Interaktive Karte

In diesen Städten steigen die Mieten schneller als die Löhne

Diskriminierung bei Wohnungssuche

Zugewanderte und Menschen mit ausländisch klingendem Namen werden auf dem Wohnungsmarkt benachteiligt.

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Mieten und Löhne steigen an. Mit unserer interaktiven Karte können Sie Mietpreise und Löhne in allen deutschen Landkreisen vergleichen.

Berlin. In deutschen Großstädten sind nicht nur die Löhne hoch. Auch die Mieten steigen. Und das meist schneller als die Lohnentwicklung. Das zeigt auch unsere interaktive Karte, in dem man sich für jeden Landkreis Deutschlands das Verhältnis zwischen Löhnen und Mieten anzeigen lassen kann (die Karte finden Sie weiter unten).

Dabei zeigt sich: Deutschland ist bei der Mietentwicklung ein dreigeteiltes Land. In Süddeutschland steigen die Mieten sehr viel schneller als die Löhne, in Ostdeutschland kostet Wohnen relativ zum Einkommen gesehen dagegen immer weniger. In weiten Teilen Westdeutschlands entwickeln sich Löhne und Mieten in nahezu gleichem Tempo. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Mieten: Wohnen ist günstiger geworden – aber

Ausgewertet hat das Kölner Institut die Entwicklung von Bruttolöhnen und Neuvertragsmieten im Zeitraum von 2014 bis 2018 für die 401 Landkreise und kreisfreie Städte.

  • In diesem Zeitraum sind die Bruttolöhne im bundesweiten Vergleich durchschnittlich um 9,4 Prozent auf 3.312 Euro monatlich gestiegen.
  • Gleichzeitig stiegen die Nettokaltmieten bei neuen Wohnverträgen um 8,5 Prozent auf durchschnittlich 7,44 Euro pro Quadratmeter.

„Insgesamt ist das Wohnen zur Miete im Mittel damit relativ gesehen günstiger geworden, die Erschwinglichkeit ist gestiegen“, schreiben die Studienautoren Michael Voigtländer und Pekka Sagner.

Die Wohnkosten sind laut der Studie sogar in Zweidrittel der betrachteten Gebiete (269 von 401) erschwinglicher geworden. Doch es gibt regional große Unterschiede. Relativ zur Lohnentwicklung ist das Wohnen in Kempten (Allgäu) am teuersten geworden. Dort stiegen die durchschnittlichen Bruttolöhne um 13,8 Prozent – die Mieten jedoch um 33,4 Prozent. Lesen Sie hier: Mit Baby auf der Straße - So hart trifft Wohnungslosigkeit alleinerziehende Mütter.

Ostdeutschland: Differenz zwischen Gehältern und Mieten am größten

Dagegen zieht in Ostdeutschland – Berlin ausgenommen – die Lohnentwicklung an der Mietensteigerung vorbei.

  • In der Differenz hat sich das Wohnen am stärksten im sächsischen Erzgebirgskreis vergünstigt ­- um 13,8 Prozent.
  • Während die Löhne um 17,4 Prozent stiegen, verzeichneten die Durchschnittsmieten dagegen nur ein Plus von 3,5 Prozent.

Die Autoren der Studie führen das vor allem auf den großen Leerstand zurück, der nach wie vor in vielen ostdeutschen Gegenden herrscht.

In den Großstädten hat sich im untersuchten Zeitraum vor allem das Wohnen in München verteuert:

  • Die Mieten stiegen um 19,7 Prozent, die Löhne nur um 10,9 Prozent.
  • In Berlin stiegen die Mieten in der Differenz um 1,1 Prozent mehr als die Löhne. Und genau im gleichen Maße stiegen Löhne und Mieten in Stuttgart.
  • Erschwinglicher ist das Wohnen laut der Studie des IW vor allem in Hamburg geworden. In der Hansestadt stiegen die Löhne um 8,7 Prozent, die Mieten dagegen nur um 3,3 Prozent.

Miete sollte nicht höher als 30 Prozent des Gehalts sein

Entscheidend ist schließlich, wie hoch der Anteil am Einkommen ist, den man für die Miete ausgeben muss. Deshalb lautet eine Faustregel: Die Miete sollte nicht höher als 30 Prozent des Gehaltes sein. Bei dieser Regel ist jedoch das Nettoeinkommen gemeint. Das funktioniert in der Realität jedoch eher selten.

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Besonders angespannt ist die Lage in den vier Millionenstädten Berlin, Hamburg, München und Köln. Menschen mit niedrigen Gehältern können sich das Wohnen hier kaum noch leisten. Selbst wenn sie so günstig wie möglich wohnen, müssen sie durchschnittlich mindestens 37 Prozent des Gehalts für die Miete ausgeben. Aber auch in Uni-Städten wie Freiburg (41 Prozent) ist die Belastung hoch.

In München liegt die Mietbelastung für Geringverdienende im Schnitt sogar bei 53 Prozent des Gehalts.

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