Luxusdampfer

"Titanic": Ernüchternde neue Bilder des Schiffswracks

Erstmals nach 14 Jahren hatten sich Taucher zu den Überresten des einst größten Kreuzfahrtschiffes der Welt aufgemacht.

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14 Jahre lang hatte es kein Update mehr gegeben, nun liefert eine Tauchexpedition neue Filmaufnahmen des Unglücksschiffs.

Berlin. Die „Titanic“ gehört nicht nur wegen des berühmten Hollywood-Films zu den Legenden der Menschheit. Einst als modernstes Schiff der Welt gefeiert, zieht es noch heute viele Fans in seinen Bann – und das, obwohl das Wrack bereits seit mehr als 100 Jahren auf dem Grund des Atlantiks liegt. 1500 Menschen starben, nachdem das Schiff auf seiner Jungfernfahrt am 15. April 1912 mit einem Eisberg kollidierte.

Eine vom Tauchexperten Victor Vescovo geleitete Expedition unternahm in diesem Monat fünf Tauchgänge zum wohl bekanntesten Schiffswrack der Geschichte, das in 3800 Meter Tiefe auf dem Meeresgrund liegt. Nun gehen neue Filmaufnahmen der „Titanic“ um die Welt – die nach Angaben der Expediteure ersten Bilder des einstigen Luxusdampfers seit 14 Jahren. Und die bislang einzigen, die das Wrack in 4K-Auflösung zeigen.

Die Rechte an den Bildern besitzt die Londoner Produktionsfirma Atlantic. Offenbar sollen sie Teil eines neuen Dokumentarfilms werden. Atlantic, das unter anderem für Sky, die BBC und National Geographic produzierte, ist bekannt für hochwertige Dokumentarfilme und wurde bereits mehrfach für seine Produktionen ausgezeichnet.

„Titanic“-Expedition berichtet von starkem Verfall des Wracks

Für den in Sachen Unterwasserwelt durchaus erfahrenen Vescovo, der das Wrack an Bord eines Tauchboots mit eigenen Augen begutachten konnte, sei es eine „großartige Erfahrung“ gewesen. „Es ist ein großes Wrack, ich war nicht darauf vorbereitet, wie groß es ist. Es war außerordentlich, es komplett zu sehen.“ Zugleich brachten er und sein Team aber auch die Erkenntnis mit, dass der Verfall der „Titanic“ immer schneller voranschreitet. Unter anderem die Badewanne in der Kapitänskabine, die unter „Titanic“-Fans zu den beliebtesten Motiven vom Wrack zählen soll, sei nun verschwunden – wie vieles an der Steuerbordseite des Wracks.

„Das ganze Deck auf dieser Seite bricht zusammen ... und die Zerstörung wird weiter fortschreiten“, erklärte der Historiker Parks Stephenson, der ebenfalls Teil der jüngsten „Titanic“-Expedition war. Strömungen, Korrosion und Bakterien sorgen dafür, dass immer mehr Wrackteile zusammenfallen. Vor dem Abschied vom Wrack legte die Crew bei einem Tauchgang einen Kranz ab, um der Opfer zu gedenken.

Titanic-Fotos könnten die letzten sein – Das Wichtigste in Kürze

  • Zum ersten Mal seit 14 Jahren gelangen wieder Fotos der „Titanic“ an die Öffentlichkeit
  • Es könnten die letzten Bilder des berühmten Schiffswracks sein
  • Bakterien, Strömung und Korrosion lassen das Schiff zunehmend verfallen

„Titanic“ wird von Bakterien zerfressen

Dass die „Titanic“ nicht mehr lange als solche zu erkennen sein wird, hatten Forscher bereits 2017 angekündigt. „Das Wrack ist von Biofilmen und Rost überzogen“, erklärte damals Antje Boetius, Meeresbiologin am Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. „Dadurch wird das Wrack instabil und fällt irgendwann zusammen“, sagte die Tiefseeforscherin.

Fundort der „Titanic“ auf der Karte

Auch auf einer Google-Maps-Karte ist der Fundort des 1912 gesunkenen Schiffes zu sehen.

Fakten zur „Titanic“

  • Die „Titanic“ galt eins als Symbol des Fortschritts und wurde als Zeichen Perfektion menschlicher Technologie gefeiert
  • Sie wurde sogar für „unsinkbar“ erklärt
  • Die „Titanic“ sank in der Nacht des 15. April 1912 auf ihrer Jungfernfahrt von Southampton nach New York
  • Eine Kollision mit einem Eisberg hatte das Schiff schwer beschädigt und zum Sinken gebracht
  • Mehr als 1500 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben
  • Am 1. September 1985 war das Wrack vor der Küste Neufundlands entdeckt worden

„Titanic“-Werft meldet Insolvenz an

Auch die Werft, in der die „Titanic“ ab März 1909 gebaut worden war, könnte bald Geschichte sein. Harland & Wolff beantragte Anfang August Insolvenz, wie ein Unternehmenssprecher in Belfast der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.

Der norwegische Eigner Dolphin Drilling, der die Werft bereits vor Monaten zum Verkauf gestellt hatte, habe selbst finanzielle Schwierigkeiten. Das Geld reiche auch nicht mehr, um sich auf zwei lukrative Aufträge – darunter vom britischen Verteidigungsministerium für den Bau von Fregatten – zu bewerben, sagte der Sprecher.

„Uns ist die Zeit ausgegangen.“ Die Werft hatte zuletzt Millionenverluste geschrieben, der Umsatz war eingebrochen.

Mehr zur „Titanic“

Auch wenn es möglicherweise die letzten Fotos des legendären Schiffswracks sein werden, gibt es für richtige Titanic-Fans noch die Möglichkeit, die „Titanic“ mit eigenen Augen zu sehen: Wer genügend Geld hat, kann an einer Tauchreise zur Titanic teilnehmen. Das Problem: Die Tour kostet mehr Zehntausende Dollar. (br)