Schwarzwald

Oppenau: Yves R. und SEK-Beamter bei Festnahme verletzt

Bewaffneter Mann im Schwarzwald nach langer Suche gefasst

Nach tagelanger Fahndung ist der im Schwarzwald abgetauchte schwer bewaffnete Yves R. gefasst worden. Der 31-Jährige hatte zuvor vier Polizisten entwaffnet und war in ein Waldstück nahe Oppenau geflohen.

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Der Mann soll vier Polizisten bedroht und entwaffnet haben, dann flüchtete er in den Wald. Nun wurde er festgenommen.

Oppenau. 
  • Yves R. wurde nach tagelanger Suche rund um Oppenau gefasst und sitzt nun in Untersuchungshaft
  • R. und ein SEK-Beamter wurden bei der Festnahme verletzt
  • Yves R. hatte Polizisten die Waffen abgenommen und sich im Schwarzwald verschanzt
  • Der Festgenommene ist als Jugendlicher unter anderem wegen Volksverhetzung verurteilt worden
  • Zum Zeitpunkt seines Verschwindens trug er Tarnkleidung und war mit Pfeil und Bogen bewaffnet
  • Für die Suche im Wald wurden rund 1500 Beamte eingesetzt

Er gilt als Waffennarr, der sich als „Waldläufer“ sieht – und er hielt die Polizei tagelang in Atem. Erst nach fast einer Woche ununterbrochener Suche konnten die Ermittler den schwer bewaffneten Räuber von Oppenau Yves R. am Freitag fassen. Die Festnahme sei um 17.17 Uhr erfolgt. Das teilte die Polizei am Freitagabend mit.

R. sitzt nun in Untersuchungshaft. Er sei nach der Vorführung im Amtsgericht Offenburg in eine Justizvollzugsanstalt gebracht worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft in Offenburg am Samstag mit. Es bestehe der dringende Tatverdacht auf schwere räuberische Erpressung in Tateinheit mit vorsätzlichem unerlaubtem Besitz einer Schusswaffe.

Die Festnahme gestaltete sich trotz anderer Hoffnung der Beamten spektakulär, wie Einsatzleiter Jürgen Rieger bei der Pressekonferenz am Freitagabend schilderte. Bei seiner Verhaftung verletzte der 31-Jährige einen SEK-Beamten mit einem Beil. Wie genau, ist noch unklar. Auch der Angreifer selbst wurde bei seiner Verhaftung leicht verletzt. Er musste allerdings nicht behandelt werden.

Zeugen geben entscheidenden Hinweis

Am Freitagnachmittag hatten sich zwei Zeugen bei der Polizei gemeldet und Hinweise auf den Aufenthaltsort von Yves R. gemacht. Daraufhin hätten die Beamten mit einem Spürhund und einem Hubschrauber die Suche aufgenommen. „Aufgrund des Verhaltens des Hundes waren wir sehr sicher, dass es eine frische Spur sein muss“, schilderte Rieger.

Die Beamten hätten den 31-Jährigen schließlich ausfindig gemacht – knieend mit den vier Pistolen vor sich ausgebreitet und einem Beil auf dem Schoss. Zudem habe ein Schrieb vor ihm gelegen, berichtete Rieger. Die Polizei vermutet, dass es sich um einen Abschiedsbrief gehandelt habe. Das sei jedoch noch nicht sicher. Die Beamten hätten Yves R. angesprochen. Das habe sich aber laut Rieger schwierig gestaltet, weswegen sich das SEK zur Festnahme entschlossen hätte. Bei ihm wurden die vier entwendeten Dienstwaffen und eine weitere Pistole sicher gestellt.

Yves R. soll am Samstagmorgen dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Staatsanwaltschaft geht bisher davon aus, dass er wegen schwerer räuberischer Erpressung angeklagt wird. Noch sei er nicht vernommen worden, da dies ohne Verteidiger nicht erlaubt sei. Dieser soll Yves R. so schnell wie möglich zur Seite gestellt werden.

