Familie

Buchpremiere: Barbara Becker ist „Mama allein zu Haus“

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Herrlich, wenn die Kinder aus dem Haus sind? Nicht für Barbara Becker. Wie Mütter leiden können, beschreibt sie in ihrem neuen Buch.

Berlin. "Ist heute nicht Dein Zahnarzttermin, Ben?" "Und, nicht vergessen, Kim! Du hast heute die erste Reitstunde!" Jahrelang dreht sich alles um die Kleinen. Schlafen sie auch wirklich? Ein Blick ins Kinderzimmer auch noch mitten in der Nacht ist ganz normal. Und dann am Morgen die Weckrufe. Mütter haben nicht nur die Hoheit über die Kinderbetten, sondern die Kontrolle über alle Lebenssituationen.

Doch irgendwann ist Schluss - dann sind die Teenager weg. Eigentlich ein Grund zur Freude. Doch so einfach ist das nicht. Wie sich das anfühlt schreibt Barbara Becker (54), Autorin, Fotografin, Schauspielerin und Ex-Frau von die Tennislegend Boris Becker (53), zusammen mit der Journalistin Christiane Soyke in ihrem neuen Buch „Mama allein zu Haus“ (Gräfer und Unzer, 17.99 Euro, ab 2. März erhältlich).

Barbara und Boris Beckers Söhne Noah (25) und Elias Becker (19) sind nach der Scheidung in Florida bei der Mutter aufgewachsen. Barbara Becker erging es so wie den meisten Müttern: Als die Kinder aus dem Haus waren, kam da die große Leere.

Barbara Becker: "Wie eine Henne um ihr Ei"

„Die Gefühle, die Noahs Auszug damals in mir auslöste, und die Veränderung, die dies mit sich brachte, sind kaum zu beschreiben“, so Barbara Becker in ihrem Buch. „Über zwei Jahrzehnte waren die Kinder damals schon Teil meines Lebens –und jetzt war eines davon weg. Aber der Alltag und das Leben gingen weiter. Ich organisierte weiterhin Lehrer, Tutoren, gemeinsame Unternehmungen und Termine.“

Gut, dass da ja noch Elias war. „Ich habe mich in dieser Zeit, praktisch wie eine Henne, die ihr verbleibendes Ei unbedingt vor der großen weiten Welt beschützen will, auf Elias draufgesetzt, was er in der Pubertät teilweise völlig absurd und übertrieben fand. Und da hat er ja auch recht, weil jeder Mensch seine eigenen Erfahrungen machen muss. Aber ich konnte nicht anders. Sechsundzwanzig Jahre lang waren meine Kinder mein Lebensinhalt. Meine Welt drehte sich nur um sie. Auch wenn ich nach Deutschland flog, um zu arbeiten – für Businesstermine oder TV-Aufzeichnungen-, wusste ich immer, was gerade anstand, wann wer zum Basketballtraining musste oder welcher Tutor bei uns zu Hause war, um sie auf die nächste Prüfung vorzubereiten.“

Psychologen sprechen vom „Empty Nest Syndrom“

Eigentlich ist es verrückt: Wer jahrelang die müffelnden Zimmer der Jugendlichen ertragen musste, genauso wie die Launen der Pubertiere, sollte doch eigentlich froh sein, wenn der Nachwuchs weg ist. Doch so einfach ist das nicht, sagen Psychologen. Vor allem Frauen litten unter dem „Empty Nest Syndrom“.

Sie fallen oft in ein tiefes Loch, spüren eine innere Leere. In den meisten Fällen sei das vorübergehend, aber wenn der Kontakt zu den Kindern nach dem Auszug plötzlich ganz einbricht, könne das auch zu schweren psychischen Problemen, zu Traurigkeit, sogar zu Depressionen führen.

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Familie: Kinder und Eltern verstehen sich gut

Obwohl Eltern wissen, dass der Zeitpunkt kommt, wirkt der Wunsch auszuziehen dann doch oft wie ein Schlag ins Gesicht. Dabei bleiben Kinder heute statistisch länger zu Hause. Nicht selten, dass sich Eltern über das „Hotel Mama“ und dem damit verbundenen Phänomen beklagen, dass sie dem Nachwuchs auch mit Mitte zwanzig noch die Socken waschen dürfen.

Laut Statistischem Bundesamt ziehen Jugendliche in Deutschland heute später aus als beispielsweise in den 1990er Jahren (bis zu vier Jahre später). Das durchschnittliche Alter liegt demnach bei 23,7 Jahren, Frauen ziehen mit 22,9 früher aus, Männer mit 24,4 Jahren später.

