Untersuchung

Boeing 737 Max: Äthiopiens Absturzbericht entlastet die Crew

Rettungskräfte arbeiten am 11. März an der Absturzstelle des Fluges 302 der Ethiopian Airlines in der Nähe von Addis Abeba.

Rettungskräfte arbeiten am 11. März an der Absturzstelle des Fluges 302 der Ethiopian Airlines in der Nähe von Addis Abeba.

Foto: Mulugeta Ayene / dpa

Eine Boeing 737 Max ist vor einem Monat in Äthiopien abgestürzt. Der Untersuchungsbericht zeigt, dass die Crew korrekt handelte.

Addis Abeba. Knapp einen Monat nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien hat das ostafrikanische Land am Donnerstag einen ersten Untersuchungsbericht zur Ursache des Unglücks veröffentlicht. Dieser entlastet die Crew – es habe sich offensichtlich nicht um menschliches Versagen gehandelt. Die konkrete Absturzursache lässt der Bericht aber offen.

Die Besatzung der in Äthiopien abgestürzten Boeing 737 Max hat alle vom Hersteller vorgesehenen Verfahren befolgt, konnte das Flugzeug aber nicht unter Kontrolle bringen, wie die äthiopische Transportministerin Dagmawit Moges am Donnerstag in Addis Abeba sagte.

Schon vor der Veröffentlichung des Berichts verdichten sich die Hinweise, dass das System zur Kontrolle des Aufstiegswinkels den Piloten Probleme bereitet hat. Die als Absturzursache vermutete Kontrollfunktion MCAS war vier Mal nach dem Abschalten durch die Flugzeugführer der Ethiopian-Airlines-Maschine aktiviert, sagten zwei mit den Informationen zu dem Unglück vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters bereits am Mittwoch.

Bericht: Steuersoftware ließ sich nicht deaktivieren

Die Ermittler haben Anzeichen dafür gefunden, dass die Nase der Maschine nach unten gedrückt wurde, sagte Dagmawit. Man empfehle dem Hersteller, dass das Flugsteuerungssystem untersucht werde. Auch sollten Luftfahrtbehörden dieses System untersuchen, bevor die Maschine des Typs wieder fliegen könnte.

Der Absturz unweit von Addis Abeba hat den US-amerikanischen Flugzeughersteller Boeing und die US-Luftfahrtbehörde FAA stark unter Druck gebracht. Im Fokus steht vor allem eine umstrittene Steuerungssoftware, die bereits beim Crash einer baugleichen Boeing in Indonesien als eine mögliche Ursache gilt, bei dem Ende Oktober 189 Menschen starben.

Unfallermittler gingen bei dem Crash davon aus, dass die eigens von Boeing für die neue Flugzeugreihe 737 Max entwickelte Steuerungssoftware MCAS ein wichtiger Auslöser des Unglücks gewesen sein könnte. Der Bordcomputer soll die Nase der Lion-Air-Maschine automatisch immer wieder nach unten gedrückt haben, während die Crew gegenzusteuern versuchte.

157 Menschen bei Absturz gestorben

Bei dem Absturz der noch relativ neuen Maschine am 10. März unweit von Addis Abeba waren alle 157 Menschen an Bord ums Leben gekommen, darunter fünf Deutsche. Der vorläufige Untersuchungsbericht wird sich auf die Daten der Flugschreiber stützen. Diese waren kurz nach dem Absturz der Ethiopian-Airlines-Maschine von Experten in Frankreich ausgelesen worden.

Die sogenannten Blackboxes, die sich zur Unfalldiagnose an Bord aller größeren Verkehrsflugzeuge befinden, zeichnen alle Flugdaten sowie alle Stimmen und Geräusche im Cockpit auf. Die äthiopische Regierung hat zuvor bereits erklärt, dass der Absturz „klare Ähnlichkeiten“ mit dem Crash einer baugleichen Maschine in Indonesien im Oktober aufweise.

Mehr zum Thema:

Boeing 737 Max 8: Nach Abstürzen fliegt die Angst wieder mit

Trotz Abstürzen: Boeing 737 Max weiter Option für Lufthansa

Boeing 737 Max muss wegen Triebwerksproblemen notlanden

Bordcomputer behinderte die Arbeit der Piloten

Die Software MCAS war nach dem Absturz der Lion-Air-Maschine in Indonesien in den Fokus geraten. Damals kamen 189 Menschen ums Leben. Den Unfallermittlern zufolge drückte der Bordcomputer die Nase der Boeing automatisch immer wieder nach unten, während die Crew versuchte, den Jet nach oben zu steuern.

Boeing war infolge des zweiten Absturzes einer noch relativ neuen Boeing Max unter großen Druck geraten. Inzwischen hat der US-Hersteller ein weitgehendes Update für die Steuerungssoftware MCAS angekündigt, um das System sicherer zu machen. Dieses muss allerdings noch von den Luftfahrtbehörden genehmigt werden.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte schon vor mindestens drei Jahren Bedenken geäußert, dass die Korrekturmöglichkeit der MCAS-Software über einen elektronischen Schalter im Krisenfall zu schwach sei, wie aus einem Zulassungsdokument der europäischen Luftfahrtaufsicht EASA hervorging.

Bis zur genauen Klärung der Unglücksursachen wurden nach dem Absturz in Äthiopien weltweit Startverbote für die Serie angeordnet. Die rund 370 bislang ausgelieferten Maschinen des neuen Flugzeugtyps stehen seither am Boden. (mbr/dpa/rtr)

Update: Pannen-Boeing 737 Max 8 – noch ein Fehler in der Software