Yves R.: So lief die Suche

Auch am Freitag suchten die Ermittler mit einem Großaufgebot nach dem 31-jährige Yves R. ihm. Von dem Mann fehle nach sechstägiger Suche jede Spur, teilte die Polizei am Morgen mit. R. war wie vom Erdboden verschluckt. Die Ermittler gingen weiter davon aus, dass sich R. im Wald bei Oppenau aufhält.

Polizei sucht das Gespräch mit Yves R.

Polizeipräsident Renter rief den 31-Jährigen dazu auf, Kontakt mit der Polizei aufzunehmen. Das könne auch über Freunde oder Familie geschehen. „Das ist ein Weg, gesund für alle herauszukommen“, sagte Renter auf einer Pressekonferenz am Freitag.

Renter sprach auch den offensichtlich großen Freiheitsdrang des Mannes an. Die Polizeimaßnahmen dürften sich aber inzwischen auch psychisch auf ihn auswirken. „Ich hoffe und wünsche mir, dass er dieser Sache ein Ende macht.“

Oppenau: Polizei arbeitet bei Suche mit Überlebensexperten zusammen

Bei der Suche im Schwarzwald setzte die Polizei auch auf die Hilfe von Überlebensexperten, Polizeipsychologen und ortskundigen Förstern. Insbesondere die Psychologen sollten sich in den 31-Jährigen hineinversetzen, um Anhaltspunkte zu seinem Verbleib zu bekommen, sagte Polizeisprecher Yannik Hilger. Mehr als 270 Hinweise über den Verbleib von R. sollen bisher eingegangen sein.

Der Gesuchte, der seit vergangenem Jahr ohne festen Wohnsitz ist, hatte am Sonntag vier Polizisten entwaffnet, bevor er sich in ein Waldstück nahe Oppenau absetzte. Seitdem wurde das Gelände nach Angaben der Polizei abgesucht. Insgesamt wurden bislang 1500 Beamte eingesetzt.

Die vier Polizisten, denen der Gesuchte die Waffen entwendet hatte, nahm Renter vor Kritik in Schutz: Die Beamten hätten sich in einer lebensbedrohlichen Lage befunden. Der 31-Jährige hatte einen der Polizisten nach Ermittlerangaben mit einer Pistole bedroht, woraufhin die Beamten ihre Waffen abgaben. „Sie haben alles richtig gemacht“, versicherte der Polizeipräsident.

Gesuchter 31-Jähriger wegen Volksverhetzung vorbestraft

Der Gefasste ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft als Jugendlicher unter anderem wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Er habe im Alter von 15 Jahren das Schild eines Jugendwerks durch Entfernen und Hinzufügen von Buchstaben so verändert, dass die Aufschrift die Worte „Juden weg“ enthielt, teilte die Staatsanwaltschaft Offenburg am Donnerstag mit.

Außerdem sei während des Aufenthalts in dem Jugendwerk eine rechtsradikale Gesinnung zum Ausdruck gekommen, unter anderem durch Verwendung von Hakenkreuzen und SS-Symbolen sowie judenfeindliche Äußerungen. Die Jugendstrafe von acht Monaten mit Bewährung wurde nach einer Phase erlassen, in der er sich nichts hatte zuschulden kommen lassen. Danach habe es keine weiteren Ermittlungsverfahren wegen politisch motivierter Straftaten mehr gegeben.

Oppenau: Polizei suchte nach Verstecken in Wäldern

Die Schulen in Oppenau sind wieder geöffnet, nachdem sie am Montag geschlossen waren. „Der Ort soll wieder zur Normalität zurückfinden“, hatte Bürgermeister Uwe Gaiser am Dienstag gesagt. Mit der Polizei sei ein Sicherheitskonzept abgestimmt worden. Eltern dürften aber selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken wollten oder nicht.

Der 31-Jährige lebt nach Angaben der Polizei seit Wochen in den Wäldern und kennt sich vermutlich sehr gut darin aus. Er soll in Tarnkleidung unterwegs gewesen sein. Trotz des Einsatzes von Hubschrauber, Wärmebildkameras, Suchhunden und Spezialeinsatzkräften verlief die Fahndung in den ausgedehnten Wäldern rund um Oppenau bis Freitag ohne Erfolg.

