Wohnungsmarkt

Trotz Mietpreisbremse: Mieten sollen 2020 weiter steigen

Nur 287.000 der von der Bundesregierung anvisierten 375.000 Wohnungen wurden im vergangenen Jahr neu gebaut.

Nur 287.000 der von der Bundesregierung anvisierten 375.000 Wohnungen wurden im vergangenen Jahr neu gebaut.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Der Mieterbund erwartet für das kommende Jahr einen weiteren Anstieg der Mieten. In welchen Städten die Mieten derzeit am stärksten steigen.

Frankfurt/Main. Die Mieten in Deutschland werden weiter steigen. Damit rechnen die Immobilienexperten des Deutschen Mieterbundes. Demnach könnten die Mieten im kommenden Jahr örtlich im Schnitt um weitere 2,5 bis 3,5 Prozent zulegen. „Ich sehe noch keine Trendwende“, sagte Lukas Siebenkotten, Präsident des Mieterbundes. Solange es Menschen gebe, die höhere Mieten in Kauf nehmen, gingen auch die Preise weiter nach oben, erklärte Siebenkotten.

Ausgerechnet der viel umstrittene Berliner Mietendeckel könnte dagegen als Vorbild dienen: „Hilfreich wäre es“, meinte der 62-Jährige, „wenn der Bund gesetzlich den Anstieg der Mieten über fünf Jahre auf die Inflationsrate begrenzen würden.“ Der Unterschied zu Berlin: In der Hauptstadt sollen die Mieten für fünf Jahre ganz eingefroren werden. Das Gesetz soll Anfang 2020 in Kraft treten.

Neuvermietungen: In diesen Städten nahm der Mietpreis um 5,2 Prozent zu

Zusätzlich zur Forderung einer Begrenzung der Mieterhöhungen mahnt der Deutsche Mieterbund die Bundesregierung, ihr Vorhaben, jährlich 375.000 neue Wohnungen zu bauen, tatsächlich umzusetzen. Im vergangenen Jahr wurde diese Marke um 88.000 Wohnungen verfehlt. Es tue sich, entgegen der politischen Versprechen und der Zusagen der Immobilienbranche wenig, kritisierte Siebenkotten.

Laut dem Hamburger Gewos Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung sind die Neuvertragsmieten im dritten Quartal im Schnitt auf 7,29 Euro je Quadratmeter kalt gestiegen – 3,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit bleibt die Preisentwicklung auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr.

„Die Dynamik bei den Mieten hat nur minimal nachgelassen“, sagte Gewos-Geschäftsführerin Carolin Wandzik. Ausgewertet hatte Gewos Inserate auf dem Portal Immobilienscout24 zu Standardwohnungen mit 3 Zimmern in mittlerer Lage und Ausstattung. Das Baualter lag bei 30 Jahren.

Deutlich stiegen die Mieten demnach weiterhin in den Städten Hamburg, München, Köln, Stuttgart und Düsseldorf – und auch in jenen, die nach Angabe des Statistischen Bundesamtes besonders viel Zuzug durch junge Menschen und Zuwanderer erfahren: Berlin und Frankfurt. Die Erhöhung lag in den Städten im Schnitt bei satten 5,2 Prozent auf 12,42 Euro kalt je Quadratmeter. Allerdings: Dies ist nur eine Tendenz, im Bestand sind Mieten meist niedriger.

Experten beobachten eine Marktberuhigung – und zum Teil fallende Preise

Zuletzt hatten einige Experten ein Abflachen der Mietsteigerungen gesehen. „Der Mietwohnungsmarkt schreitet mit Siebenmeilenstiefeln dem Ende des Zyklus entgegen“, verkündete vor einigen Wochen der Immobilienspezialist Empirica mit Blick auf Städte wie München und Hamburg. Dort deute sich bei den Angebotsmieten eine Stagnation an.

In einigen der teuersten Städte Deutschlands seien die Neuvertragsmieten im dritten Quartal gar gefallen, teilte ferner der Immobilienspezialist F+B mit, der Städte und Gemeinden bei der Aufstellung von Mietspiegeln unterstützt. Die Rede war von Rückgängen von 0,5 Prozent in Karlsruhe bis 2,5 Prozent in Esslingen.

Hintergrund: Grüne wollen Mieten-Obergrenze im deutschen Recht verankern

F+B-Geschäftsführer Bernd Leutner sprach von einer . Im Bestand seien die Mieten nach jüngsten Mietspiegel-Daten für 2019 um 1,8 Prozent gestiegen, im Vorjahr waren es 2,2 Prozent. Auch die ortsüblichen Vergleichsmieten wüchsen „nicht mehr in den Himmel“.

Menschen ziehen vermehrt an den Stadtrand

Ist nun die Schmerzgrenze erreicht? „Ob die Mieten weiter steigen oder nicht, hängt nicht von deren Höhe ab“, sagte Stefan Mitropoulos, Immobilienexperte bei der Landesbank Helaba. Entscheidend seien Angebot und Nachfrage. Berichte über sinkende Angebotsmieten will er nicht überbewerten. „In manchen sehr teuren Teilmärkten mag es das geben, aber nicht in der Breite.“ Statt einer Trendwende sieht er eine Verschiebung von Zentren mehr an die Ränder der Ballungszentren.

„Nicht nur Metropolen, sondern auch Städte mit 50.000 oder 100.000 Einwohnern ziehen Fachkräfte an und werden zu regionalen Zentren mit zunehmender Wohnungsknappheit“, sagte Wandzik von Gewos. Zugleich kletterten im Umland der Großstädte die Mieten besonders stark. „Da schwappt ein enormer Druck über.“

Wandzik erwartet auch im kommenden Jahr keinen Rückgang der Mieten. „Mit dem starken Arbeitsmarkt ziehen viele Fachkräfte in die Städte und mit einer stabilen Konjunktur steht Deutschland im europäischen Vergleich gut da.“

Ähnlich sieht das Helaba-Experte Mitropoulos. Nach wie vor werde zu wenig gebaut, während die Niedrigzinsen Immobilienkredite billig machten und der Zuzug in die Städte ungebrochen sei. „Die Treiber des Immobilienbooms sind intakt. Da wird es 2020 kein neues Bild geben.“

Zum Thema: Warum der Mietendeckel Vorbild für andere Länder sein kann, er aber laut eines Ex-Verfassungsrichters vor allem kleine Vermieter trifft.

(dpa/yah)