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Kinder verstehen sich einfach besser mit ihren Eltern als das früher der Fall sei. In der Shell-Jugendstudie heißt es: „Die allermeisten Jugendlichen (92 Prozent) verstehen sich gut mit ihren Eltern; eine große Mehrheit sieht diese auch als Erziehungsvorbilder (74 Prozent).“ Das bedeutet auch: Für die Eltern fällt mit dem Auszug auch eine wichtige Bezugsperson weg. Die Jugend geht ihren eigenen Weg. Alles ist neu. Das Abenteuer Leben beginnt. Die Jugend spürt Euphorie, die Mama Abschiedsschmerz.

Mütter sollten froh sein, wieder Zeit für sich zu haben

Dabei gebe es allen Grund, auch als Mama die Zeit mit Freude zu begrüßen. War man doch Tag und Nacht nur mit den Gedanken bei dem Wohl der Kinder. Statt sich morgens herumzuplagen, dass sie endlich aufstehen, könnte man sich drauf freuen, dass das Generve vorbei. Barbara Becker beschreibt die Alltagserfahrung in ihrem Buch so: „Und dann das Weckritual: Ich kam teilweise drei bis vier Mal zum Aufwecken in die Zimmer meiner Jungs, wenn ich mit dem Fahrdienst für die Kids dran war!“

Barbara Beckers Weckrituale mit den Kindern

Der ganze Tag war von den Sorgen um die Kinder beherrscht. Zum Beispiel, wenn ein Anruf aus der Schule kommt. „In Amerika kann so ein Anruf alles bedeuten – von ,normalen’ Notfällen bis hin zum Amoklauf. Auf jeden Fall bekam ich nie einen Anruf, wenn es etwas zu feiern gab. Ich war gerade in Düsseldorf zur Besprechung für meine neue Teppichkollektion, als es mal wieder klingelte.

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Ich meldete mich schonmal etwas atemlos und hörte zuerst: ,Keine Panik. Alles ist gut. Ihrem Kind ist nichts passiert.’ Mein Herzschlag beruhigte sich etwas, aber entspannen konnte ich noch nicht. Denn das Gespräch war noch nicht zu Ende: ,Sie wissen ja,wie sehr ich Sie persönlich schätze, und ich mag auch Ihren Sohn.’ Pause. Aber?Ja genau, da kam es: ,Aber so geht das wirklich nicht weiter. Wenn er jetzt nicht endlich anfängt zu lernen und seine Hausaufgaben zu machen, wird er die Klasse nicht schaffen. Dann kann ich nichts mehr für ihn tun.’“

Familie: Jammern hilft - aber Besuche sind noch besser

Geholfen haben ihr gemeinsame Gespräche mit Freundinnen, wo einfach auch mal gejammert werden durfte. Und nach und nach hat sie geschafft, eine Lösung für sich zu finden. Die regelmäßigen Besuche ihrer Söhne wurden zu einem Ritual, das ihr half, wieder ihre Mitte zu finden.

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„Ich versuche, spätestens alle sechs Wochen ein paar Tage in Berlin und London zu verbringen. Inzwischen bin ich auch nicht mehr ganz so aufgeregt wie am Anfang. Es hat sich auf beiden Seiten eingespielt. Ich besuche zwar meine Söhne, aber ich behandle sie nicht mehr wie kleine Kinder. Wir begegnen uns auf einer gleichberechtigten erwachsenen Ebene und ich versuche, ihnen mit meinen Besuchen nicht auf die Nerven zu gehen.“ Sie schneie weder unangekündigt vorbei, „noch übernachte ich wochenlang bei ihnen auf dem Sofa oder beschwere mich sogar, dass ich einsam bin jetzt so allein in Miami“ bin.

Sie habe die Phase des Abschiednehmens überstanden. Und verzeihe sich auch manche Melancholie. „Natürlich werde ich manchmal wehmütig – aber was für eine Mutter wäre ich, wenn ich das nach so vielen gemeinsamen Jahren nicht so empfinden würde? 26 Jahre habe ich mich an meine Jungs gewöhnt – da braucht es eben ein bisschen Zeit, um mich umzugewöhnen.“

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Die Autorinnen:

Barbara Becker arbeitet als Model und Designerin. Ihre beiden Söhne Noah und Elias sind inzwischen aus dem Familienhaus in Miami ausgezogen, wehren sich aber nach wie vor dagegen, dass Mama beide Kinderzimmer in Gästezimmer verwandelt

Christiane Soyke ist verheiratet, Mutter eines Sohnes und war immer voll berufstätig. Seit vielen Jahren ist sie Mitglied der Chefredaktion bei BUNTE und eng mit Barbara Becker befreundet.