Razzia

Nicht vermisst: Polizei findet eigene Munition bei Razzia

Eine mutmaßlich rechtsextreme Gruppe hortete rund 50.000 Schuss Munition - als Vorbereitung auf „Tag X“.

Eine mutmaßlich rechtsextreme Gruppe hortete rund 50.000 Schuss Munition - als Vorbereitung auf „Tag X“.

Foto: David Young / dpa

Tausende Schuss Munition wurden bei einer rechtsextremen Gruppe gefunden. Sie stammt zum Teil von der Polizei – die weiß von nichts.

Berlin/Dresden. Es war ein Ermittlungserfolg, als bei einer Razzia im Juni vergangenen Jahres in Mecklenburg-Vorpommern etwa 50.000 Schuss Munition und Waffen sichergestellt werden konnten. Die mutmaßlich rechtsextreme Gruppe „Nordkreuz“ hatte die Patronen gehortet. Genauer gesagt: ihr Anführer, ein ehemaliger SEK-Beamter. Inzwischen jedoch wirft vor allem die Herkunft der Munition Fragen auf – und ein schlechtes Licht auf die Behörden.

Wie bekannt wurde, stammt die Munition teilweise von Polizeibehörden – und zwar aus mehreren Bundesländern. Kurios ist, dass dort das Fehlen der Munition teilweise wohl gar nicht aufgefallen ist. In Sachsen etwa, so bestätigte es das sächsische Innenministerium nun nach einer Anfrage des Mitteldeutschen Rundfunks.

Gestohlene Munition: Hunderte Patronen aus Behörde entwendet

„Die Aufhellung der Umstände, wie die Patronen in den Besitz des Beschuldigten gelangten, ist Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens“, erklärte das Ministerium gegenüber MDR Sachsen. Ermittelt werde wegen des Verdachts des Diebstahls beziehungsweise der Unterschlagung.

Dem Bericht zufolge sind allein bei der Polizei Sachsen in den Jahren von 2010 bis 2018 um die 300 Patronen verschwunden, dazu zwei Pistolen, eine Maschinenpistole und eine Leuchtpatrone. Laut des Innenministeriums würden „alle Maßnahmen ergriffen, die in Verlust geratenen Gegenstände wieder aufzufinden“.

Rechtsextreme Prepper bereiten sich auf „Tag X“ vor

Dass sie zum Teil in die Hände des offenbar rechtsradikalen Netzwerkes „Nordkreuz“ gerieten, ist kein Einzelfall. Gegen drei der Gruppe angehörigen Männer ermittelt bereits die Staatsanwaltschaft Schwerin. Sie sollen seit April 2012 rund 10.000 Schuss Munition aus Beständen des LKA abgezweigt haben, um sich damit auf den „Tag X“ vorzubereiten, an dem, so ihre Hypothese, die staatliche Ordnung wegen einer Flüchtlingswelle oder islamistischer Anschläge zusammenbricht.

Mehrere Personen aus der Gruppe sollen aus dem Umfeld von Bundeswehr und Polizei stammen. Gemeinsam sollen die sogenannten Prepper zudem vorgehabt haben, Leichensäcke und Ätzkalk zu bestellen.

(zrb)