Flugkatastrophe

Germanwings-Absturz: Piloten-Witwe spricht über Zeit danach

Die Gedenkstätte für die Opfer des Germanwings-Absturzes in den französischen Alpen.

Die Gedenkstätte für die Opfer des Germanwings-Absturzes in den französischen Alpen.

Foto: imago stock&people / imago/Peter Seyfferth

150 Menschen kamen am 24. März 2015 beim gezielten Absturz des Germanwings-Fluges 9525 ums Leben. Nun spricht die Witwe des Piloten.

Berlin. Am 24. März 2015 stürzte ein Airbus der Fluggesellschaft Germanwings in den südfranzösischen Alpen ab. 150 Menschen kamen dabei ums Leben. Im Verlauf der Ermittlungen zur Absturzursache kam heraus: Der Co-Pilot Andreas Lubitz hatte das Flugzeug absichtlich in den Bergen zerschellen lassen.

Zuvor hatte er den Piloten Patrick Sondenheimer aus dem Cockpit ausgeschlossen und die alleinige Kontrolle über die Maschine übernommen. Nun hat die Witwe des Piloten, Annika Sondenheimer, mit dem Bonner „General-Anzeiger“ über den schweren Schicksalsschlag gesprochen.

Germanwings-Absturz: Piloten-Witwe will nicht über Lubitz sprechen

Die Nachricht über den Absturz habe sie im Düsseldorfer Landtag erreicht, wo Sondenheimer damals und auch heute wieder als Juristin arbeite. Zunächst sei nicht klar gewesen, ob der Germanwings-Flug 9525 der ihres Mannes gewesen sei, doch nach einigen Stunden habe sie die erschütternde Nachricht erreicht: Patrick Sondenheimer und 149 weitere Menschen seien bei dem Absturz gestorben.

Danach habe sie „eigentlich nur noch funktioniert“, sagte die 41-Jährige der Zeitung. Annika Sondenheimer sei damals sofort mit Hilfe von Freunden, Nachbarn, Politikern und der Piloten-Gewerkschaft vor der Presse abgeschirmt worden. Zum Co-Piloten Lubitz, der den erweiterten Suizid herbeigeführt hat, habe sie sich nie geäußert. „Und ich werde es auch jetzt und in Zukunft nicht tun.“

Germanwings-Katastrophe: Sondenheimer gründete Stiftungsfonds

Die Leiterin des Kindergartens ihrer damals fünf Jahre alten Tochter und des dreijährigen Sohnes habe in der Zeit nach dem Absturz wertvolle Trauerarbeit geleistet. „Trauerarbeit, die so wichtig ist“, sagte Sondenheimer. Sie habe sich in der folgenden Zeit sogar selbst zur Trauerbegleiterin ausbilden lassen und eine Auszeit von ihrem alten Job genommen.

2017 gründete sie dann den Patrick-Sondenheimer-Stiftungsfonds, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, trauernden Kindern und Jugendlichen professionelle Hilfe zukommen zu lassen. „Wir möchten, dass sie ein Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Beständigkeit zurückgewinnen“, so die 41-Jährige.

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Sondenheimer sagte der Zeitung, ihre Kinder verstünden immer besser, was passiert sei, könnten den Verlust aber noch nicht wirklich realisieren. „Aber wir haben inzwischen einen stabilen Alltag, und Verlustängste gehören ebenso dazu wie die Erinnerungen.“ (mbr)

  • Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.