Tragödie

Kind von Flasche getroffen: Mann gesteht Wurf aus Zug

Aus einem Partyzug soll eine Flasche geworfen worden sein, die ein Kind verletzt hat. In Greven wurde der Zug durchsucht.

Aus einem Partyzug soll eine Flasche geworfen worden sein, die ein Kind verletzt hat. In Greven wurde der Zug durchsucht.

Foto: Günter Benning / dpa

Das Mädchen wurde auf dem Arm seines Vaters von der Flasche getroffen. Die Polizei richtet eine Soko ein.

Berlin. Eine aus dem Fenster eines Partyzugs fliegende Flasche hat am Bahnhof in Kamen ein zweijähriges Kleinkind getroffen und es lebensgefährlich verletzt. Zwei Tage nach dem Vorfall stellt sich der Flaschenwerfer – und gesteht seine gedankenlose und verheerende Tat.

Der 31-Jährige aus Moers hatte das Geschehen zunächst als Versehen dargestellt, meldete sich aber am Montag erneut bei der Polizei und räumte ein, dass er zur Tatzeit am Freitag die Flasche aus dem Fenster des Zuges geworfen habe, wie die Ermittler mitteilten. Der Mann gab auch an, dabei unter Alkoholeinfluss gestanden zu haben.

Dass der zügig fahrende Zug sich in diesem Moment in Höhe eines Bahnhofes befunden habe, sei ihm nicht bewusst gewesen, sagte der Mann gegenüber der Polizei.

Flasche aus Partyzug trifft Kind: Zug wurde sofort gestoppt

Wie die weiteren Ermittlungen zeigten, flog die Flasche zunächst gegen ein Hindernis, prallte von dort ab und traf das zweijährige Mädchen am Kopf. Sein Vater war gerade mit dem Kleinkind auf dem Arm die Bahnhofstreppe hinaufgekommen. Das Mädchen musste operiert werden und wurde am Montag noch im Krankenhaus behandelt. Nach der OP war die Zweijährige außer Lebensgefahr und stabil.

Nach dem Vorfall hatte die Polizei den Zug aus Köln voller Feiernder auf seiner Weiterreise Richtung Norderney in Greven gestoppt und die Personalien der rund 500 Mitreisenden sowie deren Hinweise aufgenommen. Der mutmaßliche Verursacher hatte sich aber zunächst nicht gestellt.

Flasche aus Zug geworfen – Das Wichtigste in Kürze:

  • Am Kamener Bahnhof ist ein Kind schwer verletzt worden
  • Es schwebte zeitweise in Lebensgefahr
  • Die Polizei hat Hunderte Fahrgäste befragt
  • Nun gestand ein 31-Jähriger, die Flasche geworfen zu haben

Keiner der Menschen im Zug durfte aussteigen – sämtliche Personalien wurden von der Polizei aufgenommen. Die Menschen waren auf dem Weg von Köln nach Norddeich Mole. Die 580 Passagiere verhielten sich dabei sehr kooperativ, wie ein Sprecher der Bundespolizei schildert.

Am Sonntag stiegen dann erneut Kriminalbeamte in den zurückreisenden Zug ein und setzten ihre Suche fort. „Wir konnten ja davon ausgehen, dass der Beschuldigte auch wieder mit im Zug sitzt“, sagte ein Polizeisprecher.

Auch Lautsprecherdurchsagen habe es gegeben. Die Taktik ging auf: Der 31-Jährige meldete sich. In einer ersten Vernehmung hatte er das Geschehen allerdings noch als Versehen dargestellt: Die Flasche sei beim Hantieren mit einem Koffer aus dem Fenster gefallen. Freiwillig war der Mann am Montag erneut bei der Polizei erschienen - um seine erste Version zu korrigieren. Gegen ihn wird wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

Große Solidarität unter Mitreisenden

Unter den Mitreisenden habe der Vorfall eine große Solidarität für das verletzte Mädchen und seine Familie ausgelöst, berichtete der Geschäftsführer des Reiseveranstalters Müller-Touristik, Bernd Niemeyer. „Auf der Rückreise haben sie eine Spendenaktion gestartet und haben noch im Zug eine vierstellige Summe zusammengetragen“, sagte Niemeyer.

Die „Bild“-Zeitung hatte unter Berufung auf eine Mitreisende 3500 Euro als Summe genannt. Das gesammelte Geld werde man nun aufstocken und möglichst bald an die Familie weiterleiten. „Wir wünschen dem Kind und der Familie, dass es nun möglichst schnell wieder ganz gesund wird“, sagte Niemeyer.

Laut „Bild“ wurde sofort ein Staatsanwalt hinzugerufen, der per Lautsprecher den Täter aufforderte, sich zu stellen. Erfolglos zu diesem Zeitpunkt.

Reiseveranstalter unterstützt Ermittlungen

Getränke an Bord würden in weichen Pfandbechern aus biologisch abbaubarem Material ausgegeben, teilte der Reiseveranstalter mit. Grundsätzlich sei das Mitbringen von Getränken und Speisen nicht untersagt. „Ein Recht zur Taschenkontrolle haben wir als Reiseveranstalter nicht.“ Einige Fenster könnten - wie auch in alten ICs (Intercity-Zügen) - während der Fahrt zu einem Teil geöffnet werden.

Bei einem tragischen Unglück in einer Kita ist gerade erst ein Sechsjähriger verletzt worden – er starb offenbar an einem Stromschlag. In Philadelphia trafen Schüsse ein Baby im Auto seiner Stiefmutter. (ses/shu)