vereinzelt auftraten, liegen bei dem J&J-Mittel bislang nicht vor. Leichtere Impf-Nebenwirkungen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit und Kopfschmerzen traten in der Studie häufiger bei jungen als bei älteren Menschen auf. Daten zur Dauer des Impfschutzes lägen noch nicht vor, erklärte die amerikanische FDA. Auch gebe es keine belastbaren Erkenntnisse dazu, ob Geimpfte das Virus SARS-CoV-2 übertragen.

Wie viele Dosen wird die EU bekommen?

Der Impfstoff wird in mehreren Werken in den USA produziert, aber auch in Europa, nämlich im niederländischen Leiden und im schweizerischen Bümpliz. Die EU-Kommission hat für die Mitgliedstaaten 200 Millionen Dosen bestellt und hält eine Kaufoption auf 200 Millionen weitere. Noch im zweiten Quartal dieses Jahres sollen 55 Millionen Dosen geliefert werden. Mittlerweile gibt es aber Zweifel daran, ob das Unternehmen dies schaffen wird. Deutschland hat sich laut Bundesgesundheitsministerium 36,7 Millionen Dosen von Johnson & Johnson gesichert. Insgesamt sollen 94 Millionen Dosen von Biontech/Pfizer, von Moderna rund 50 Millionen und von Astrazeneca 56,3 Millionen Dosen in die Bundesrepublik geliefert werden.

Johnson & Johnson beantragt Impfstoff-Zulassung in der EU
Johnson & Johnson beantragt Impfstoff-Zulassung in der EU

Der Hersteller Johnson & Johnson ist in Deutschland vor allem wegen seiner Kosmetikprodukte und Hygieneartikel bekannt. Der Konzern hat aber auch eine eigene Pharmasparte. Das nun freigegebene Vakzin ist in den USA das dritte zugelassene neben den Mitteln von Biontech/Pfizer und Moderna. Von letzteren wurden US-weit bereits mehr als 66 Millionen Injektionen verabreicht.

US-Präsident Biden äußerst sich begeistert

US-Präsident Joe Biden sprach von „begeisternden Nachrichten für alle Amerikaner und einer ermutigenden Entwicklung in unserem Bemühen, die Krise zu beenden“. Biden rief die US-Bürger auf, trotz der Hoffnung durch den neuen Impfstoff vorsichtig zu bleiben: „Wir können jetzt keine Entwarnung geben oder annehmen, ein Sieg sei unvermeidlich“, sagte er.

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Größte Einzelcharge ist für Entwicklungsländer reserviert

Auch andere Staaten zeigen Interesse an dem neuen Impfstoff: Als einziges Land vor den USA hatte der Golfstaat Bahrain mit seinen 1,6 Millionen Einwohnern Ende Februar dem Wirkstoff von Johnson & Johnson eine Notzulassung erteilt. Großbritannien, das nicht mehr zur EU gehört, hat 30 Millionen Dosen bestellt. Kanada hat sich 38 Millionen Dosen gesichert. Die mit Abstand größte Einzelmenge von 500 Millionen Dosen ist für die internationale Impfstoffplattform Covax reserviert, über die Impfstoffe für Entwicklungsländer beschafft und finanziert werden.

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(mit afp und dpa)