Mögliche Verstecke in den Wäldern seien überprüft worden, teilte die Polizei am Montag mit. Sie wies auch auf die Schwierigkeiten der Fahndung hin: „Die Durchsuchungsmaßnahmen erfolgen zum größten Teil in unübersichtlichem Gelände.“

Die Polizei stufte den 31-Jährigen als gefährlich ein. Es sei nicht klar, ob er sich in einer „psychischen Ausnahmesituation“ befinde. Die Polizei hatte die Menschen in der Region am Sonntag aufgefordert, Waldgebiete zu meiden, sich möglichst nicht im Freien aufzuhalten und keine Anhalter mitzunehmen.

Oppenau in Baden-Württemberg: Mann bedrohte Polizei massiv

Der Polizei war am Sonntagvormittag gemeldet worden, dass sich an einer Hütte ein verdächtiger Mann in Tarnkleidung aufhalte. Als Beamte R. dort kurze Zeit später antrafen, stellten sie den Angaben zufolge fest, dass er neben Pfeilen und Bogen auch ein Messer und eine Pistole bei sich trug.

Nach anfänglich kooperativem Verhalten habe der 31-Jährige die Polizisten plötzlich mit einer Schusswaffe bedroht und sie gezwungen, ihre Pistolen niederzulegen. Anschließend nahm er die Waffen an sich und floh in den Wald. Verletzt wurde bei der Aktion niemand.

Die Staatsanwaltschaft Offenburg hat ein Ermittlungsverfahren gegen R. wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit dem unerlaubtem Führen einer Schusswaffe eröffnet.

Yves R. schoss mit Armbrust auf Ex-Freundin

Der Mann war den Ermittlungen zufolge schon mehrfach mit der Polizei in Konflikt geraten, unter anderem wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz.

2010 war der Flüchtige zu einer Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Er hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Pforzheim im Jahr zuvor mit einer Sportarmbrust auf eine Frau geschossen und diese schwer verletzt.

Yves R. soll sich heimlich Schießstand eingerichtet haben

Der ehemaliger Vermieter des 31-Jährigen sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, R. habe sich in seiner letzten festen Wohnung heimlich einen Schießstand eingerichtet. Fünf Jahre lang habe R. in einer Wohnung im Dachgeschoss eines Oppenauer Gasthauses gewohnt und sei 2019 ausgezogen, sagte der Vermieter, dem das Gasthaus gehört. Bis auf einen Pfeil und Bogen habe er aber nie Waffen bei R. gesehen, sagte der Vermieter weiter.

Allerdings habe die Polizei im vergangenen Jahr bei einer Durchsuchung der betreffenden Wohnung im Speicher unter dem Dach eine Art Schießstand entdeckt.

Der Gefasste ist ein „extrem seltsamer Mensch“

Sein Ex-Vermieter beschreibt R. als einen „extrem seltsamen Menschen“. Nachdem der 31-Jährige über mindestens zehn Monate mit der Miete im Rückstand gewesen sei, habe er die Wohnung Ende vergangenen Jahr zwangsräumen lassen. Bei dem Versuch, die Mietforderungen einzutreiben, habe sich dann herausgestellt, dass der Mann nicht mehr in Oppenau gemeldet gewesen sei, so der Vermieter.

Ein „Manifest“, das nach R.s Verschwinden gefunden worden war, stammt nach Einschätzung der Polizei aller Wahrscheinlichkeit nach allerdings nicht von dem 31-Jährigen. Es gebe viele Hinweise, dass der Text über die Kritik an der Technisierung des Lebens und das einfache Leben im Wald nicht von R. geschrieben worden sei, sagte Polizeisprecher Yannik Hilger. Das Schreiben sei für die Ermittlungen derzeit ohne Bedeutung.

(bekö/dpa/afp/jas/raer/reb)