Fernsehen

Rocker und Spießer: Maria Furtwängler in „Nachts baden“

Der Erfolg hat ein Ende: Pola (Maria Furtwängler) überdenkt ihr Leben.

Der Erfolg hat ein Ende: Pola (Maria Furtwängler) überdenkt ihr Leben.

Foto: Erika Hauri / dpa

In „Nachts baden“ will sich Maria Furtwängler als gescheiterte Musikerin mit ihrer Tochter versöhnen. Doch dem Film fehlt es an Ideen.

Berlin. Schauspielerinnen haben es gut. Für die Länge eines Films können sie ausprobieren, wie es wäre, einmal eine ganz andere zu sein. Ohne dass es ihr eigenes, echtes Leben stört, können sie dann alles geben: eine Rocksängerin, zum Beispiel.

Ja, sogar eine gescheiterte Rocksängerin wie Pola, die ihre besten Karrieretage schon hinter sich hat – das pralle Leben zwischen Hippie- und Rockertum mit all den Hits, ausgedehnten Tourneen, mit Pizza und Bourbon und „nachts baden“ im Pool.

Jenny will nie so werden wie ihre Mutter

Das alles hat ein Ende, als der gleichnamige Film beginnt. Gerade ist Polas neueste Tournee abgesagt worden, wegen schleppenden Vorverkaufs. Im wahrsten Sinne des Wortes gehen auf der mallorquinischen Finca langsam die Lichter aus – die Stromrechnung ist überfällig.

Und dann taucht auch noch Tochter Jenny (Tijan Marei) mit Kasimir (Jonathan Berlin) auf: Beide studieren Wirtschaftsinformatik, etwas Grundsolides und vollkommen Unkünstlerisches also. Wie auch die 21-jährige Jenny wild entschlossen ist, niemals so zu werden wie ihre egozentrische, „männermordende“ Mutter.

Im Kopf nur die Karriere

Die hat sie als Kind sowieso immer vernachlässigt, weil sie nicht anderes im Kopf hatte als ihre Karriere. Möglicherweise bekommt deshalb Jenny heute Schweißausbrüche, wenn sie in einer Prüfung sitzt. Auf jeden Fall ist Pola an allem schuld, was in ihrem Leben nicht klappt…

Schön wär’s. Wenn die rockige Mutter mütterlicher gewesen wäre, wäre die Tochter womöglich auch nicht so eine pampige Spießerin? Und das glamouröse Setting würde auch nicht mehr verdecken, wie altbacken der Film in der Regie von Ariane Zeller eigentlich rüberkommt?

Viel Aufwand, aber das Ergebnis ist mager

Diese Botschaft ist nicht das einzige Ärgernis, das einen staunen macht, mit wie viel Aufwand und Gebührengeld richtig schlechte Filme für die Primetime hergestellt werden können.

Nichts stimmt an diesem Mutter-Tochter-Drama. Alles ist nur Klischee. So voll das Drehbuch von Frank Zeller, so dünn und vorhersehbar die Konflikte und ihre Lösungen. Panikattacken werden einfach mit ein paar offenen Worten weggeplaudert.

Immerhin – die Landschaft ist schön

Andere Dialoge sind ohnehin zum Fremdschämen: „Ich bin nicht so lonely, wie du denkst“, sagt die Mutter zur Tochter, die ihr vorwirft, dass sie sich an ihren jungen Freund ranmacht. Aber die Landschaft, immerhin, ist schön: Gedreht wurde im malerischen Hinterland Mallorcas.

Maria Furtwängler haben wir so noch nicht gesehen. So exzessiv sexy und cool überdreht, wie man sich Rockstars außerhalb der Bühne eben so vorstellt. Singen tut sie auch, in diesem Film und außerhalb: Für Udo Lindenbergs neues Album nahm sie ein Duett auf und performte es bei verschiedenen Auftritten live.

Wie überhaupt Furtwängler die Klaviatur der publikumswirksamen Öffentlichkeitsarbeit bedienen kann, um diesen Film zu promoten. Denn natürlich, im wahren Leben ist sie ganz anders, konnte man lesen. Sollte heißen: eine richtige Mutter eben, die ihre Rolle kennt und die Schamgrenzen ihrer Kinder respektiert.

Mittwoch, 25.09.2019, 20.15 Uhr, Das Erste